Alle gleich? Engineering-Dienstleister als Arbeitgeber „Ferchau gehört nicht zu den 'schwarzen Schafen‘“

Ingenieurdienstleister haben keinen guten Ruf. Wir haben zwei große aus der Branche, Ferchau und Brunel, mit den wichtigsten Fragen und Vorwürfen konfrontiert.

Herr Dr. Napiwotzki, Ihr Konkurrent Ferchau bietet seit neuestem allen Mitarbeitern (auch freien) einen Tarifvertrag an. Was heißt das konkret für Bezahlung und Arbeitsplatzsicherheit? Wie werden Sie darauf reagieren?

Dr. Ralf Napiwotzki, General Manager bei Brunel: Schon seit der Koalitionsabsprache im Februar 2011 ist die Gleichstellung im Bereich von Arbeitnehmerüberlassung in aller Munde und Frau von der Leyen hat dazu entsprechende Forderungen gestellt. Bei uns werden bereits jetzt marktgerechte Löhne auf Basis eines Tarifvertrages gezahlt, insofern ist Equal Pay nicht wirklich ein Thema. Qualifizierte Ingenieure und Informatiker sind gefragt und daher muss man als Unternehmen ein attraktives Umfeld bieten. Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter zufrieden sind. Zufrieden mit ihren Aufgaben, den  Arbeitsbedingungen und ihren Perspektiven. Aus diesem Grund gibt es bei uns einen Haustarif mit ver.di, der auf die Gehaltsstrukturen der verschiedenen Berufsgruppen zugeschnitten ist und Qualifikation sowie Berufserfahrung honoriert. Daneben bieten wir die tariflichen Sozial- sowie Sonderleistungen eines großen Unternehmens (30 Tage bezahlten Urlaub in Deutschland, eine arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge, unbefristete Arbeitsverträge etc.).
Zudem stellen wir fest, dass unser Geschäftsmodell arbeitnehmer- und kundenseitig zunehmend gefragt ist. Wir sind in nahezu allen technischen Branchen aktiv, sind also nicht an eine Branche gebunden. Daher sind wir auch sehr zuversichtlich hinsichtlich der Arbeitsplatzsicherheit. Trotzdem arbeiten wir gemeinsam mit unserem Tarifpartner ver.di an Modellen, um als Arbeitgeber noch attraktiver zu sein.

Stefan Eichholz, Marketingleiter bei Ferchau:  Ferchau bietet ab 1. Juli 2013 allen Mitarbeitern eine ERA-Zulage an. Durch die ERA-Zulage kommt in unserem Entgelt-Tarifvertrag eine zusätzliche Gehaltskomponente hinzu. Die ERA-Zulage orientiert sich dabei an den Eingruppierungskriterien des Entgelt-Tarifvertrages der IG Metall von Nordrhein-Westfalen. Die Höhe der Zulage ist abhängig von der Qualifikation. Im Maximum beträgt die Zulage beispielsweise bei einem Ingenieur 659,00 EUR monatlich. Unsere Arbeitsplätze sind zunächst einmal generell sicher. Dafür sorgt schon allein unsere Engineering-Kompetenz und unser breit aufgestelltes Dienstleistungsportfolio. Die ERA-Zulage ist Ausdruck der Forderung des Bundesarbeitsministeriums im Rahmen der Zeitarbeit Equal Pay für Leiharbeitnehmer tarifvertraglich zu regeln. Dies sollte bis zum 31.03.2013 erfolgen.

Nicht allen Engineering-Unternehmen dürfte es gelingen, dies betriebswirtschaftlich umzusetzen. Wir sind auch nicht gezwungen, in Dienst- oder Werkverträge umzusteigen. Das macht uns für unsere Kunden noch planbarer und rechtssicherer. Insofern steigen unsere Chancen am Markt. Dies wiederum führt zu einer noch größeren Arbeitsplatzsicherheit.

Was regelt dieser Tarifvertrag im Fall eines wirtschaftlichen Abschwungs?

Eichholz: Der Tarifvertrag sieht hier keinerlei Einschränkungen, was zum Beispiel die Gehaltsstruktur, die Höhe der ERA-Zulage oder die allgemeinen Arbeitsbedingungen betrifft, vor. Die Entgelte und Arbeitsbedingungen bleiben stabil.

Welche Vorteile ergeben sich daraus für den Mitarbeiter?

Eichholz: Bei der Umsetzung der Forderungen des Bundesarbeitsministeriums zum Equal Pay haben wir uns dazu entschieden, die ERA-Zulage nicht nur auf die Mitarbeiter zu beschränken, die im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung bei unseren Auftraggebern tätig sind. Sie gilt vielmehr für alle Mitarbeiter: Also auch für die Kollegen, die im Werk- und Dienstvertrag bzw. in den eigenen Technischen Büros beschäftigt sind. Unser Ziel war dabei die Aufrechterhaltung der Gleichbehandlung aller unserer Mitarbeiter. Die Zulage wird gezahlt unabhängig von der Situation beim Kunden und unabhängig von Branchen. Sie wird gezahlt bei Urlaub, bei Krankheit und auch in projektfreien Zeiten. Die Gehaltszahlung und -entwicklung erfolgt somit durchgängig, kontinuierlich, planbar und durchgängig, Orientierung der Gehaltsentwicklung an der IG Metall Nordrhein-Westfalen als starkem Tarifpartner.

Sehen Sie kommen, dass auch andere Dienstleister mit Tarifverträgen nachziehen werden?

Eichholz: Wenn diese weiterhin auch im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung Aufträge abwickeln möchten, dürfte ihnen nichts anderes übrig bleiben. Es sei denn, sie flüchten in Dienst- oder Werkverträge. Inwieweit deren Kunden mitmachen, dürfte fraglich sein. Die weitere Frage ist, inwieweit die Dienstleister bereit sind oder es verkraften können wie wir einen Tarifvertrag abzuschließen, der über die Forderungen des Bundesarbeitsministeriums weit hinausgeht, in dem nämlich alle Mitarbeiter – unabhängig von der rechtlichen Einsatzform -  die zusätzlichen Entgelte erhalten.