Gehälter in der Photovoltaik »Berufserfahrung und Verantwortung spielen die größte Rolle«

"Vor allem Vorstände verdienen in der Photovoltaikbranche weniger als in anderen Branchen." sagt Michael Ziegler, Geschäftsführer PhotovoltaikZentrum.
"Vor allem Vorstände verdienen in der Photovoltaikbranche weniger als in anderen Branchen." sagt Michael Ziegler, Geschäftsführer PhotovoltaikZentrum.

Nach welchen Kriterien strickt die Solarbranche ihre Gehälter? Michael Ziegler ist Inhaber des Unternehmens PhotovoltaikZentrum und Autor einer Gehaltsstudie für die Photovoltaik-Branche. Er hat die Gehälter von 3890 Beschäftigten untersucht.

karriere-ing.de: Herr Ziegler, kann man in der PV-Branche gut verdienen?

Michael Ziegler: Ein Beschäftigter mit Universitätsabschluss verdient im Median (Anm. d. Red.: die Hälfte der Werte ist größer, die andere Hälfte ist kleiner)  52.000 Euro, ein Arbeitnehmer ohne Bildungsabschluss 24.400 Euro. Unsere Probanden mit Doktortitel gaben an, im Median 54.400 Euro zu verdienen. Die bestbezahlten Abteilungen sind Forschung und Entwicklung (im Median 42.600 Euro) und strategisches Management (64.200 Euro). Aber es gibt auch Lohndumping mit 7 Euro Verdienst pro Stunde.

Woran liegt es, dass laut Ihrer Studie die Gehälter von Meistern und Techniker im Vergleich zu Ingenieuren in der Solarbranche nahezu gleich verdienen?

In der jungen PV-Branche zählt vor allem Erfahrung. Der Abschluss ist weniger wichtig, auch nicht Seniorität. Daher sind die Gehälter von Meistern (39.800 Euro), Technikern (41.000 Euro) und Ingenieuren (42.400 Euro) nahezu vergleichbar. Der Verdienst hängt am stärksten mit der übernommenen Verantwortung zusammen. Ein Grund dafür könnte im noch immer herrschenden Fachkräftemangel liegen. Meister und Techniker übernehmen genauso wie Ingenieure beispielsweise die Planung von Solarprojekten und können sie gleichermaßen professionell durchführen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Meine Erfahrung als Senior in anderen Branchen zählt nicht?

Bei großen Unternehmen, die vorher jahrzehntelang in anderen Branchen erfolgreich tätig waren - und auch noch sind - und den Schritt in die Photovoltaik gewagt hatten, gilt das Senioritätsprinzip nach wie vor. Bei den jungen Solarunternehmen haben andere Eigenschaften gegenüber dem Alter Priorität. Maßgeblich für die Höhe des Gehalts ist die Funktion, die ein Mitarbeiter im Unternehmen ausübt. Wir haben versucht, vom Trainee über den Assistenten, Angestellten (z. B. Sachbearbeiter und ähnliche Aufgabenbereiche), Meister, Abteilungsleiter und Geschäftsführer möglichst aussagekräftige Funktionsbeschreibungen über das gesamte betriebliche Aufgabenspektrum hinweg zu erfassen. Auf Führungsebene wurde unterschieden zwischen der Position des Geschäftsführers und sonstigen Vorgesetztenpositionen auf Vorstandsebene. An der Vielzahl der unterschiedlichen Leitungsfunktionen wie Gruppenleiter, Abteilungsleiter, Hauptabteilungsleiter, Filialleiter etc. lässt sich ersehen, dass sich auch in der noch jungen Photovoltaikbranche bereits klare hierarchische Strukturen herausgebildet haben. So verdient ein Mitarbeiter in einer Vorgesetztenposition mit 66.000 Euro doppelt so viel wie ein Angestellter ohne Führungsposition, der ein Jahresgehalt von 32.400 Euro bezieht. Ein Ausbilder verdient mit 36.000 Euro nur 80 Prozent dessen, was einem Meister an Gehalt zusteht (44.400 Euro), während ein Vorarbeiter jährlich 4.800 Euro mehr einnimmt als ein Assistent, der lediglich ein Jahresgehalt von 24.000 Euro erhält.

Die Gehälter in der Solarbranche sind laut Ihrer Studie niedriger als in anderen technischen Branchen.

Insbesondere in Bezug auf Vorstandsgehälter in der Solarbranche lässt sich das feststellen. Hier liegen die Verdienstmöglichkeiten klar im unteren Bereich der Bandbreite. Zum Vergleich: Laut einer Studie der Managementberatung Kienbaum verdienten Geschäftsführer von Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 5 Millionen im Jahr 2010 288.000 €, Geschäftsführer von kleinen Unternehmen immerhin noch 160.000 €. Jedoch muss angemerkt werden, dass auch in unserer Studie Gehälter genannt wurden, die weit über 200.000 € im Jahr betrugen.

Viele Solarunternehmen sitzen in den neuen Bundesländern. Drückt das die Gehälter?

Die Höhe des Gehalts hängt stark davon ab, ob der Beschäftigungsort in Ost- oder Westdeutschland liegt. Selbst zwanzig Jahre nach der Wende ist der deutsche Arbeitsmarkt noch immer von einem starken Ost-West-Gefälle geprägt. Hiervon ist auch die Photovoltaikbranche nicht ausgenommen. Während Arbeitnehmer in den westlichen Bundesländern im Median 42.800 € verdienen, erhalten Beschäftigte in den östlichen Bundesländern einschließlich Berlin lediglich 35.900 € pro Jahr.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck