Tipps vom Insolvenzverwalter Daran scheitern Gründer am häufigsten

Voller Euphorie starten viele Unternehmengründer durch. Um anschließend an mangelnder Vorbereitung zu scheitern.

Ein Großteil der Gründer schafft es nicht, seine Geschäftsideen langfristig am Markt zu etablieren. Nur etwa jedes zehnte Start-up schafft es in die Gewinnzone. Sanierungsexperte Dr. Lucas Flöther nennt die häufigsten Fehler und gibt Tipps für den Krisenfall.

Prof. Lucas F. Flöther ist als Sanierungsexperte und Insolvenzverwalter bei Flöther & Wissing auf Restrukturierungs- und Insolvenzrecht spezialisiert.  Seiner Erfahrung nach sind es immer die gleichen Gründe, an denen Jungunternehmer scheitern: Unausgereifte Geschäftsideen, fehlendes finanzielles Fundament und mangelnde betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie Branchen-Know-how, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein.

Die Euphorie über die eigene, visionäre Idee vernebele häufig den Blick für die Realität: “Wenn Kunden sagen, die Idee ist ‚ganz nett‘, aber kaufen würde ich sie nicht, hat man nichts gewonnen”, so Flöther. Gründer sollten den wirklichen Zusatznutzen vorantreiben, der sich beim Kunden in Euro und Cent auszahle.
Der Markt sollte potenziell ausreichend groß sein und ein konkretes Problem lösen. Sonst sei das Scheitern vorprogrammiert, so Flöther.

Auch ein umfassendes Branchenwissen sei  unverzichtbar. Und gerade in der Startphase Lieferanten- und Kundenkontakte. Betriebswirtschaftliches Know-How muss im Team vorhanden sein:  Gerade am Anfang würden “häufig grobe Kalkulationsfehler begangen”, weiß Flöther. Während die einen Gründer den Umsatz des eigenen Produkts zu hoch einschätzten, vergäßen andere sogar die Kalkulation grundlegender Fixkosten, von der Miete bis hin zum eigenen Gehalt.

Dabei sei es entscheidend für Unternehmer,  alle wichtigen Kennzahlen tagesaktuell abrufen zu können. “Dies gilt insbesondere für alle Verbindlichkeiten und deren Fälligkeiten”. Dazu zählen allerdings nicht nur die Kreditoren aus der Offene-Posten-Liste wie z.B. Lieferanten, sondern auch Höhe und Fristen von Zahlungen an Krankenkassen, das Finanzamt, Arbeitnehmer oder Banken.  Und: Besonders in der Anfangszeit müsse das Ausfallrisiko von Kunden einkalkuliert werden.

Zur Unternehmensfinanzierung setzen junge Unternehmer seit Jahren überwiegend auf “friends&family” als Kapitalgeber. Aber  auch Business Angels und Risikokapital-Geber gewinnen weiter an Bedeutung. Das Risiko: Solche kleinteiligen und informellen Investments sind häufig undurchschaubar; Risiken und Laufzeiten werden nicht hinreichend überblickt. “Der einfache Zugang zu Kapital kann gefährlich werden”, erklärt der Sanierungsexperte. “Sobald die gute Konjunktur nachlässt, ist der negative Effekt auf Jungunternehmer umso heftiger. Besonders dann, wenn Gründer über eine zu geringe Eigenkapitaldecke verfügen.”

Mehr als die Hälfte aller Jungunternehmen scheitern übrigens an internen Streitigkeiten, hat Flöther beobachtet, vor allem, wenn es wirtschaftliche Krisen zu stemmen gibt. Deren Ursachen sind vielfältig: Zahlungsunfähigkeit bei Kunden oder Geschäftspartnern sowie Krankheiten oder fehlende Rücklagen. Auch zu schnelles Wachstum kann gefährlich werden: “Wachstum kostet Liquidität. Wer nur wachsen will um des Wachsens willen hat schnell ein existenzielles Problem, wenn die Eigenkapitalrücklagen gering sind.” Häufig haben Jungunternehmer nur den Umsatz und weniger den Ertrag im Fokus. Das kann schnell Liquiditätsprobleme auslösen.
Schlittert ein Startup dennoch in die Insolvenz, muss das nicht das Ende sein. Im Gegenteil: Die Insolvenz kann sogar die unangenehmen Folgen einer finanziellen Katastrophe abwenden. Am Ende der Insolvenz kann nämlich die Entschuldung des Unternehmens stehen, sodass ein Neuanfang gewagt werden kann. Voraussetzung ist, frühzeitig zu reagieren: Wer trotz Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens versäumt, begeht den Straftatbestand der Insolvenzverschleppung.