Berufsanfänger in der Elektroindustrie "Ein Job in der Entwicklung ist eine gute Basis für die Karriere"

Dr. Michael Schanz ist Experte für den Ingenieurberuf und -Karriere beim VDE.
Dr. Michael Schanz ist Experte für den Ingenieurberuf und -Karriere beim VDE.

Angehende Elektroingenieure haben gute Karten bei der Jobsuche – daran ändern auch eine derzeit sich einbremsende Konjunktur und Einstellungsstopps nichts. Was sollten Berufseinsteiger beachten? Sie sollten vor allem nach Interesse und Neigung studieren, sagt Dr. Ing. Michael Schanz, Experte für Ingenieurberuf&Karriere beim VDE. Und keine Angst vorm Bachelor haben.

Herr Schanz, gibt es eine Studienkombination – etwa Elektronik und Informationstechnik, Energietechnik, Leistungselektronik – die aktuell von der Wirtschaft besonders nachgefragt wird?
Michael Schanz: Der VDE empfiehlt Studienanfängern, zunächst in einen grundständigen Studiengang „Elektrotechnik und Informationstechnik“ einzusteigen und im Laufe der weiteren Semester eine der angebotenen Vertiefungsrichtungen einzuschlagen.

Wir beobachten gerade einen Run auf die Vertiefungen im Bereich Energietechnik, was im Wesentlichen elektrische Maschinen und Antriebe, Energietransport und Energieverteilung bedeutet. Das verwundert natürlich nicht angesichts der medialen Präsenz des Themas „Energie“.

Jeder muss nun für sich wissen: Steige ich mit dort ein oder studiere ich einen anderen Schwerpunkt. Ich rate, diejenige Fachrichtung einzuschlagen, an der man am meisten Freude bzw. Interesse hat.  Aktuell verlangt der Arbeitsmarkt besonders Elektroingenieure, die sich mit Elektronik, insbesondere Leistungselektronik auskennen.

Andererseits sind Experten gefragt, die sich mit hardwarenaher Softwareentwicklung - Eingebettete Systeme - auskennen.

10 Jahre Bachelor – und noch immer ist die Kritik an den neuen Abschlüssen nicht verstummt. Wann ist welcher Abschluss von Vorteil? Wann nützen MBA und Doktor-Titel?
Ein Bachelorabschluss, der mindestens sieben Semester mit ausreichender Praxis bzw. Anwendungen beinhaltet, ist sehr arbeitsmarkttauglich, z.B. in den Tätigkeitsfeldern wie Produktion, Product-Engineering, Service oder Vertrieb. Diese Studiengänge werden größtenteils an unseren Fachhochschulen angeboten.

Hat man entsprechende Ambitionen und ist man sich mit dem Arbeitgeber einig, kann z.B. ein Master später berufsbegleitend draufgesetzt werden. Für einen Job in der Forschung und Entwicklung eignet sich ein forschungsorientierter Masterabschluss. Im Management, Marketing oder Vertrieb sollte man schon genauer wissen, wie Unternehmen funktionieren.

Ein ganzes MBA-Studium muss nicht immer sein, das nötige Wissen kann man auch in Trainee-Programmen, Seminaren oder einfach ’on the job‘ erwerben. Zum Thema „Dr.-Ing“ hat der VDE aktuell übrigens eine Broschüre herausgebracht („Was bringt der Dr.-Ing.“, zum Download unter www.vde.com). Mit einer Promotion hält man sich viele mögliche Karrierewege in Wissenschaft und Wirtschaft offen. Oft prädestiniert eine Promotion für Führungspositionen und natürlich auch für den Einsatz in der Forschung.

Noch vor kurzem war die Solarenergiebranche vor allem für Mikroelektronik-Ingenieure ein lohnendes Ziel. Welche Rolle spielen die aktuellen Turbulenzen in Deutschlands PV-Indus-rie für die Chancen für Hochschulabsolventen?
Die Solarenergiebranche wird es auch zukünftig geben, wahrscheinlich nicht mehr mit so vielen Anbietern und entsprechend weniger Neueinstellungen von Elektroingenieuren. Nach meiner Einschätzung trifft eine sinkende Nachfrage Arbeitsplätze im Installationsbereich oder bei der Produktion von Solarzellenmodulen.

Ich glaube hingegen, dass die Anzahl der Ingenieure z.B. bei den Anbietern von Solarwechselrichtern (Elektronik) nicht besonders abgenommen hat.
 
Können Sie die wichtigsten Zukunftstrends nennen, die Elektroingenieure maßgeblich beeinflussen?
Derzeit ist der Blick stark auf das Thema „Energie“ gerichtet. Ich bin sicher, dass daneben auch in Zukunft unsere Welt immer „smarter“ und miniaturisierter wird – Smart Sensors, Smart Home, Smart Traffic, Smart Cities usw.

Selbst die Welt der Energietechnik wird smarter im Sinne eines Smart Grid. Das heißt, dass auch in Zukunft Informationstechnik, Mikroelektronik und Vernetzung, dem Zusammenspiel von Hard- und Software, eine Schlüsselfunktion zukommt. Natürlich ist es manchmal auch umgekehrt, dass Elektroingenieure die Zukunftstrends beeinflussen.

Vor allem in der Automobilindustrie wird viel Entwicklungsarbeit von Ingenieurdienstleistern abgedeckt. Sehen Sie diesen Trend auch in anderen Bereichen?
In der Automobilbranche wird beinahe traditionell viel Entwicklungsarbeit bei den Zulieferern eingekauft, z.B. Bosch, Continental oder IAV. Letztendlich sind Zulieferer weiterentwickelte Ingenieurdienstleister.

Bei Ingenieurbüros oder auch Ingenieurdienstleistern entwickeln Ingenieure für unterschiedliche Kunden, bleiben aber dort angestellt. Das Arbeitsergebnis wird in Form von Werkverträgen dem Kunden verkauft, und es ist nicht die Arbeitskraft des Mitarbeiters, die an den Auftraggeber direkt abgetreten wird.

Dies passiert wiederum in Zeitarbeitsfirmen. Nach meiner Kenntnis ist der Anteil der Elektroingenieure in Zeitarbeitsfirmen relativ gering und dürfte nach Interpretation der letzten mir bekannten Erhebung unter 2 Prozent liegen.