Ingenieurausbildung »Der universitäre Abschluss darf nicht vernachlässigt werden«

Zum Thema universitäre Ingenieurausbildung und ihre Bedeutung referierte Berufsexperte Dr. Michael Schanz vom VDE kürzlich erst bei einer Festveranstaltung „5 Jahre Online-Master EIT“. Dieses Studienangebot der Universität Duisburg-Essen ist bislang einmalig in Deutschland. Es bietet als einziges Fernlehre-Programm einen Masterabschluss auf dem Niveau der universitären Lehre. 200 Studierende sind hier aktuell eingeschrieben.

Forschung und Entwicklung ist bei Elektroingenieuren klar die Nummer eins. Doch nicht alle Elektroingenieure, die dort arbeiten, haben einen universitären Abschluss. Für Dr. Michael Schanz vom VDE ein klares Signal.

Dr.-Ing. Michael Schanz ist seit vielen Jahren beim VDE. Als Experte für den Ingenieurarbeitsmarkt und -beruf hat er für den VDE den Bologna-Prozess von Anfang an mit begleitet. Und trotz der in dieser Zeit immer wieder ertönten Rufe, die Ausbildung für Ingenieure brauche viel mehr Praxisnähe in der Ausbildung und bessere Passgenauigkeit auf den aktuellen Bedarf: Von der Empfehlung, an den Uni-Bachelor Elektro- und Informationstechnik am besten noch den Master anzuhängen, ist der Experte nie abgerückt. Obwohl es nach Beschluss der Bologna-Reformatoren eigentlich ursprünglich nur 20 Prozent eines Jahrgangs sein sollen, die nach dem Bachelor noch den Master erwerben. Auf dieses Verhältnis nämlich ist die Ausstattung der Hochschulen (in finanzieller Sicht wie auch in Sachen Ressourcen) eigentlich ausgelegt.

An der Notwendigkeit eines „breiten Spektrums an Qualifikationsniveaus“ zweifelt der VDE ja auch gar nicht. Aber der universitäre Abschluss mit seiner fundierten Grundlagenausbildung dürfe »als sehr wichtiges Qualifikationsniveau« eben auch nicht unterschätzt bzw. vernachlässigt werden, so Schanz. Denn zusammen mit einer intensiven systemischen Betrachtung des Gelernten versetze er die Absolventen in die Lage, schnell auf neue Trends zu reagieren.

Zum Beweis nennt Schanz die aktuelle VDE-Studie über den Arbeitsmarkt von Elektroingenieuren, für deren aktuelle Zahlen die Erhebung „Mikrozensus“ ausgewertet wurde. Und diese lauten: 44 % der Elektroingenieure und -Ingenieurinnen arbeiten in der Forschung und Entwicklung, aber nur 39 % der Absolventen und Absolventinnen haben ihren Abschluss in diesem Fach an einer Universität gemacht bzw. promoviert. Für den Experten vom VDE ist das überraschend, »ich war bislang vom Gegenteil überzeugt«. Und ein klares Signal: »Die universitäre Ausbildung hat nichts von ihrem Stellenwert eingebüßt. Sein Fazit und Appell an Hochschulleitungen, Kultusministerkonferenz und -ministerien, die über Ausstattung und Ressourcen an Hochschulen entscheiden: »Die Bedeutung der universitären Lehre in der Elektrotechnik und Informationstechnik darf nicht unterschätzt werden!«

Schanz: »Ich möchte mit meiner Feststellung der unterschwelligen Gefahr entgegentreten, dass der universitären Ausbildung ihr Stellenwert genommen wird. Sei es, durch eine Durchmischung mit allerlei außerfachlichen Inhalten oder Kürzung von universitären Ressourcen bzw. Schließung von deren Einrichtungen. Beide Profile sind sehr wichtig: Das eine wissenschaftlich orientiert, das andere praxisorientiert.« Den Bedarf der Wirtschaft könne man aus den Zahlen 1:1 ablesen: »Wir bräuchten eher einen noch größeren Anteil an Uni-Absolventen, nicht weniger, wie oft behauptet wurde. Diejenigen, die das in der Vergangenheit – insbesondere im Zuge von Bologna – vertreten haben, waren zumeist Dritte, also Funktionäre, Personaler oder Politiker.« Stattdessen wäre es laut Schanz sinnvoller, die Abteilungs- und Gruppenleiter nach der benötigten Qualifikation der Elektroingenieure zu fragen und Maßnahmen zur Stärkung der universitären Ausbildung einzuleiten.