KPMG Future Readiness Index »Den meisten Unternehmen fehlt systematisches Talent Management«

Peter Heidkamp, Partner und Head of Technology, Advisory bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Peter Heidkamp, Partner und Head of Technology, Advisory bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Der Tech-Sektor steht wie kein zweiter für zukünftiges Wirtschaftswachstum, muss aber gleichzeitig mit Fachkräftemangel und vergleichsweise geringen Studienanfängerzahlen kämpfen. Interview mit Peter Heidkamp, Partner und Head of Technology, Advisory bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Markt&Technik: Herr Heidkamp, mit Fokus auf Elektronik und Informationstechnik: Warum zieht der Bereich nicht mehr Menschen an, angesichts des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenzials?  
Peter Heidkamp: Die Ergebnisse des Future Readiness Index zeigen, dass einige Unternehmen noch immer relativ wenig in Personal investieren, obwohl das Thema »Fachkräftemangel« bekannt und hoch relevant ist. Eine interessante Erkenntnis. Einige Unternehmen laufen Gefahr, in Zukunft nicht mehr das richtige und passende Personal an Bord zu haben.

Diese Gefahr ist insbesondere für den Mittelstand groß. Mittelständische Technologiefirmen müssen sich angesichts des Fachkräftemangels als attraktive Arbeitgeber positionieren. Bei der Suche nach IT-Experten konkurrieren sie mit attraktiven Startups, mit internationalen Tech-Konzernen und mit traditionellen deutschen Industrieunternehmen. Die Digitaleinheiten und IT-Abteilungen renommierter Industrieunternehmen bieten den begehrten IT-Fachkräften inzwischen ebenfalls reizvolle Perspektiven.

Frühzeitige und innovative Rekrutierungsmaßnahmen, Talentpools und nicht zuletzt auch die Präsentation des eigenen Unternehmens als zeitgemäßer Arbeitgeber mit einem attraktiven Arbeitsumfeld werden häufig noch nicht ausreichend genutzt. Deshalb zieht es viele qualifizierte junge Arbeitskräfte zu deutschen oder internationalen Startups, die den Kampf um die IT-Kräfte in Sachen Arbeitsplatz, Arbeitsklima, flexibles Arbeiten und Work-Life-Balance gewinnen.

Auch beim weiblichen Nachwuchs geht es äußerst schleppend voran.
Die traurige Tatsache, dass Frauen eine Minderheit in der Tech-Branche sind, hat zweifellos Auswirkungen auf den Wohlfühlgrad und das Vertrauen in diese Arbeitsplätze. Frauen müssen in dieser Branche umso mehr darum kämpfen, ihre Kompetenz und Glaubwürdigkeit zu verteidigen.

Es ist aber nicht nur ein Kampf mit der Männerdomäne, sondern auch mit einem selber. Wenn Frauen die Möglichkeit erhalten, ihre Fähigkeiten zu demonstrieren, dann werden sie auch geschätzt. Und genau dort sollte vom Arbeitgeber angesetzt werden. Es sollte ein soziales Umfeld und eine Kultur der Gleichheit geschaffen werden, welches gegen Stereotypen und Vorurteile in der Technik-Welt ankämpft, um weibliche Arbeitskräfte anzulocken.

Bislang gingen Investitionen in Mitarbeiter und deren Gewinnung oft einher mit den Auf und Abs der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Anzeichen für einen Abschwung mehren sich zunehmend, können es sich Unternehmen angesichts der demographischen Entwicklung und des ansteigenden Zusatzbedarfes leisten, bei Weiterbildung, Recruiting und Employer Branding nachzulassen? 

Nein. Deutsche Unternehmen sollten kontinuierlich in Mitarbeiter und Recruiting investieren und sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Dieses Thema ist zu wichtig, um es abhängig zu machen von konjunkturellen Schwankungen. Der demografische Wandel pausiert ja auch nicht in Krisenzeiten.

Unternehmen aus nahezu allen Branchen stehen vor der Herausforderung, IT-Talenten reizvolle Perspektiven zu bieten. Was den meisten Unternehmen hierbei fehlt, ist ein systematisches und zielgerichtetes Talent Management, um dem War for Talents nicht nur standzuhalten sondern diesen auch zu gewinnen. Auf der Suche nach Top-Talenten sollte in sogenannte Talent Pools investierten werden, die weltweit Unternehmen und Mitarbeiter vernetzen. Es bietet viel Potenzial, das Arbeiterimage zu steigern und erhöht gleichzeitig Rekrutierungsmöglichkeiten. Die richtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Bord zu haben, ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

(Das ganze Interview mit Peter Heidkamp zum Thema »Future Readiness« lesen Sie in Markt&Technik, Ausgabe 51/52).