Interview mit Lasse Rheingans Bringt Automatisierung den 5-Stunden-Tag?

Lasse Rheingans, Geschäftführer Rheingans Digital Enabler: »Wenn man Menschen mehr Freiraum gibt, sind sie motiviert und finden leichter in ihr Potenzial.«
Lasse Rheingans, Geschäftführer Rheingans Digital Enabler: »Wenn man Menschen mehr Freiraum gibt, sind sie motiviert und finden leichter in ihr Potenzial.«

Lasse Rheingans verkürzte die Arbeitszeit für seine Mitarbeiter auf 5 Stunden. Um 13 Uhr gehen alle heim, bekommen aber weiterhin vollen Lohn und Urlaub. Mittlerweile ist das Unternehmen über die Experimentierphase hinaus. Taugt das Modell auch für die Industrie?

Als Erfinder des Fünf-Stunden-Arbeitstags bei vollem Lohn gilt der amerikanische Hersteller von Stand-up-Paddelbrettern »Tower« aus San Diego. Vormittags arbeiten, nachmittags paddeln  - dafür müssen die Mitarbeiter in den 5 Stunden Arbeitszeit doppelte Produktivität leisten. Die Agentur Rheingans Digital Enabler aus Bielefeld macht es Tower nach. Geschäftsführer Lasse Rheingans glaubt, dass das auch ein Modell für Deutschlands mittelständische Industrieunternehmen sein könnte.

Herr Rheingans, von »Bild« bis »Die Zeit« – jeder berichtete über Ihr ungewöhnliches Arbeitsmodell, ihre Mitarbeiter arbeiten nur 5 Stunden, bekommen aber 8 bezahlt. Sie selbst touren seitdem von einem New-Work-Event zum nächsten. Wie ist denn der Status Quo, bleiben Sie bei den 5 Stunden?

Über die Experimentierphase sind wir schon seit 2018 hinaus und wir wollen auch beim 5-Stunden-Tag bleiben. Aber ich frage regelmäßig nach, ob das Team weiterhin so arbeiten will. Denn natürlich verlangt der enorme Einsatz dem Einzelnen auch sehr viel ab und ist ganz schön anstrengend, verlangt viel Konzentration und Fokus. Ich bin eher der pragmatische, schnelle Typ. Aber so ist eben nicht jeder, von außen höre ich da schon öfter, »Für mich wäre das nichts, lieber acht Stunden, dafür etwas entspannter arbeiten.«

Also muss man auch der richtige Typ Mensch sein für Ihr Modell?

Es geht ja nicht nur darum, sein Pensum zeitlich in den fünf Stunden zu schaffen oder eben nicht. Sondern auch darum, die richtigen Menschen an den richtigen Stellen im Unternehmen zu haben. Wir versuchen, die Leute so einzusetzen, dass sie am Morgen gerne aufstehen, um dafür zu arbeiten. Menschen wollen wirksam sein. Jemand, der nur für das Geld arbeitet, würde nicht zu uns passen. Wenn man es schafft als Unternehmen, diese Menschen dort einzusetzen, wo sie sich als wirksam erleben und erleben wollen, dann ist das eine gute Voraussetzung dafür, dass ein 5-Stunden-Tag klappen kann. Und das heißt im Umkehrschluss übrigens nicht, dass wir schlecht bezahlen. Die Bezahlung von den Kollegen liegen meist über dem Branchendurchschnitt.

Sie halten ja den 5-Stunden-Tag auch in der produzierenden Elektronikindustrie für denkbar, das ist schon progressiv gedacht.