Unternehmenskultur als Chance »Die Manager müssen nun mutig zupacken«

Prof. Dr. Gunther Olesch war bis zu seinem Renteneintritt Geschäftsführer 
Human Resources, Information Technology and Facility Management bei Phoenix Contact. Seit 1. August ist er Chief Representative, Phoenix Contact.
Prof. Dr. Gunther Olesch ist noch bis Ende Juli 2020 Geschäftsführer Human Resources, Information Technology and Facility Management bei Phoenix Contact. Ab dem 1. August vertritt er das Unternehmen als Chief Representative.

Die Corona-Krise ist eine Jahrhundert-Herausforderung für alle Unternehmen. Das Management hat nun beste Chancen durch mutiges und besonnenes Vorgehen einen wichtigen Erfolg für das eigene Unternehmen zu erreichen und damit die Position des Unternehmens für die Zukunft zu stärken.

Durch Corona haben wir die größte Krise der Welt. Natürlich explodieren die negativen Nachrichten in allen Gazetten. In den sozialen Medien kommen Verschwörungstheorien und pseudomedizinische Fakes zu Verbreitung. Sicherlich werden die Weltwirtschaft und auch Deutschland noch geraume Zeit nach Corona mit den Folgen zu kämpfen haben. Doch wie aus jeder Krise Nachteile erwachsen, gibt es auch Chancen. Als überzeugter Optimist bin ich der Meinung, dass wir alles tun sollten, um die Nachteile möglichst schnell in Griff zu bekommen und die Wende in eine positive Zukunft zu schaffen. Wir sollten aber auch die Chancen ergreifen, die aus der Krise resultieren; und mit „wir“ meine ich besonders uns, die Führungskräfte.

Die wichtigsten Aufgaben in der Corona-Krise sind aus meiner Überzeugung, das Überleben des Unternehmens zu gewährleisten sowie die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden zu sichern.

Die psychische Gesundheit kann beeinträchtigt werden, wenn Mitarbeitende Angst um ihre Arbeitsplätze haben. In der jetzigen Zeit ist das folgende Sprichwort von besonderer Bedeutung: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts!“ Nur mit mental fitten und motivierten Mitarbeitenden können wir in der Krise die Zukunft des Unternehmens sichern.

Da es sich um unsere Belegschaften und Menschen handelt, muss der Manager eine zentrale und steuernde Rolle einnehmen. Nun können wir beweisen, was wir können. Aus meiner Sicht beweist sich ein gutes Unternehmen, ein exzellentes Team und ein Top-Management nur in der Krise. Hier zählen nämlich nicht mehr die Worte, sondern die Taten. Es gehört schnelles Entscheiden sowie konsequentes, mutiges und besonnenes Handeln, wie auch die gehörige Portion an Resilienz zu den Köpfen, die nun entscheidend punkten können, und das ist unsere Management-Chance.

In einer Extremsituation wie dieser müssen wir schnell handeln. Dabei muss es uns bewusst sein, dass Schnelligkeit auch Fehler erzeugen kann. Wenn ein Haus brennt, muss die Feuerwehr schnell handeln, Menschen retten und den Brand löschen. Dabei wird das Wasser vielleicht auch Möbel beschädigen, an denen die Geretteten sehr hängen. Der Feuerwehrmann darf jedoch nicht zögern, er muss mutig den Brand löschen, sonst kann das leibliche Wohl von Menschen gefährdet werden.

Die Manager müssen nun mutig zupacken, um die Zukunft des Unternehmens und die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden zu sichern. Mobiles Arbeiten, Homeoffice, soziale Distanzierung, Vermeidung persönlicher Begegnung bei Schichtübergabe in der Produktion, umfangreiche Hygienemassnahmen und vor allem sehr viele Informationen über alle Fakten und Maßnahmen im Unternehmen z.B. in Firmen-Apps, Intranet, Podcasts, Unternehmensmagazin – das alles sollte das Management initiieren und umsetzen.

Die erfolgreiche Bekämpfung einer Krise wie Corona ist im Vergleich zu anderen Nationen messbar. Nehmen wir die Zahl der Infizierten und Todesfälle in Relation zu der Bevölkerungszahl des Landes. In Prozenten hat Deutschland mit die geringste Anzahl an Infizierten sowie Todesfälle durch Corona. Mein Resümee ist daher, dass die deutsche Bundesregierung einen wirklich guten Job bisher gemacht hat und die Bevölkerung sich meistens an die unangenehmen Einschränkungen gehalten hat, um die negativen Folgen möglichst gering zu halten.

Weit über 80 % unsere Bevölkerung stimmen den Maßnahmen unserer Regierung zu. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Weiterhin werden durch unser Kurzarbeitersystem kaum Mitarbeitende entlassen. So können wir nach der Krise schnell durchstarten und wieder an die Spitze der Industrienationen gelangen.

Schnell melden sich Kritiker zu Wort, die die Handlungen der Bundesregierung kritisieren. Einerseits kann man es in einer Demokratie nicht allen recht machen und anderseits macht man Fehler, wenn man sehr schnell handeln muss. Aber diese Fehler fallen nicht ins Gewicht, wenn man sieht, dass Deutschland die Corona-Krise mit am besten im weltweiten Vergleich bisher gemeistert hat. Das haben wir 2009/2010 schon einmal geschafft. Wir sind also erprobt und können es wieder erfolgreich schaffen.

Auch die Maßnahmen, die wir als Management jetzt ergreifen, werden nach Corona messbar sein: schnelleres Hochfahren des Unternehmens, stärkere Umsatzsteigerung im Vergleich zu anderen ausländischen Unternehmen, geringerer Infektions- und Krankenstand sowie Fluktuation in naher Zukunft sowie bessere Zustimmung der Mitarbeitenden zum Unternehmen durch deren Befragung. Messbar wird der Erfolg weiterhin durch Mitarbeitenden-Feedback in Kununu oder Glassdoor.

Was ist nun für Manager wichtig? Wir sollten Mut aufbringen, um schnelle Entscheidungen herbeizuführen sowie konsequent und besonnen zu handeln, wie auch die gehörige Portion an Resilienz zu bewahren.

Was sind nun die Vorteile der Corona-Krise? Es sind das extrem beschleunigte Nutzen der digitalen Kommunikation, des mobilen und agilen Arbeitens und die stärkere Selbstverantwortung des Mitarbeitenden. Gerade die älteren Führungskräfte lebten keine große Begeisterung dafür vor. Nun bietet Corona keine Alternative und so erfahren wir eine enorme Beschleunigung der Nutzung von digitalen Möglichkeiten. Ohne Corona hätten wir meines Erachtens noch 5 Jahre gebraucht, um diese Ansätze so zu realisieren - New Work mit „Lichtgeschwindigkeit“. Durch die Nutzung der digitalen Kommunikation wird weniger Zeit und Geld für Dienstreisen aufgewendet, was auch die Umwelt durch weniger Emission entlastet. Hier sehe ich es auch als eine Management-Aufgabe an, dass in die zukünftige coronabefreite Zeit mit hinüberzunehmen. Manager haben nun viele Chancen eine wichtige und exzellente Position durch die gute Krisenbewältigung für ihr Unternehmen zu erreichen.

Let´s do it.