Globale LinkedIn-Studie Deutsche sind Europameister im Keine-Zeit-Haben

Das Wort des Jahres 2019 ist Respektrente. Diese Entscheidung traf am Mittwoch eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden. Das Wort bezeichnet die Einführung einer Grundrente für Personen, die 35 Jahre erwerbstätig waren und dennoch eine Rente unterhalb des Existenzminimums beziehen.

Wie gut sind meine beruflichen und privaten Möglichkeiten? Deutsche blicken laut dem LinkedIn Opportunity Index 2020 weniger optimistisch in die Zukunft als es Menschen im internationalen Durchschnitt tun – aber deutlich positiver als die Arbeitnehmer der meisten anderen europäischen Länder.

Für den Opportunity Index 2020 haben LinkedIn und die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) global mehr als 30.000 Menschen befragt, 2.025 davon in Deutschland.

Während Deutsche und Schweizer auf dem gemeinsamen Rang zwei (von neun untersuchten europäischen Märkten) ihre beruflichen und privaten Möglichkeiten mit 96 Punkten noch verhältnismäßig optimistisch einschätzen (globaler Index = 100), ist die Skepsis in Italien und Frankreich sehr viel ausgeprägter. Schweden, Irland, Großbritannien und Spanien liegen im europäischen Vergleich im Mittelfeld, die Niederlande stehen an der Spitze. Eine Ausnahme unter den etablierten Industrienationen sind die USA, wo weiterhin großer Optimismus herrscht. An der Spitze der Gesamtauswertung stehen Indien, Indonesien und China.

„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen: In Deutschland sind viele Menschen davon überzeugt, dass ihnen der Arbeitsmarkt ausreichend Möglichkeiten zur beruflichen Verwirklichung bietet. Zugleich wissen viele nicht, wie sie diese Chancen für sich nutzen können“, sagt Barbara Wittmann, Country Managerin DACH bei LinkedIn.

Die Generation Z (18-22 Jahre) und die Babyboomer (55-65 Jahre) stehen an den Enden des untersuchten Altersspektrums. Sie hadern beide mit ihrem Alter: 44 Prozent der 55- bis 65-Jährigen fühlen sich durch diesen Faktor eingeschränkt, einen aktiven Lebensstil zu führen und im Job voranzukommen. Insbesondere bei denen, die ein sicheres Arbeitsverhältnis anstreben, ist die Sorge ausgeprägt, Unternehmen könnten jüngere Bewerber bevorzugen.

Auch die Generation Z nimmt ihr Alter als Problem wahr – wenn auch unter anderen Vorzeichen. Die 18- bis 22-Jährigen empfinden fehlende Arbeitserfahrung (21 Prozent) sowie fehlende Führung und Orientierung (11 Prozent) als Herausforderungen. Das wiederum führt zu einem Mangel an Selbstvertrauen (24 Prozent), der für sie insgesamt die größte Hürde darstellt.

Weil die Generation Z darum kämpft, sich auf dem hiesigen Arbeitsmarkt zu etablieren, sind ihr einige Punkte wichtiger als den Boomern: Jobsicherheit (40 vs. 27 Prozent), Zugang zu Bildung (25 vs. 7 Prozent) und die Erweiterung des beruflichen Netzwerks (14 vs. 5 Prozent). Die Babyboomer haben gleichzeitig erkannt, dass sie sich an die digitale Welt anpassen und ihr Wissen auf dem neuesten Stand halten müssen, um auf dem Arbeitsmarkt relevant zu bleiben. 83 Prozent sagen, dass Veränderungsbereitschaft ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, 78 Prozent betonen den Wert von Bildung.

„Weil wir immer früher in den Beruf einsteigen und später in Rente gehen, wird der Arbeitsplatz zunehmend zum Schmelztiegel der Generationen. Nicht nur für Arbeitnehmer sondern auch für Arbeitgeber stellt das eine Herausforderung dar. Gleichzeitig bieten sich große Chancen: Vom Erfahrungsschatz der Babyboomer können nachfolgende Generationen immens profitieren – und die Generation Z bringt wertvolle neue Ideen in das Unternehmen“, sagt Barbara Wittmann. 

Den Deutschen mangelt es an Zeit, ihre Chancen wahrzunehmen

Was hindert Menschen daran, ihre Wünsche zu verwirklichen? Während global gesehen Geldmangel das größte Problem darstellt, fehlt es hierzulande vor allem an einem: Zeit (23 Prozent). In keinem europäischen Land ist das Problem größer – die Deutschen sind Europameister im Keine-Zeit-Haben.

In diesen Kontext passt eine weitere Abweichung vom globalen Trend: Weltweit sind die Menschen überzeugt, dass man hart arbeiten muss, um seine Ziele zu erreichen – mit 81 Prozent ist das der meistgenannte Faktor. Wenn die Verwirklichung der eigenen Wünsche aber oft an Zeitmangel scheitert, dann wäre noch härtere Arbeit ein Schritt in die falsche Richtung. Entgegen aller Klischees betonen hierzulande deshalb nur 58 Prozent den Wert dieses Faktors.