»Ein Orwellscher Alptraum« Esken für Verbot von Gesichtserkennung im öffentlichen EU-Raum

Ein kleines Unternehmen baut eine gigantische Datenbank mit Milliarden Fotos von Gesichtern auf - das Ende der Privatsphäre? Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken sperrt sich aus Datenschutzgründen gegen den Einsatz von Technologien zur Gesichtserkennung im öffentlichen Raum.

«Ich kann nur empfehlen, sich in Kürze mit dem europaweiten Verbot von Gesichtserkennung zumindest im öffentlichen Raum zu befassen», sagte Esken dem «Handelsblatt» (Donnerstag). «Nicht von ungefähr hat die Stadt San Francisco den Einsatz von Videokameras mit Gesichtserkennung im öffentlichen Raum mittlerweile verboten, weil sie einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre der Menschen darstellt.» Insbesondere für Angehörige von Minderheiten könne sie «erhebliche Diskriminierung» mit sich bringen.

Vergangenes Wochenende war durch einen Bericht der «New York Times» bekanntgeworden, dass eine US-Firma namens Clearview AI eine Datenbank aus rund drei Milliarden frei im Internet zugänglichen Bildern zusammengestellt hat und auf dieser Basis unter anderem diversen Behörden einen Service zur Gesichtserkennung anbietet.

Die Verwendung mehr oder minder öffentlicher Fotos, beispielsweise aus den sozialen Netzwerken, zum Aufbau einer Fotodatenbank mache im Ergebnis Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort identifizierbar, sagte Esken dem «Handelsblatt» weiter. «Aus der bisher schon übergriffigen Technologie wird so ein Instrument der umfassenden Überwachung, das jedermann zur Verfügung stehen könnte – ein Orwellscher Alptraum.»