Der MINT-Mangel finanziert eine ganze Reihe von Förderprojekten samt Mitarbeitern Frauenmangel in der Technik: Ist ihre "romantische Gefühlslage“ schuld?

Macht Technik unweiblich?

Noch bizarrer erscheint ein Beitrag der österreichischen Zeitung „Die Presse“: Offenbar glauben amerikanische Frauen einer Studie nach, dass Technik sie weniger begehrenswert mache.  Ein Forscherteam der University of Buffalo testete Studentinnen und Studenten, die sich noch nicht für ein Hauptstudium entschieden hatten. Mit Bildern oder Gesprächen wurden die Testpersonen in eine romantische Stimmung versetzt und nach ihren Präferenzen beim künftigen Studium befragt. Das Resultat: Die emotionale Vorbehandlung minderte das Interesse junger Frauen an Naturwissenschaft und Technik zugunsten „weiblicher“ Fächer wie Sprachen. Besonders stark war der Effekt, wenn die Studentinnen Singles waren. Bei Männern zeigte die romantische Gefühlslage jedoch keinerlei Auswirkung – egal, ob sie sich in einer Beziehung befanden oder nicht. Die Erklärung der Forscher für die Ergebnisse der Frauen: Wenn sie in traditionell männliche Bereiche vordringen, die mit ihrer Geschlechterrolle kollidieren, fürchten sie um ihre Attraktivität.

Ob das wirklich ein Grund dafür sein könnte, dass Frauen so selten Elektrotechnik studieren, sei dahingestellt. Richtig ist jedoch, dass Frauen in der Mehrzahl Studiengänge wie Pädagogik, Psychologie, Romanistik, Kunstgeschichte, Ernährungswissenschaften, Anglistik oder Germanistik wählen – in Österreich wie in Deutschland.  Selbst Pharmazie, ein naturwissenschaftliches Fach, studieren zu rund drei Viertel Frauen. Wirtschaft und Politik möchten sie gerne davon abbringen, um einen reichlichen Ingenieurnachwuchs und damit nicht zuletzt ein stabiles Gehaltsgefüge sicherzustellen.

Besonders in Sorge ist der VDE in seiner Studie um den kleineren Mittelstand. Nur 11 Prozent der daraus Befragten, so die Umfrage, betreibe Frauenförderung, drei Viertel beschäftigen überhaupt keine Ingenieurin. Deswegen drohten sie im Wettbewerb um weibliche Fachkräfte abgehängt zu werden, fürchtet der VDE. Um gegenzusteuern, schlussfolgert der VDE-MINT-Report, müssten Mentoring und Networking forciert, Angebote zur Work-Life-Balance ausgebaut, heterogene Teams gebildet und Führungspositionen mit Frauen besetzt und insbesondere bei KMUs Teil der strategischen Unternehmensplanung werden.

Der VDE geht damit in die richtige Richtung und zeigt einen gewissen Realitätssinn. Ernst gemeinte Angebote wie Worklife-Balance, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gezielte Betreuungsangebote für Kinder und nicht zuletzt ein angemessene Bezahlung: Würde die Elektronikindustrie flächendeckend diesen Hebel wählen, könnte man womöglich nicht nur eine Menge Geld sparen, sondern vielleicht sogar auch noch den Frauenanteil in dieser Branche erhöhen.