Was macht MINT? Frauen und Technik

Dr. Walter Börmann, VDE: "Es geht übrigens nicht nur darum, Ingenieurinnen für die Industrie zu gewinnen, sondern auch darum, sie dort zu halten. Viele Ingenieurinnen kehren der Industrie mit der Familiengründung den Rücken und wechseln dann lieber an eine Hochschule oder ein Institut, wo Familie und Beruf oft leichter zu vereinbaren sind und zum Beispiel Teilzeitarbeit eher möglich ist."
Dr. Walter Börmann, VDE: "Es geht übrigens nicht nur darum, Ingenieurinnen für die Industrie zu gewinnen, sondern auch darum, sie dort zu halten. Viele Ingenieurinnen kehren der Industrie mit der Familiengründung den Rücken und wechseln dann lieber an eine Hochschule oder ein Institut, wo Familie und Beruf oft leichter zu vereinbaren sind und zum Beispiel Teilzeitarbeit eher möglich ist."

Welche Fortschritte macht die Nachwuchsförderung von Frauen in Ingenieurberufen? Der VDE hat einen vom BMBF geförderten Innovationsreport zur Steigerung des Frauenanteils in der Elektrobranche präsentiert. Dr. Walter Börmann vom VDE hat das Projekt verantwortet und fasst die Situation für Berufsanfängerinnen zusammen.

Herr Börmann, Yahoo hat gerade die Informatikerin Marissa Mayer von Google als neuen CEO abgeworben. Im Oktober bekommt sie ihr erstes Kind. Wäre so eine Personalie auch in Deutschland möglich?

Dr. Walter Börmann: Möglich schon, aber in der Realität sind Frauen in Spitzenpositionen hierzulande noch immer die Ausnahme, Managerinnen mit Kindern im Besonderen. Schon allein der Fakt, dass wir uns diese Frage stellen, zeigt: Wir sind noch ein gutes Stück von guten Lösungen entfernt.

Mit dem VDE MINT-Report haben wir die erste deutschlandweite Studie zu MINT-Absolventinnen in der Elektro- und IT-Branche erstellt. Jetzt kommt es darauf an, diese Ergebnisse in die unternehmerische und berufliche Praxis zu tragen und darüber hinaus unsere Aktivitäten fortzuführen. Mit der VDE-MINT-Akademie starten wir gerade ein Projekt, in dem junge Wissenschaftlerinnen ihre Kompetenz in technologie- und gesellschaftspolitische Megathemen wie Elektromobilität einbringen können.

Der Anteil der MINT-Studienanfängerinnen an allen Studienanfängerinnen hat sich zwar auf inzwischen 22 Prozent erhöht, aber wie sieht es mit der Quote der Absolventinnen aus?

Betrachtet man die absoluten Zahlen, sieht es gar nicht so schlecht aus. Zwischen 2005 und 2009 ist die Zahl der Frauen mit MINT-Abschluss von rund 24.000 auf etwa 35.000 gestiegen, davon hatten 2005 circa. 9.000 und 2009 ungefähr 12.000 einen ingenieurwissenschaftlichen Abschluss. Betrachtet man die prozentualen Anteile, sieht es aber etwas anders aus: Zwischen 2005 und 2009 ist die Quote zwar insgesamt von 18,8

Prozent auf 20 Prozent gestiegen, das liegt aber im Wesentlichen am mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, zu dem etwa auch das Lehramt zählt. Bei den Ingenieurinnen ist die Quote eher stagnierend. Im Jahr 2005 lag die Erstabsolventinnen-Quote hier noch bei 7,3 Prozent, 2008 und 2009 nur bei 7,1 Prozent.

Welche Weichen müssen in der Übergangsphase vom Studium zum Beruf gestellt werden?

Es geht übrigens nicht nur darum, Ingenieurinnen für die Industrie zu gewinnen, sondern auch darum, sie dort zu halten. Viele Ingenieurinnen kehren der Industrie mit der Familiengründung den Rücken und wechseln dann lieber an eine Hochschule oder ein Institut, wo Familie und Beruf oft leichter zu vereinbaren sind und zum Beispiel Teilzeitarbeit eher möglich ist. Der VDE MINT-Report gibt hier klare Handlungsempfehlungen. Unternehmen sollten insbesondere Mentoring und Networking forcieren, Angebote zur Work-Life-Balance ausbauen, mehr heterogene Teams bilden und Führungspositionen mit Frauen besetzen. Auf der anderen Seite können MINT-Frauen ihre Karrierechancen weiter steigern, indem sie Networking, Mentoring und Coaching

sowie individuelle Lösungen zur Work-Life-Balance und vergleichsweise große Entfaltungsmöglichkeiten bei KMUs stärker nutzen.

Welcher Situation sehen sich Studentinnen und Berufseinsteigerinnen in der Elektro- und IT-Branche heute gegenüber?

Die Karrierechancen sind sehr gut, es werden immer mehr Fachkräfte gesucht. Für Frauen gilt das noch mehr als für Männer. Und unser MINT-Report zeigt: Frauen sind bei der Bewerbung häufig erfolgreicher als ihre Kollegen.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck