Wann ist Feierabend? „Eine klare Trennung zwischen Job und Freizeit gibt es für viele Beschäftigte nicht mehr“

Die Grenzen zwischen Freizeit und Beruf sind nicht mehr so scharf gezogen wie früher. "Always on" lässt zu, dass Berufliches auch im Urlaub "gecheckt" wird.
Die Grenzen zwischen Freizeit und Beruf sind nicht mehr so scharf gezogen wie früher. "Always on" lässt zu, dass Berufliches auch im Urlaub "gecheckt" wird.

Einer neuen Studie zufolge nutzt fast jeder zweite Arbeitnehmer sein privates Smartphone auch beruflich und ist auch nach Feierabend für Kunden und Kollegen erreichbar. Macht das auf die Dauer krank?

Work-Life-Balance hört sich nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit an – und das wünschen sich die meisten Berufstätigen auch, wobei sich die Vorstellungen davon stark unterscheiden können. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones im privaten Bereich führt jedoch dazu, dass viele Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar sind. Auch nach Feierabend.

Das hat die Studie „Bewerbungspraxis 2012“ des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit Monster ergeben. Sie zeigt, dass 46 Prozent der Befragten ihr privates Smartphone auch für berufliche Zwecke nutzen und fast die Hälfte der Befragten auch nach der Arbeit auf ihrem Smartphone E-Mails abruft oder geschäftliche Gespräche führt.

Jeder zweite Arbeitnehmer kann es selbst im Urlaub nicht lassen, Geschäftliches mit Smartphone oder Handy zu checken. Die ständige Erreichbarkeit verleitet dazu, jederzeit in Verbindung mit dem Arbeitsplatz zu stehen. Beeinträchtigt das die Erholung vom Arbeitsalltag?

Für einige schon. „Eine klare Trennung zwischen Job und Freizeit gibt es für viele Beschäftigte nicht mehr“, sagt dazu Bernd Kraft, Vice President General Manager Central Europe bei Monster. „Das mögen einige mehr und andere weniger als Belastung empfinden. Wichtig ist aber immer, dass sich Arbeitgeber Gedanken machen und diese mit den Mitarbeitern diskutieren. Beschäftigte sollten das Gefühl haben, dass ihr Privatleben ernst genommen und respektiert wird. Hier sollten Unternehmen bewusst gegensteuern, Vorgesetzte mit gutem Beispiel vorangehen.“

Auch wenn die mobile Kommunikation an vielen Stellen Vorteile, wie beispielsweise größere Flexibilität im internationalen Umfeld oder im Projektgeschäft schaffe, Fakt sei laut Kraft, dass viele Menschen, für die Arbeit außerhalb der Bürozeiten zum Alltag gehört, vermehrt über physische und psychische Erkrankungen klagen. Hohe Arbeitsbelastung und Stress könnten auch mentale Beeinträchtigungen wie Burnout und Depressionen hervorrufen. Dies hat einen erhöhten Krankenstand zu Folge. Kraft rät daher zu „gezielten Maßnahmen“ und einer „enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Mitarbeiter“, um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben zu schaffen.

Die private Verbreitung von Smartphones ändere inzwischen auch das Suchverhalten von Bewerbern. „Schon jeder Vierte sucht derzeit mobil und hat dadurch natürlich auch zunehmend andere Erwartungshaltungen an Webseiten und Antwortzeiten der Unternehmen“, ergänzt Prof. Dr. Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen der Universität Bamberg.