Kommentar »Gegen den Ingenieurmangel hilft Kooperation und Vernetzung«

Jochen Weber, Geschäftsführer der Prones Automation: "Die Welt dreht sich schneller als Politik oder Hochschulwesen. Damit liegt die Aufgabenstellung dem Ingenieursmangels zu begegnen bei der Wirtschaft".
Jochen Weber, Geschäftsführer der Prones Automation: "Die Welt dreht sich schneller als Politik oder Hochschulwesen. Damit liegt die Aufgabenstellung dem Ingenieursmangels zu begegnen bei der Wirtschaft".

Spielt es eine Rolle, wie hoch die Zahl der nicht besetzbaren Stellen wirklich ist? Während sich Verbände streiten, muss die Wirtschaft handeln. Jochen Weber, Geschäftsführer des Systemintegrators ProNES Automation, erklärt seine Strategie.

Das Thema des Ingenieurmangels bewegt offensichtlich ganz Deutschland; regelmäßig berichten große Tages- und Wirtschaftsmedien über die zukünftigen Anforderungen und mögliche Lösungsansätze, um dem aktuellen Problem aber auch dem nahenden Szenario Herr zu werden. Aktuell geht die Diskussion sogar so weit, dass sich Institutionen wie VDI (Verein Deutscher Ingenieure) und DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) in korrekten Erfassungen zu Studien, Statistiken und Zahlen verlieren.

Was stimmt nun oder anders gefragt: wo liegt das tatsächliche Problem?

Der Bedarf an Ingenieuren wächst. Hier scheinen sich Institutionen einig. Auch die wachsende Anzahl an Stellenangeboten belegt diesen Trend (105.000 offene Stellen im Februar 2012 laut VDI-/IW-Ingenieurmonitor). Obgleich staatliche Einrichtungen und Institutionen weiterhin an der Frage der Zahlen feilen, stellen sich Unternehmen bereits den Anforderungen.

Die technischen Anforderungen sind in nahezu allen Lebensbereichen gewachsen – sei es von den Smartphones über intelligente Fahrzeuge bis hin zu denkenden Gebäuden. Das Engineering ist längst nicht mehr auf einen mechanischen Aspekt im Maschinen- oder Fahrzeugbau beschränkt. Nachrichtentechnik, Elektrotechnik, Informatik, um nur einige Fachbereiche aufzuzählen, gehören längst zu festen Disziplinen im Ingenieursumfeld. Damit unterliegt natürlich auch das Berufsbild eines Ingenieurs heute völlig anderen Anforderungen als noch vor zehn Jahren.

Die Welt dreht sich schneller als Politik oder Hochschulwesen. Damit liegt die Aufgabenstellung dem Ingenieursmangels zu begegnen bei der Wirtschaft. Die Absolventenzahlen in den Ingenieurstudiengängen steigen stetig. Die Frage aber, ob die heute in Hochschulen erworbenen Qualifikationen den Bedarf der Unternehmen decken, bleibt trotz Diskussion um den Fachkräftemangel ungeklärt.

Auch die Idee seitens der Politik, Ingenieure aus dem Ausland zu heuern, kann nur rein symptomatisch bleiben. Vor allem, da in Deutschland die Ingenieursdichte im europäischen Vergleich noch immer deutlich höher ist als in den Nachbarstaaten. Großbritannien beispielsweise verfügt über nur ein Drittel des deutschen Wertes, Norwegen nur ein Viertel. Nach Finnland hat Deutschland die zweitgrößte Ingenieursdichte (Ingenieur360.de).

Die Wirtschaft also muss reagieren und tut es bereits. Schon heute wird kaum ein Projekt in mittelständischen und großen Unternehmen ohne Zuhilfenahme externer Ingenieursdienstleister abgewickelt. In der Zukunft wird diese Auslagerung  wahrscheinlich zunehmen. Aber natürlich benötigt auch der externe Dienstleister qualifiziertes Personal.

Ein erfolgreicher Weg, für den sich auch die ProNES Automation GmbH entschieden hat, ist der Weg der Kooperation und Vernetzung. Abgesehen vom Mangel an qualifiziertem Nachwuchs ist es eine Gradwanderung für Engineering-Unternehmen, alle notwendigen Disziplinen unter einem Dach zu vereinen. Das Thema ‚Vernetzen‘ und ‚Kooperieren‘ begegnet dieser Anforderung.

Als Konsequenz arbeitet die ProNES beispielsweise nicht nur sehr eng mit Herstellern im Bereich der Automatisierungstechnik zusammen, sondern gründete unlängst eine Kooperation für ganzheitliche Systemlösungen und zertifizierte Entwicklungsprozesse im Ingenieurbereich. Schließlich ändern sich die Zeiten und auch, wenn herkömmliche Strukturen und Denkweisen oft ein bequemer Weg sind; im Engineering sind es vor allem die Vor- und Querdenker, die den Fortschritt einläuten.