Kommentar Einmal im Jahr: Blümchen für die Kolleginnen

Alles Gute zum Weltfrauentag!
Alles Gute zum Weltfrauentag!

Bunte Bildchen, schönes GIFs und Motivationsvideos - viele Unternehmen verwechseln den Weltfrauentag mit einem Recruiting Day. Während in Deutschland Blümchen an die Kolleginnen verteilt werden, streiken in Spanien die Frauen - samt Königin.

Gestern feierte das Netz den Weltfrauentag – ohne Frage ein wichtiger Tag. Zahlreiche große und kleine Unternehmen hatten für das Event “frauenpolitische” GIFs entwickelt, unzählige Motivationsvideos produziert und bunte Fotocollagen mit Mentorinnen und weiblichen Führungskräften erstellt. Sie dominierten meine Timelines in den sozialen Netzwerken, es gab kein Entrinnen, es nervte am Ende des Tages. Bitte nicht falsch verstehen, ich unterstütze die Idee des Weltfrauentags, aber nicht als reines PR-Projekt. Das mag ja alles gut gemeint sein und Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für das Thema ist wichtig, aber bei mir drängt sich der Verdacht auf, dass dahinter auch viel, zu viel heiße Luft produziert wird – und das mit großen Budgets, die bei manchen Firmen besser in der Frauenförderung aufgehoben wären.

Von manchen Unternehmen hört man das ganze Jahr nichts zum Thema Lohngerechtigkeit, Karriere von Frauen oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie und am 8. März posten diese Firmen eine Jubelmeldung nach der anderen. Bei vielen Inhalten fehlte die Substanz. Manche Firmen verwechseln den Weltfrauentag mit einem neuen Recruiting-Day. Ruft man als Journalist bei den Unternehmen unter dem Jahr an und fragt nach den Themen wie beispielsweise Lohngerechtigkeit, dann hören wir oft: Dazu möchten wir uns nicht äußern. Ah ja, danke, vielleicht reicht nur am 8. März eine Botschaft per Tweet!? 

Bla Bla 

Dabei braucht es diese gigantische PR-Maschine gar nicht, denn die Spanierinnen machen uns vor, wie man ohne Marketing-Bla-Bla und Social Media-Phrasen Aufmerksamkeit für das Thema Frauen in der Wirtschaft und Gesellschaft bekommt: In Spanien waren Frauen dazu aufgerufen, ihrem Arbeitsplätzen fernzubleiben – selbst die Königin beteiligte sich und sagte alle Termine ab. Außerdem sollten sie zu Hause die Arbeit niederlegen und weder putzen noch kochen. Nach Gewerkschaftsangabe beteiligten sich landesweit 5,3 Millionen Menschen an dem Streik. Das wirkt mehr als jedes GIF oder Powervideo ist aber in unser Arbeitswelt undenkbar. Wir produzieren lieber noch mehr bunte Videos oder verteilen Blümchen an die Kolleginnen im Betrieb. Darüber sollten wir mal nachdenken.