Kununu bringt's ans Licht Familienunternehmen sind keine besseren Arbeitgeber

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Sind Familienunternehmen die besseren Arbeitgeber? Zumindest große offenbar nicht.

Familienunternehmen gelten landläufig oft als die »besseren« Arbeitgeber, und so sehen sie sich auch gerne selbst. Klarer Fall von Selbstüberschätzung? Einer aktuellen Analyse zufolge urteilen ihre Mitarbeiter nämlich anders.

»Eigentum verpflichtet«: Familienunternehmen gelten deshalb oft als die »besseren« Arbeitgeber, und so sehen sich die Familienunternehmen  auch gerne selbst. Weil man als solches langfristig denkt und plant und viel Wert auf »gute Arbeitsatmosphäre« oder »kooperativen Führungsstil« legt. Mehr Fokus auf menschliche Belange und Augenmaß statt reine Quartalszahlen-Denke, der Verzicht auf Fremdkapital ist eine Zier und Shareholder Value gilt gottlob nur für ‘die’ Konzerne. So die These. Doch hält das Bild einer Überprüfung stand?

Das hat ein gemeinsames Forschungsprojekt der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie der Universität Trier untersucht. Laut Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (Bonn) werden als Familienunternehmen solche Unternehmen bezeichnet, die sich zu mehr als 50% in Familienbesitz befinden, und mindestens ein Familienmitglied im Management aufweisen. Die in der Analyse untersuchten Unternehmen erwirtschaften jeweils einen Jahresumsatz von mindestens 200 Millionen Euro.

Ergebnis: Das positive (Selbst-)Bild dieser großen Familienunternehmen ist möglicherweise ein Mythos, denn sie hinken als Arbeitgeber in allen Arbeitsdimensionen den Nicht-Familienunternehmen hinterher und schneiden leicht schlechter ab.

Die geringste Zufriedenheit ließ sich in den Kategorien Kommunikation, Karriere und Vorgesetztenverhalten feststellen. Aber auch beim Kollegenzusammenhalt, der Arbeitsatmosphäre, der Gleichberechtigung, bei Karriere und Weiterbildung oder der Work-Life-Balance liegen Familienunternehmen hinten.

Für die Analyse haben Wirtschaftswissenschaftler rund 198.000 veröffentlichte Mitarbeiter-Bewertungen auf der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu.com ausgewertet, insgesamt wurden 788 Unternehmen untersucht und Bewertungen von Familienunternehmen mit denen der Nicht-Familienunternehmen verglichen.

»Auch größere Familienunternehmen pflegen als Arbeitgeber das Selbstbild als ‚Mittelstand‘«, sagt Michael Graffius von der HWR Berlin: »Sie schmücken sich mit den Attributen der Kleinen („Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter.“), obwohl die Strukturen längst andere sind.«

Sein Kollege Christopher Hansen von der Universität Trier ergänzt: »Auf der einen Seite mag es stimmen, dass der Kontakt zwischen Mitarbeitern und Unternehmensführung aufgrund einer langen gemeinsamen Zusammenarbeit oftmals persönlicher ist. Auf der anderen Seite sind viele Familienunternehmen aufgrund der hohen Machtkonzentration in der Person des Eigentümer-Managers aber auch sehr patriarchalisch geprägt.«

Zieht sich die Familie aus der operativen Leitung zurück, haben die beiden Wissenschaftler festgestellt, so werden die Unterschiede zwischen großen Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen wieder geringer.