Weiterbildung Deutschland: Mangel an Managementmethoden

Wettbewerb: Bei den Managementmethoden liegen die USA vor Deutschland.
Wettbewerb: Bei den Managementmethoden liegen die USA vor Deutschland.

Deutsche Unternehmen könnten um 1,5 % produktiver sein, wenn sie konsequent Managementmethoden einsetzen würden. Eine Studie des IfW und IAB erklärt jetzt warum.

Bislang fehlten für Deutschland geeignete Daten, auf deren Basis man den Einfluss von Managementinstrumenten auf die Produktivität und den wirtschaftlichen Erfolg einzelner Betriebe bestimmen konnte. Daher befragten das IfW und das IAB gemeinsam mit dem infas (Institut für angewandte Sozialwissenschaft) im Jahr 2015 Manager und Geschäftsführer von rund 1900 Betrieben. Alle teilnehmenden Betriebe stammen aus dem verarbeitenden Gewerbe und haben mindestens 25 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Mit den Daten dieses „German management and organizational practices survey“ (GMOP) lässt sich systematisch auswerten, welche Rolle Managementpraktiken für den Unternehmenserfolg spielen.

Mehr Produktivität machbar

Die Betriebe machten unter anderem Angaben zum Einsatz bestimmter Managementinstrumente hinsichtlich Leistungsmonitoring, Arbeitnehmeranreizen und Zielvorgaben für Arbeitnehmer. So wird beispielsweise erhoben, wie viele Leistungskennzahlen in Betrieben erfasst werden, wie wichtig diese für Managemententscheidungen sind, ob Leistungsboni gezahlt werden und wie Produktionsziele gesetzt werden. Basierend auf diesen Informationen kann ein wissenschaftlich etablierter Index zum Einsatz von Managementpraktiken in den Betrieben konstruiert werden.

Erste Ergebnisse zeigen, dass

• der von den Forschern ermittelte Index zur Bestimmung erfolgreicher Managementpraktiken in den USA höher ausfällt als in Deutschland.

• der ermittelte Managementindex eine wichtige Bestimmungsgröße der betrieblichen Produktivität ist.

• die durchschnittliche Produktivität in Deutschland um rund 1,5 % höher wäre, wenn der Managementindex bei den deutschen Betrieben in den letzten Jahren auf das Niveau der USA angestiegen wäre.

Die Abbildung zeigt, dass der Managementindex, der zwischen 0 und 1 liegen kann, in Deutschland zwischen 2008 und 2013 von 0,50 auf 0,57 angestiegen ist. „Das bedeutet eine signifikante Verbesserung“, erklärt die IAB-Forscherin Marie-Christine Laible. Ein Vergleich mit den USA zeigt jedoch, dass der Managementindex dort höher liegt. Diese Schere hat sich im Fünfjahresvergleich auch nicht geschlossen. Zusätzlich ist zu beachten, dass sich die US-Daten auf die Jahre 2005 und 2010 beziehen, also drei Jahre vor den deutschen Daten. Geht man davon aus, dass der Managementindex auch in den USA seit 2010 zugenommen hat, ist die Differenz zwischen den USA und Deutschland noch größer.

Moderne Managementmethoden wirken

„Unter den Teilergebnissen ist bemerkenswert, dass Deutschland im Bereich der Arbeitnehmeran-reize und Zielvorgaben sogar leicht vor den USA liegt“, so Sandra Broszeit vom IAB. Weniger eingesetzt werden dagegen Managementinstrumente im Bereich des Sammelns und Nutzens von Daten bezüglich des Produktionsprozesses – wie zum Beispiel Messtafeln, dem Zugang zu gemessenen Produktionsdaten etc. 

Erste Auswertungen der GMOP-Daten zeigen, dass der Managementindex eng mit der betriebli-chen Produktivität korreliert. Das geschätzte ökonometrische Modell zeigt, dass der Anstieg des Managementindexes zwischen 2008 und 2013 mit einem Anstieg der Arbeitsproduktivität um rund 5 Prozent einherginge, wenn alle anderen Faktoren konstant geblieben wären. Wäre der Managementindex auf das für 2010 gemessene Niveau der USA gestiegen, hätte das Produktivi-tätswachstum sogar noch rund 1,5 Prozent höher sein können. 

Was folgt daraus? Anders als bisher in den meisten Untersuchungen angenommen, ist die Qualität des Managements zumindest teilweise messbar und eine wichtige Bestimmungsgröße der Produktivität. „Das Einsetzen moderner Managementmethoden in deutschen Unternehmen kann zu spürbaren Produktivitätsfortschritten führen und damit die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands weiter steigern“, betont Holger Görg vom IfW.