Elektromobilität: „Zusätzlicher Bedarf von 10.000 Ingenieuren und Technikern “ Enorme Nachfrage nach Fachkräften für Batteriesysteme und Hochvolttechnik

Karl Joachim Ebeling ist Präsident der Universität Ulm – die führend ist im Bereich Elektrochemie – und Leiter der Arbeitsgruppe Nachwuchs und Qualifizierung der Nationalen Plattform Elektromobilität. „Die Nachfrage der Industrie nach Fachkräften aus dem Bereich Batteriesysteme und Hochvolttechnik ist riesig. Ein nationaler Kraftakt für gute Weiterbildungsangebote ist nötig, es fehlt an erfahrenem Lehrpersonal.“
Karl Joachim Ebeling ist Präsident der Universität Ulm – die führend ist im Bereich Elektrochemie – und Leiter der Arbeitsgruppe Nachwuchs und Qualifizierung der Nationalen Plattform Elektromobilität. „Die Nachfrage der Industrie nach Fachkräften aus dem Bereich Batteriesysteme und Hochvolttechnik ist riesig. Ein nationaler Kraftakt für gute Weiterbildungsangebote ist nötig, es fehlt an erfahrenem Lehrpersonal.“

Karl Joachim Ebeling ist Präsident der Universität Ulm – die führend ist im Bereich Elektrochemie – und Leiter der Arbeitsgruppe Nachwuchs und Qualifizierung der Nationalen Plattform Elektromobilität. „Die Nachfrage der Industrie nach Fachkräften aus dem Bereich Batteriesysteme und Hochvolttechnik ist riesig. Ein nationaler Kraftakt für gute Weiterbildungsangebote ist nötig, es fehlt an erfahrenem Lehrpersonal.“

Prof. Ebeling, die Elektromobilität und neue Fahrzeugkonzepte gehören zu den innovativsten Feldern in der Automobilentwicklung. Wie schätzen Sie den Fachkräftebedarf ein?

Karl Joachim Ebeling: Ich rechne mit einem zusätzlichen Bedarf von 10.000 Ingenieuren und Technikern für die Entwicklung und Instandhaltung von Elektroautos und E-Bikes. Am heftigsten ist der Mangel sicherlich im Bereich der Batterien, aber auch im Leichtbau. Die Unternehmen brauchen für die Entwicklung der Elektromobilität sowohl Nachwuchskräfte als auch Praktiker. Beides ist nicht in ausreichendem Maße vorhanden, vor allem im Bereich Batteriesysteme, Hochvolttechnik und den damit verbundenen Sicherheitsfragen. Bei uns hier in Ulm am Weiterbildungszentrum für Batterien und Brennstoffzellen sind die Fortbildungsangebote gut ausgebucht, was sicher auch daran liegt, dass wir in der Batterieforschung hervorragend aufgestellt sind. Die Teilnehmer kommen aus allen Bereichen, aus Wissenschaft, Lehre und Forschung. Selbst an Professoren fehlt es: Es gibt sie noch nicht, wir müssen sie selbst ausbilden.


Welche Absolventen sind von der Industrie besonders gesucht und für welche Bereiche? Gibt es genügend Angebote an den Hochschulen?

Am heikelsten ist der Mangel an Fachkräften sicher im Schlüsselbereich der Batterietechnologien. Auch beim Batteriemanagement fehlt es an Expertise: Wie lade ich die Batterien möglichst schnell auf, ohne dass die Lebensdauer allzu sehr leidet? Wie überwacht man effizient Betriebszustände in den Zellen? Wie verbindet man sie zu einem leistungsfähigen System? Wie steht es mit der Temperierung? Hinzu kommt die Entwicklung von Leistungselektronik und Hochleistungselektromotoren und damit einhergehend die Notwendigkeit komplett neuer Fahrzeugkonzepte und deren Produktion. In Zukunft wird elektronisch gelenkt, gebremst und auch beschleunigt, voraussichtlich in Leichtbau. Und schließlich braucht es für Elektromobilität auch neue, kreative Geschäfts-, Service- und Abrechnungsmodelle, die zurzeit noch nicht existieren. All das sind große Herausforderungen, denen ein zu knappes Angebot gegenübersteht.

Haben auch Quereinsteiger unter den Ingenieuren Chancen, mit entsprechender Weiterbildung im Bereich e-mobility unterzukommen?

Ja, das regelt die Nachfrage. Selten waren die Anforderungen so interdisziplinär wie bei der Elektromobilität. Ich kann Ingenieuren nur raten: Wer sich im Rahmen seiner Ausbildung, etwa mit einem Master, auf  Elektrofahrzeuge spezialisiert, braucht sich in den kommenden Jahren um einen guten Job nicht zu sorgen. Dazu kommt der Mangel an MINT-Absolventen durch den demographischen Wandel. Vor allem auf kleine und mittelständische Betriebe kommen da Probleme zu, denn sie stehen in Konkurrenz zu großen, bekannten Arbeitgebern, die einen riesigen Bedarf haben.