Geld verdienen auf Plattformen »Clickworker« sind überdurchschnittlich qualifiziert

Das Bild des prekären Clickworkers, häufig in Diskussionen um weltweit importierte Click-Arbeit verwendet, werde der Realität in Deutschland nicht gerecht, meldet die Bertelsmann-Stiftung, die dazu rund 700 Cloud- und Gig-Worker sowie neun Experten repräsentativ befragen ließ.

Click-, Cloud-, Crowd- oder Gig-Work – viele Tätigkeiten verlagern sich auf Plattformen im Internet – auch in Deutschland. Plattformen wie Amazon Mechanical Turk oder Freelancer.com bieten Menschen zunehmend eine Chance, hybrid zu arbeiten. Welche Chancen und Risiken das birgt, hat die Bertelsmann-Stiftung untersucht und die Studie auf der Konferenz re:publica19 präsentiert.

Wie geht es Plattformarbeitern in Deutschland wirklich? Was halten sie von ihrer Tätigkeit und von der Digitalisierung? Die Ergebnisse werfen laut Stiftung »gewohnte Bilder über den Haufen«. So sei der typische Plattformarbeiter in Deutschland eher überdurchschnittlich qualifiziert und finanziell besser gestellt. Die häufigste Tätigkeit ist die Vermietung von Wohnraum über Airbnb.

Aber auch IT-Dienstleistung gehört dazu. Plattformarbeit werde vom Großteil der Cloudworker sehr geschätzt; eigene Vorstellungen von Arbeitszeitgestaltung und Einkommenserwerb könnten so umgesetzt werden und entsprechen dem Wunsch nach Flexibilität und Freiheit.

Der Anteil der Plattformarbeiter, deren gesamtes Nettoeinkommen pro Monat über 3000 Euro liegt, ist mehr als doppelt so hoch im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung. Zugleich muss aber jeder vierte Plattformarbeiter mit weniger als 1500 Euro pro Monat auskommen. Über die Hälfte (56 Prozent) der Plattformarbeiter erzielen monatlich bis zu 400 Euro Einkommen mithilfe der Plattformen und wenden dafür durchschnittlich sechs Stunden pro Woche auf. In den allermeisten Fällen (99 Prozent) handelt es sich bei der Ausübung von Plattformarbeit um eine Nebenerwerbstätigkeit, die die Haupttätigkeit zeitlich und finanziell nur ergänzt. Dementsprechend sind die Flexibilität und die Freiheit in Sachen Arbeitsgestaltung auch die meistgenannten Vorteile.

Auch Expertenmeinungen flossen in die Studie ein. Diese nannten als Vorteile der Plattformarbeit die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, das kollaborative Erarbeiten von Lösungen und damit eine Demokratisierung der Arbeit, mehr Selbstbestimmung, Steigerung der Produktivität, der Innovationsfähigkeit und des Wohlstands. Als wesentliche Nachteile werden die mangelnde soziale Absicherung und die fehlende Garantie von Schutzrechten angesehen.

In Summe sind 59 Prozent der Plattformarbeiter sehr oder eher zufrieden mit dieser Form der Arbeit; nur acht Prozent sind nicht zufrieden. Plattformarbeiter wünschen sich vor allem eine bessere soziale Absicherung, die Regulierung des Preiswettbewerbs durch Festlegung von Mindestzahlungen, die Schaffung einer Interessenvertretung und eine Art TÜV, der die Behandlung der Plattformarbeiter durch die Betreiber der Plattform überwacht.