Vor allem Spanier und Griechen zieht es nach Deutschland Deutschland hat ein Imageproblem bei ausländischen Fachkräften

Die Hochschule Pforzheim hat seit 2009 untersucht, wie attraktiv es ausländische Studierende finden, in Deutschland zu arbeiten. Mit teils überraschenden Ergebnissen.

Die Zahl der griechischen Zuwanderer ist um 90 Prozent, die aus Spanien um 52 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Das ist wenig verwunderlich, denn die wirtschaftlichen Gründe in den Heimatländern haben die Entscheidung der dortigen Studierenden beschleunigt.

 „Die Bereitschaft, für einen längeren Zeitraum in Deutschland beruflich tätig zu sein, ist unter den Studierenden in Süd- und Osteuropa am größten“, so Dr. Markus-Oliver Schwaab. Fast 5.000 Nachwuchsfachkräfte haben seit drei Jahren an der Studie des Human Rescources Competence Centers der Pforzheimer Hochschule teilgenommen.

Studierende aus Rumänien, Bulgarien, Spanien, Ungarn, Russland oder Griechenland sind deutlich eher bereit, ihren Arbeitsschwerpunkt nach Deutschland zu verlegen, als Studierende aus Polen, der Türkei oder den baltischen Ländern. Bemerkenswert ist, dass auch Nachwuchskräfte aus deutschsprachigen Nachbarländern oder den Beneluxstatten wenig Lust verspüren, in Deutschland zu arbeiten.

Vor allem bei Rumänen und Spaniern ist diese Bereitschaft von 2009 bis 2012 deutlich angestiegen. Die englischsprachigen Staaten oder die Schweiz – traditionell die stärksten Konkurrenten Deutschlands im „Kampf um internationalen Arbeitsnehmer“ – sind bei Bulgaren, Griechen, Rumänen oder Spaniern eindeutig nicht so nachgefragt. Nur die Polen haben entgegengesetzte Vorlieben.

Mit der Aufnahme der Arbeit in Deutschland sei allerdings nur der erste Schritt getan, erläuterte Schwaab die neuen Ergebnisse der Studie. Die hiesigen Verhältnisse beziehungsweise die Einschätzung dieser bestimmten die Länge des Arbeitsaufenthaltes. Der „Wohlfühlfaktor“ habe seit dem Jahr 2009 eine ausschlaggebende Wirkung. Wie werden die ausländischen Fachkräfte in Deutschland aufgenommen, wie stellen sich die Arbeitsbedingungen dar, wie offen geht man auf sie zu und wie ist es um die Sicherheit bestellt?

Diese und weitere Fragen beeinflussen laut Schwaab entscheidend die Frage, ob Spanier, Griechen oder Bulgaren nach Deutschland kommen und wie lange sie bleiben. In dieser Hinsicht habe Deutschland keinen Imagevorteil, resümiert Schwaab. Das Deutschlandbild ist durch persönliche Meinungen und Erfahrungen gespeist, so die Ergebnisse der Studie.

Das Image einer Firma im Ausland setze sich – neben dem Firmenimage – aus ganz unterschiedlichen Quellen zusammen. Unternehmen in bekannten Städten wie München, Berlin oder Hamburg profitierten, während Firmen aus ländlichen Regionen im Wettbewerb andere Akzente setzen müssten. Betriebsklima, Wertigkeit des Arbeitsfeldes oder Karrierechancen spielen bei der Auswahl des Unternehmens eine große Rolle Faktoren wie Arbeitszeit, betriebliche Sozialleistungen oder auch Weiterbildungsmöglichkeiten nahmen in ihrer Relevanz für ausländische Studierende ab.

Die Frage, wie lange ausländische Mitarbeiter im Unternehmen verbleiben, sollte für die Unternehmen eine zentrale Rolle spielen, so Schwaab. „Unternehmen, die sich früh öffnen und Integrationsstärke beweisen, haben einen Vertrauensbonus und einen Wettbewerbsvorteil“, erklärte der Pforzheimer Professor. Die langfristige Bindung ausländischer Arbeitskräfte stelle das Personalmanagement der Unternehmen vor eine große Aufgabe, so eine weitere Bilanz der Studie.

Diese aktuellen Ergebnisse zeigt eine Langzeitstudie des Arbeits- und Forschungsschwerpunktes Personalmanagement der Hochschule Pforzheim. Die Pforzheimer Professoren Markus-Oliver Schwaab und Wolfgang Schäfer führen seit dem Jahr 2009 europaweite Online-Befragungen unter Studierenden durch.