Alle gleich? Engineering-Dienstleister als Arbeitgeber „Ferchau gehört nicht zu den 'schwarzen Schafen‘“

Zum Thema Einsatzort, Erfolgsbeteiligung, Patentanmeldungen

Geben Brunel und Ferchau Garantien bezgl. des Einsatzortes? (Stichworte Familie, Hausbau etc.?)

Napiwotzki: Wir bemühen uns, in regelmäßigen Gesprächen den Wünschen unserer Mitarbeiter gerecht zu werden. Dazu zählt auch die Wahl des Einsatzortes. Aufgrund unserer dezentralen Unternehmensstruktur und der Kundenvielfalt können wir es unseren Mitarbeiter in der Regel ermöglichen, in der Nähe ihres Wohnsitzes eingesetzt zu werden.

Eichholz: Ferchau hat bewusst ein engmaschiges Niederlassungsnetz in den  vergangenen 10 Jahren installiert. Damit wird sichergestellt, dass unsere Kunden, Mitarbeiter und Bewerber aus der Nähe der Niederlassung kommen und somit die Projekte und damit auch die Einsätze unserer Mitarbeiter nahezu ausschließlich regional begrenzt sind. Die Regel ist, das in einem Umkreis von 50 Kilometern um eine Niederlassung das Hauptbetätigungsfeld liegt. Damit ist für unsere Mitarbeiter ein Höchstmaß an Planbarkeit gegeben, wenn wie in Ihrer Frage angemerkt unser Mitarbeiter z.B. einen Hausbau plant. Der zentrale „Heimatort“ unserer Mitarbeiter ist die jeweilige Niederlassung, die diesem Mitarbeiter eingestellt hat, sowie fachlich und disziplinarisch führt. Es findet also keine – wie so oft in der „klassischen Zeitarbeit“ angewendet – „Landverschickung oder Kreuzplatzierung“ statt.

Als Externer ist man von Erfolgsbeteiligungen des Entleihers ausgeschlossen. Wie gehen Brunel und Ferchau damit um?

Napiwotzki: Gehaltsverhandlungen sowie Prämienregelungen finden bei uns in den jährlich angesetzten Mitarbeitergesprächen statt. Sonderzahlungen für besondere Leistungen oder in Abhängigkeit vom Unternehmenserfolg sind daher nicht ausgeschlossen.

Eichholz:  Immer vorausgesetzt, Entleiher zahlen eine Erfolgsbeteiligung und unabhängig von der grundsätzlichen Entlohnungsstruktur von Entleihfirmen: Ferchau hat über seinen Entgelt-Tarifvertrag ein eigenständiges Vergütungssystem entwickelt. Wichtig ist das Gesamtbild des Entlohnungssystems. Und dies bietet uns alle Möglichkeiten, besondere Leistungen, Herausforderungen und Erfolge zusätzlich zu vergüten. Weiter ist wichtig, eine qualifikations- und leistungsgerechte Vergütung sicherzustellen. Auch das ist bei uns über den Tarifvertrag garantiert. Hervorzuheben ist, dass unsere Mitarbeiter ein monatliches Festgehalt erhalten; unabhängig vom Projekt, der Auftragsform (Arbeitnehmerüberlassung, Werkvertrag, Dienstvertrag oder Projekt im eigenen Technischen Büro). Das gilt auch, wenn der Mitarbeiter vielleicht einmal kein Projekt bearbeitet.
Es soll Dienstleister geben, die nach geleisteten Stunden vergüten und nur einen deutlich niedrigeren Grundlohn zahlen, wenn der Mitarbeiter aktuell kein Projekt bearbeitet, im Urlaub oder krank ist. Dies sind dann die „schwarzen Schafe“ am Markt, die mit Dumpingpreisen den Markt verfälschen. Und Unternehmen, die wie wir einer hohen sozialen Verantwortung verpflichtet sind, damit unter Druck zu setzen versuchen, um ebenfalls Abstriche bei den Mitarbeiterkonditionen zu machen. Der Markt und seine Mechanismen wird maßgeblich durch das Einkaufsverhalten der /unserer Kunden geprägt und hier gibt es viele, die dem Prinzip „billig(er) Einkaufen“ den Attributen Qualität, Nachhaltigkeit, Lieferfähigkeit und Seriosität den Vorzug geben.

Ferchau ist einen solchen Weg nie gegangen und wird ihn auch in Zukunft nicht gehen. Die langjährige Erfahrung zeigt – und beweist es uns täglich – das „Billig teuer wird“. Diese Erfahrung muss dann aber leider der Kunde erst einmal gemacht haben. Ferchau  ist der erste und einzige Engineering-Dienstleister, der einen Haustarif mit der IG Metall geschlossen hat und in diesem Jahr als erstes Unternehmen in der Branche auch einen Tarifvertrag zum Equal Pay mit der IG Metall geschlossen hat.

Was passiert, wenn durch einen ihrer Mitarbeiter ein Patent beim Entleiher entstanden ist? Kann er es selbst anmelden?

Napiwotzki: In der Regel nein. Das ist Teil des Projektes bzw. Auftrags.

Eichholz: Grundsätzlich ist das Verfahren bei einer Erfindung im Gesetz über Arbeitnehmererfindungen geregelt. Dieses gilt auch für Ferchau und die anderen Engineering-Unternehmen. Dabei ist zu differenzieren, nach einer Erfindung im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung oder im Rahmen eines Werk- oder Dienstvertrages. Im ersten Fall wird der Entleiher als Arbeitgeber betrachtet und er zahlt die Erfindungsvergütung. Im Werk- oder Dienstvertrag nehmen wir die Erfindung in Anspruch und übertragen die Rechte und Pflichten daraus an unseren Auftraggeber. Auch hier ist sichergestellt, dass unsere Mitarbeiter abhängig, von den gesetzlichen und internen Vergütungsrichtlinien unserer Kunden, eine Erfindervergütung erhalten.