Stellenmarkt für Blockchain Da kann man reinwachsen

Ist Blockchain bereits eine Revolution oder immer noch ein Hype? Zumindest der Stellenmarkt wächst exponenziell, freilich von niedrigem Niveau ausgehend. Die Jobprofile sind noch unscharf.

Einer Auswertung der Meta-Jobbörse Job­lift zufolge waren in den großen deutschen Jobbörsen von Mai 2016 bis Mai 2017 erst rund 80 ausgewiesene Blockchain-Experten gesucht; Stand heute sind es mit Blick auf die vergangenen 24 Monate bereits 607 Gesuche. »Die Stellenanzeigen für Blockchain haben sich in den letzten zwölf Monaten mit 447 % Wachstum verfünfeinhalbfacht!«, sagt Joblift-Sprecherin Laura Jentsch.

Das Berufsbild zeigt sich immer noch relativ unscharf. Den meisten Jobausschreibungen liegt laut Joblift lediglich »grundlegendes Verständnis der Blockchain und der Kryptografie« zugrunde. Das bedeutet, allzu tief müssen die Fachkenntnisse noch nicht sein, um sich für eine Tätigkeit im Blockchain-Umfeld zu bewerben; ‘Learning by Doing’ lautet die Devise, vorausgesetzt, dass allgemeine Kenntnisse in der Programmierung vorhanden sind.

Das deckt sich mit den Aussagen von Luka Horvat, Head of Talent Operations bei Toptal, einer Plattform für Freelance-Entwickler mit Hauptsitz in San Francisco. »Blockchain-Anwendungen können mit nahezu jeder Programmiersprache entwickelt werden. Für Ingenieure mit Programmier- oder Systementwicklungserfahrung ist der Einstieg in die Blockchain-Entwicklung sehr gut möglich. Bisher gibt es nur sehr wenige Softwareentwickler, die bereits Erfahrung mit Blockchain-Technologien haben – eine Herausforderung für Unternehmen und ein Vorteil für Spezialisten; es besteht mehr Nachfrage als Angebot.«

Er registriert eine gesteigerte Nachfrage, nicht nur in den USA. »Der Markt für Blockchain wächst exponentiell, die Technologie hat ein enormes Potenzial. Im Moment haben hochqualifizierte und agile Blockchain-Entwickler sowohl bei Startups als auch in etablierten Unternehmen große Chancen, und zwar weltweit. Letztes Jahr stieg die Nachfrage unserer Kunden nach Blockchain-Know-how um über 700 Prozent. Auf derzeit 14 offene Stellen gibt es nur einen Blockchain-Ingenieur weltweit. Wir gehen davon aus, dass sich dieser starke Aufwärtstrend fortsetzen wird, da immer mehr Unternehmen neue Blockchain-Anwendungen implementieren und einführen.«

Blockchain steckt hinter Krypto-Währungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple, aber das ist erst der Anfang. Blockchain-Entwickler werden aktuell vom kleinen Startup bis hin zum Fortune-500-Unternehmen gesucht, erklärt Horvat, so breit sei Blockchain einsetzbar. »Nahezu täglich werden neue, spannende Anwendungen entdeckt und können Durchbrüche im Gesundheitswesen, im Handel mit Zertifikaten für erneuerbare Energien oder im Supply-Chain-Management bedeuten.«

Eine Spielwiese für Softwareentwickler? »Die Beherrschung der grundlegenden Konzepte wie Kryptografie und verteilte Systeme, die oft Voraussetzung für eine Blockchain-Anwendung sind, ist keine triviale Aufgabe«, so Horvat. Man biete deswegen auch Weiterbildung an: »Das Angebot an Schulungsmaterialien und Kursen wächst ständig, auch bei uns. Ich empfehle, mit den Grundlagen zu beginnen und sich dann zu spezialisieren.« 

Die meisten offenen Stellen in Deutschland richten sich laut Joblift an Entwickler, gefolgt von Beratern und wissenschaftlichen Mitarbeitern. Als Top-3-Standorte hat Joblift die Finanzmetropole Frankfurt a.M. (13 Prozent Anteil am Stellenmarkt), Berlin (12 Prozent) und Leipzig (7 Prozent) identifiziert. Die Mehrheit der ausschreibenden Unternehmen (59 Prozent) hat über 1000 Mitarbeiter.

Dabei hat die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche laut Joblift den stärksten Bedarf, absteigend gefolgt von der Automobilbranche, Forschungseinrichtungen, Energiesektor, Beratung und Transport. Was den erwünschten Abschluss angeht, so eröffne ein Studium der Informatik, der Wirtschaftsinformatik oder der Wirtschaftswissenschaften laut Joblift die besten Chancen für eine Karriere im Blockchain-Umfeld.

Antworten zu ‘Blockchain in der Industrie’ liefert der Markt&Technik BlockchainSummit am 19. Juni in Kooperation mit der NürnbergMesse und  der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft e.V.