Alle gleich? Engineering-Dienstleister als Arbeitgeber „Ferchau gehört nicht zu den 'schwarzen Schafen‘“

"Klebeeffekt", Chancen auf Übernahme, Attraktivität als Arbeitgeber

Wie wollen Sie sich positiv als Arbeitgeber abheben: zum einen von der Dienstleister-Konkurrenz, zum anderen von OEMs? 

Eichholz: Ein „Vergleich“ zu OEMs „hinkt“, da Ferchau ein reiner Engineering Dienstleister ist und nicht ein Entwickler und Hersteller von OEM-Produkten (z. B. PKWs). Somit sind andere Identifikationsmerkmale für uns als Arbeitgeber wichtig; d. h. wir identifizieren uns – neben der Vielzahl von Mitarbeiterbindung- und Entwicklungsmaßnahmen -  über die interessanten Projektangebote und die hohe Variabilität der Aufträge in den verschiedenen Fachbereichen und Branchen, an der Vergütungssystematik, unserer Führungskultur oder an der wohnortnahen Beschäftigung.

Napiwotzki: Brunel unterstützt als Ingenieurdienstleister seine Auftraggeber bei einzelnen Projektphasen oder bei der Abwicklung kompletter Projekte im technischen Bereich. Wir bieten unseren Mitarbeitern durch die Verschiedenartigkeit der Projekte und die Vielzahl unserer Kunden eine besonders große Auswahl an beruflichen und fachlichen Herausforderungen. Unsere Ingenieure, Informatiker und Techniker haben die Möglichkeit zu branchenübergreifenden Einsätzen und übernehmen früh Verantwortung. Selbst Projekteinsätze im Ausland sind aufgrund der internationalen Ausrichtung unserer Kunden möglich. So sind unsere Spezialisten ständig an der Entwicklung von Innovationen beteiligt. Das bringt einen entscheidenden Vorteil mit sich: Man geht mit den aktuellen Entwicklungen mit, kann so konsequent Kompetenz aufbauen und sichert damit langfristig den eigenen Marktwert. Darüber hinaus bieten wir neben attraktiven Sozialleistungen eine marktgerechte Entlohnung.

 

In welchen Engineering-Bereichen sind Sie vorwiegend tätig?

Napiwotzki: Wir sind in nahezu allen technischen Branchen entlang der gesamten Prozesskette tätig und attraktive Betätigungsfelder gibt es für Ingenieure überall. Die Automobilindustrie beispielsweise ist in Deutschland traditionell ein bedeutender Wirtschaftszweig. In den Bereichen Komfort, Sicherheit und Effizienz stehen die Unternehmen vor großen Herausforderungen. Wir erwarten für die kommenden Jahre aber auch einen Zuwachs an Anfragen von Unternehmen aus der Energie-, Umwelt- sowie Medizintechnik. Der Verbrauch elektrischer Energie wird in den nächsten Jahrzehnten stetig ansteigen. Bedingt durch die Verpflichtung zur CO2-Minderung und den knapper werdenden Ressourcen werden Technologien zur Nutzung regenerativer Energien in Zukunft einen hohen Stellenwert einnehmen. Insbesondere für Ingenieure ergeben sich neue und spannende berufliche Aufgaben in der Energietechnik. Die Herausforderungen bestehen in der Entwicklung neuer Techniken, leistungsfähiger Programmsysteme und dem Einsatz moderner Kommunikationstechnologien. Neben den technischen Fähigkeiten beeinflussen die Themen Wirtschaftlichkeit, Umweltschonung und Wettbewerb zunehmend das Arbeitsfeld der Ingenieure.

Eichholz: Ferchau arbeitet vorwiegend regional in über 50 Niederlassungen, in fast allen Bereichen und Branchen der Technik. Schwerpunkte werden vorrangig über die regional ansässige Kundenprofile gesetzt (z. B. Schiffbau, Luftfahrt und Medizintechnik in Hamburg oder Automobiltechnik in Stuttgart, München, Wolfsburg, Köln und Rüsselsheim). So bedienen wir unsere Kunden in „klassischen Aufgaben“  in der Konstruktion, Entwicklung, Berechnung und Projektierung bis hin zu komplexen Projekten in der Programmierung sicherheitskritischer Software in der Luftfahrt und Medizintechnik.

Der Klebeeffekt, also die Übernahme durch den OEM, ist gar nicht so hoch, wie immer versprochen. Wie hoch ist er bei Ihren Unternehmen?  

Eichholz: "Klebeeffekt" ist ein Begriff, mit dem wir als seriöser und nachhaltig arbeitender Engineering-Dienstleister nichts anfangen können und ihn auch nicht in unserem Sprachgebrauch verwenden, da er die Vorgehensweise in der Mehrheit der Zeitarbeitsbetriebe darstellt. Ferchau -Mitarbeiter befinden sich zu über 98 Prozent in einem unbefristeten Angestelltenverhältnis. Mehrheitlich beschäftigen wir Ingenieure, Informatiker, Techniker oder Technische Zeichner. Nur mit kompetenten Mitarbeitern, die dem Unternehmen möglichst langfristig die Treue halten; die das Unternehmen stetig weiterbildet und mit denen sie eine „feste Bindung“ aufbauen, können Sie heutzutage nur noch eine Engineering Competence im Unternehmen halten. Beim „Klebeeffekt“ geht es darum, dass ein Zeitarbeitsunternehmen möglichst schnell und mit wenig Verbindlichkeit einen neuen Mitarbeiter, der in der Regel dann nur befristet oder „projektgebunden“ eingestellt, an den Kunden vermittelt. Wird das Projekt dann seitens des Auftraggebers beendet, so verliert dieser Mitarbeiter oft zeitgleich seinen Arbeitsplatz bis er ggf. wieder ein neues „Angebot“ – i.d.R. dann auch wieder befristet bis zum Projektende – erhält. Dies bedeutet für den Mitarbeiter wenig Planbarkeit und ein unregelmäßiges Einkommen. Somit versucht er bei dem beauftragenden Kunden in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu kommen (= „Klebeeffekt“). Das Zeitarbeitsunternehmen fungiert dabei dann eher als Vermittler, denn als Arbeitgeber, da nach einem Projektende für ihn keine Folgekosten entstehen. Die Ferchau Engineering wird oft mit dieser Art der Zeitarbeit gleichgesetzt, da wir auch vom Kunden Aufträge im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung (AÜ) erhalten und man davon ausgeht, das unsere Mitarbeiter nur für den konkreten  Auftragszeitraum beschäftigt wird. Dies ist jedoch – wie bereits oben beschrieben – falsch. Wir erfüllen den zeitlich befristeten Auftrag mit unserem unbefristet – also „fest“ – angestellten Mitarbeiter. Nach einem Projektende bearbeitet unser Mitarbeiter entweder ein neues Projekt für einen weiteren Kunden oder in unserer Projektgruppe in unserem Technischen Büro seiner Niederlassung oder er wird weitergebildet. Dies bei vollen Bezügen seines vertraglichen Gehaltes. Nur so ist es möglich, hoch qualifizierte Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen, die seit 5, 10, 15 oder auch über 20 Jahre hochwertige technische Aufgaben für unsere Kunden lösen und wir somit unsere Marktführerschaft behaupten.

Napiwotzki: Ingenieure haben bei uns durch die Aufgaben- und Branchenvielfalt – sei es auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene – die Möglichkeit, ihr Know-how zu erweitern. Und mit den zusätzlich gewonnenen Erfahrungen können sie ihr Profil schärfen. Dass sie sich später dann eventuell neu orientieren und den Arbeitgeber wechseln, ist dabei Teil unseres Geschäftsmodells. Was am Ende zählt, ist die Zufriedenheit unserer Kunden und Mitarbeiter. Und der zufriedene Ingenieur ist vielleicht sogar ein Kunde von morgen.
Die Bewerbungszahlen – im vergangenen haben wir über 20.000 Bewerbungen erhalten – sprechen für die zunehmende Akzeptanz und das Interesse an projektbezogenen Tätigkeiten für Ingenieure. Auf der anderen Seite zeigen Kundenanfragen, dass diese zunehmend Ingenieure projektbezogen und flexibel einsetzen, um variabler und insgesamt kostengünstiger zu sein.