Arbeitsrecht Gespaltene Arbeitsverhältnisse

Einmal im Monat wirft die Markt&Technik einen Blick in das Arbeitsrecht. Fachanwalt Dr. Markus Janko von Kliemt & Vollstädt berichtet dieses Mal über die Gefahren in Matrixorganisationen. Es geht um Bonuszahlungen, Betriebe und Betriebsvereinbarungen.

Zahlreiche Unternehmen sind mittlerweile in Matrixorganisationen aufgestellt. Arbeitsrechtlich können Matrixorganisationen zu entgrenzten und gespaltenen Arbeitsverhältnissen führen. Denn Arbeits- und Organisationseinheiten in der Matrix orientieren sich weder an Betriebs- noch an Unternehmensgrenzen.
 
Dies liegt in der DNA von Matrixorganisationen. Eine besondere Herausforderung kann sich beim Umgang mit (vermeintlich) leitenden Angestellten in Matrixorganisationen ergeben. Dies zeigt die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg vom 28. Mai 2014 (4 TaBV 7/13).
Das Leiten in einer Matrixorganisation ist arbeitsrechtlich riskant, weil die DNA einer Matrixorganisation, das unternehmens- und betriebsübergreifende Steuern von Prozessen, zu unkalkulierbaren Betriebszugehörigkeiten von Mitarbeitern führen kann. Dies zeigt der für eine Matrixorganisation typische Sachverhalt, der der Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg zu Grunde lag:
 
Zwei Konzernunternehmen des A-Konzerns (A GmbH und AIS GmbH) betreiben virtuelle Business Units. Die AIS GmbH hat ihren Sitz in München. Mit der AIS GmbH hat der betreffende leitende Angestellte einen Arbeitsvertrag und arbeitet örtlich in München. Gleichzeitig hat der leitende Angestellte gegenüber ca. 50 Mitarbeitern der AIS GmbH in München und gegenüber ca. 20 Mitarbeitern der A GmbH am Standort Stuttgart ein fachliches und disziplinarisches Weisungsrecht. Der Betriebsrat der A GmbH in Stuttgart vertritt die Auffassung, dass der leitende Angestellte, obwohl örtlich fast nie in Stuttgart, wegen des Weisungsrechts für die ca. 20 Mitarbeiter in den Stuttgarter Betrieb der A GmbH eingegliedert ist.