Gender Pay Gap Frauen bevorzugen schlecht bezahlte Akademikerberufe

Würden Frauen stärker in industrie- und techniknahe Akademikerberufe streben, würde sich ihr Gehaltsrückstand zu Männern drastisch reduzieren, schreiben Oliver Koppel und Ruth Maria Schüler vom Institut der Deutschen Wirtschaft in einer Analyse.

Männer wählen deutlich häufiger als Frauen Studiengänge, die in sehr gut bezahlte Beschäftigungsverhältnisse münden. Beispiel Ingenieurstudiengänge.

Die hohe Nachfrage nach Ingenieuren wirkt sich positiv auf das Gehaltsniveau aus, wie eine Analyse von Senior Economist für Innovationen und MINT, Oliver Koppel, und Dr. Ruth Maria Schüler, Economist für die Projekte Bildungsmonitor und MINT-Arbeitsmarkt (beide IW) zeigt.

Finanziell weniger vorteilhaft ist für Angestellte hingegen eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst, der sehr gerne von Frauen gewählt wird.

Der im Durchschnitt aller akademischen Berufe vorhandene Gehaltsrückstand zu den Männern würde sich drastisch reduzieren, würden Frauen stärker in industrie- und techniknahe Akademikerberufe streben, so das IW.

Mit der Auswertung der Bruttomonatsentgelte von 15 Akademikerberufsgruppen liefert das IW seine Erklärung ab: Je gefragter am Arbeitsmarkt, je höher die Beschäftigungsanteile in der Industrie und je weniger im öffentlichen Dienst tätig, desto höher sind die Löhne. Arzt- und Ingenieurberufe nehmen die vorderen Plätze ein, Sprach- und Gesellschaftswissenschaftler hingegen bilden die Schlussgruppe.

An der Spitze der Vollzeit-Verdienste liegen Arztberufe, wobei in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) nur angestellte Ärzte erfasst werden. Knapp hinter den Ärzten folgen die industrienah tätigen Ingenieurberufe. Im Gegensatz zu den Arztberufen mit ihrem nahezu paritätischen Geschlechterverhältnis liegt ein hoher Arbeitskräfteengpass vor und der Frauenanteil bei nicht einmal 10 Prozent. Im Gegensatz hierzu kommen die baunahen Ingenieurberufe trotz einer ebenfalls sehr hohen Arbeitsmarktnachfrage (106 offene Stellen je 100 Arbeitslose) lediglich auf ein Medianeinkommen von 4.453 Euro. Die Erklärung des IW: Viele dieser Beschäftigten sind im öffentlichen Dienst angestellt, der vergleichsweise schlechte finanzielle Konditionen bietet.

Informatikberufe folgen mit einem Medianentgelt von 5.283 Euro auf dem sechsten Platz. Diese Berufsgruppe ist mit 116 offenen Stellen je 100 Arbeitslose extrem gefragt, was nicht zuletzt dem Megatrend Digitalisierung geschuldet sei, so das IW. Da Informatik eine noch junge Fachrichtung sei, sind auch die Beschäftigten in den Informatikberufen mit einem Durchschnittsalter von 40,7 Jahren eher jung (fünfeinhalb Jahre jünger als jene in der ältesten Gruppe der geisteswissenschaftlichen Berufe). Korrigiert um drei Jahre Altersrückstand auf die Ingenieurberufe dürften auch die Beschäftigten in Informatikberufen in der Spitzengruppe beim Gehalt liegen, so die Experten des IW.

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