Hohe Nachfrage treibt den Verdienst nach oben Baden-Württemberg liegt beim Gehalt an der Spitze

In Ingenieurbüros verdienen Ingenieure am wenigsten. Zu den Top-Verdienern in Deutschland gehören Ingenieure in der Halbleiterbranche.
In Ingenieurbüros verdienen Ingenieure am wenigsten. Zu den Top-Verdienern in Deutschland gehören Ingenieure in der Halbleiterbranche.

Ingenieure verdienen im Großraum Stuttgart nach übereinstimmenden Angaben von Gehaltsspezialisten wie Kienbaum und Personalmarkt bis zu 15 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. In ganz Baden-Württemberg sind es immer noch 6 Prozent mehr. Welche Faktoren für die hohen Gehälter verantwortlich sind, erklärt der Vaihinger Personalberater D.A. Graf v. Reischach, dessen Firma Interconsult jährlich einen Gehaltsreport speziell für die Elektronikindustrie herausgibt.

Graf Reischach, warum verdienen Ingenieure in Baden-Württemberg und vor allem in Stuttgart so gut?

D.A. Graf v. Reischach: Die Gehälter hier liegen im bundesweiten Vergleich im oberen Drittel. In der Elektronikbranche kann man in den nächsten zwölf Monaten mit 2,5 bis 3 Prozent Gehaltsplus rechnen, in Baden-Württemberg mit 5 Prozent. Die Unternehmensstruktur in der Metropolregion Stuttgart besteht neben großen Herstellern wie Bosch, Daimler oder Porsche aus vielen kleinen und mittleren, erfolgreichen Unternehmen. Die Wirtschaft boomt, die Auftragsbücher sind voll! Im ersten Halbjahr des Jahres wuchs das Bruttoinlandsprodukt des Landes Baden-Württemberg auf 5,6 Prozent, für das Gesamtjahr werden 4 Prozent erwartet. Vor allem Stuttgart steht hervorragend da. Die Stuttgarter blicken im Bundesvergleich der großen Städte am  optimistischsten in die persönliche Zukunft. 74 Prozent der Bewohner glauben, dass sich ihr Leben in den kommenden zwölf Monaten positiv entwickeln wird, hat eine soeben veröffentlichte Zuversichtsstudie der Allianz ergeben. Und auch bei Kultur, Bildung, Sicherheit, Stadtentwicklung und Lebensqualität ist die Schwabenmetropole vorne.

Laut Untersuchungen des IW kämpft der Großraum Stuttgart bundesweit am stärksten mit dem Fachkräftemangel. Zahlreiche Mittelständler in der Region suchen Elektroingenieure. Haben Sie im Wettbewerb mit den großen Namen das Nachsehen?

Das kann ich bestätigen! Wer plant, hierher zu wechseln, kann nicht nur mit 8 bis 10 Prozent Gehaltsplus rechnen, sondern auch mit einer großen Auswahl an alternativen Arbeitgebern, sollte es mit dem ersten nicht klappen. Die mittelständische Zulieferindustrie verzeichnet ein enormes Wachstum und sucht händeringend qualifizierte Bewerber. Baden-Württemberg ist industrie- und exportintensiv, Zugpferd ist der Fahrzeugbau. Das wirkt sich positiv auf die Gehälter aus. In der ländlichen Provinz sind zwar die Gehälter etwas niedriger, so aber auch die  Lebenshaltungskosten.

Welche Kandidaten-Profile sind derzeit in Baden-Württemberg besonders gesucht?

Vor allem Elektro- und Maschinenbauingenieure für Vertrieb, Entwicklung, Marketing und Service. 440.000 Beschäftigte arbeiten in der Automobil- und Zuliefererindustrie. Antriebstechnik, Leistungselektronik und Medizinelektronik sind Top-Qualifikationen. Wir haben große Universitäten in Freiburg, Heidelberg, Tübingen, Mannheim, Karlsruhe und Ulm, doch die Zahl der guten Absolventen reicht den Unternehmen nicht aus. Aber auch die Bewerber sind anspruchsvoller geworden: Wegen des Gehaltes wechselt keiner mehr – auf Entwicklung, Produkte, allgemein die  Zukunftsfähigkeit des potenziellen Arbeitgebers wird genau geachtet.