Arbeitsschutz Die neue Lichtlehre

Licht ist nützlich, kann dem menschlichen Körper aber auch schaden, warnen Wissenschaftler.

Oliver Stefani vom Fraunhofer IAO forscht zum richtigen, gesunden Licht in der Produktion. Vermeintlich abgehakte Diskussionen aus dem 1980er Jahren müssen neu geführt werden. Festo stellt sich dieser Aufgabe. Die Arbeitnehmer profitieren.

Melatonin ist ein wichtiges körpereigenes Hormon. Es macht den Menschen nicht nur müde, sondern ist auch unerlässlich für regenerative Prozesse im Körper. Werden diese Prozesse unterbunden, kann dies zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Die Unterdrückung von Melatonin wird sogar in Zusammenhang mit einem erhöhten Krebsrisiko gebracht . Ist das falsche Licht also das neue Rauchen? In gewisser Weise schon. Unternehmen wie beispielsweise Festo haben diese Gesundheitsproblematik erkannt und umgehend reagiert. Ein durch das Fraunhofer IAO entwickeltes, der Gesundheit förderliches Beleuchtungskonzept wird bei den Schwaben in Ostfildern-Scharnhausen nun im produktiven Einsatz verwendet. Das ausgeklügelte Beleuchtungskonzept fördert die Aktivierung und damit die Produktivität am Tage und kann in der Nacht trotz weitestgehend ungehinderter Melatoninproduktion den Arbeiter psychologisch wach und leistungsfähig halten. Das Fraunhofer IAO hat Festo dabei nicht nur bezüglich der optimalen Lichtkonzepte beraten, sondern auch die energieeffiziente Lichtplanung durchgeführt, die Gesamtbetriebskosten berechnet und Festo während der Umsetzung begleitet.  

Der Ingenieur und Designer Oliver Stefani erklärt, welche Auswirkung das Licht auf die Arbeit hat. 

Markt&Technik: Warum wurde das Thema Licht bisher eher stiefmütterlich betrachtet?

Oliver Stefani: Ich denke das liegt daran, dass viele glauben, in den 80er Jahren sei das Thema Licht bei der Arbeit zur Genüge abgehandelt worden. Seitdem gab es aber, vor allem seit dem Jahr 2000, grundlegend neue Erkenntnisse zu Lichtwirkung auf den Menschen. 

Gibt es Länder in denen das anders ist?
Nicht wirklich. Holland und Norwegen sind vielleicht Ausnahmen. Dort macht man sich schon mehr Gedanken um die richtige Beleuchtung bei der Arbeit.

Sie behaupten, das falsche Licht sei das neue Rauchen – warum? 
Rauchen war früher ja nicht als gesundheitsschädlich angesehen. Heute ist das anders. Vielleicht wird man sich irgendwann bewusst, dass auch Licht einen Einfluss auf unsere Gesundheit haben kann. Es ist vermutlich nicht so gefährlich wie Rauchen, eher wie die Entscheidung Apfel oder Schokolade als Snack. 

Was läuft in deutschen Unternehmen beim Licht noch falsch?
Es werden "nur" die Mindestanforderungen der Normen eingehalten. Den Unternehmen ist noch nicht bewusst, dass Licht auch auf Produktivität und Gesundheit wirkt.

Wie gut lassen sich durch das richtige Licht Arbeitsergebnisse positiv beeinflussen?
Viele Studien belegen, dass dies sehr gut möglich ist. Wichtig ist hierbei auch das richtige Licht zur richtigen Zeit. 

Welche Lichtquellen nutzen Sie? 
Hauptsächlich LED.

Es gibt Szenarien in denen der Roboter den Blauanteil im Licht erhöht, wenn sein menschlicher Partner gegenüber eine Müdigkeitsphase hat - Manipulation oder gute Idee?
Es kommt darauf an: Wenn man zum Spaß im Internet surft, eher Manipulation. Wenn ein Fluglotse müde wird, bestimmt eine gute Idee. Das hängt aber neben der Tätigkeit auch von vielen anderen Faktoren ab: Chronotyp, Tageszeit, Licht-Historie, usw. Das kann man nicht pauschal beantworten. Der Roboter müsste also schon sehr schlau sein. Er müsste neben der Müdigkeit auch alle weiteren Randbedingungen berücksichtigen.   

Wo wird die neue Lichtlehre schon eingesetzt?
Bisher hauptsächlich in der Forschung (z.B. in der Chronobiologie). Langsam aber stetig steigt auch das Bewusstsein für Lichtwirkung auf den Menschen in der Lichtbranche. Die diesjährige Light & Building stand unter dem Motto HCL (Human Centric Lighting).   

Wer verantwortet im Betrieb das Licht?
Meist die Gebäudetechnik, da Beleuchtung fast immer ein fest installierter Bestandteil des Gebäudes ist. 

Wer spricht noch mit? 
Normalerweise nur die Gebäudetechnik und das Finanzwesen. Bei Festo auch der Betriebsrat, der Betriebsarzt, die Nutzer und das Fraunhofer IAO.

Wie sind die Ergebnisse bisher?
Ergebnisse wird es in Kürze geben. Eine Befragung der Mitarbeiter ist bereits in Planung.