Gehaltsreport für die Elektronikindustrie Automatisierung überholt Medizinelektronik: 3,1 Prozent mehr!

Im Schnitt sind die Gehälter in der Elektronikindustrie 2011 um 2,1 Prozent gestiegen – ein moderater Anstieg angesichts des rasanten Aufschwungs und weit entfernt vom Boomjahr 2008, als 3,8 Prozent mehr im Säckel landete. Gehaltssteigerungen von 10 Prozent und mehr sind nur bei einem Jobwechsel drin.

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Der Gehaltsreport 2011

Der Gehaltsreport für die Elektronikbranche 2011

Wer verdient wie viel in der Elektronikindustrie? Neuer Spitzenreiter ist die Automatisierungstechnik, die von Rekordumsätzen profitiert und das Niveau von 2008 schon fast wieder erreicht hat. Treiber der guten Entwicklung ist der weltweite Trend zu mehr Energieeffizienz, vor allem bei den Erneuerbaren Energien und der Antriebstechnik. Das zahlt sich aus: Lag das Plus im letzten Jahr bereits bei satten 2,6 Prozent, hat die Automatisierungsbranche in diesem Jahr noch mal eines drauf gelegt: 3,1 Prozent mehr. Damit überholen die Automatisierer sogar die seit Jahren konstant wachsende Medizinelektronik, die Ingenieuren im Schnitt 3,0 Prozent mehr als letztes Jahr zahlt. Stark war auch der Bereich Mikroprozessorsysteme: 2,9 Prozent plus werden im Schnitt spendiert.

Profitiert vom wieder erstarkten Geschäft haben auch die Beschäftigten in der Halbleiter-Branche. Das macht sich in einer Gehaltssteigerung von 2,3 Prozent bei den Aktiven Bauelementen, 2,5 Prozent bei ASICs und 2,0 Prozent bei Passiven Bauelementen bemerkbar.  Getrübt wird der Auftragsboom allein durch die langen Lieferzeiten, die laut ZVEI noch mindestens zwei Jahre anhalten sollen - und der Verknappung bei den metallenen Rohstoffen.  

Eine gewisse Ausnahmesituation besteht bei Ingenieuren der Analogtechnik. Sie sind dermaßen knapp und gesucht, dass ihre Gehaltsentwicklung einer eigenen Dynamik folgt. Da es nicht genügend Bewerber gibt, ködern Firmen mit hohen Incentives, weiß Personalberater Dietrich Graf von Reischach, der den jährlichen Gehaltsvergleich für die Elektronikindustrie herausgibt. Um die wertvollen Analog-Experten immun gegen Abwerbungen zu machen, gibt es Halteprämien. 

Auch die Distribution leidet unter den langen Lieferzeiten. Das Geschäft boomt, doch ein Wermutstropfen trübt den Erfolg: sie kann längst nicht alle Kundenwünsche befriedigen. Den Wandel zur Systemdistribution treibt das nur noch stärker voran: Gesucht werden vor allem Vertriebs- und Applikationsingenieure. Bei den Gehältern macht sich das gute Geschäft mit einem Plus von 1,4 Prozent bemerkbar.

Die IC- und Baugruppentester-Hersteller (ATE) haben sich ebenfalls gut erholt und fahren stellenweise Rekordumsätze ein – was sich in 2,7 Prozent Plus im Geldbeutel auswirkt. In der Elektromechanik gab es einen Zuwachs von 1,5 Prozent, in der Netzwerktechnologie ein halbes Prozent mehr. Die Solartechnologie, florierend trotz Kürzungen bei der Einspeisevergütung, überweist 2,1 Prozent mehr, die Computersoftware 0,9 Prozent, die Computerhardware – letztes Jahr noch mit einer Nullrunde bei den Gehältern – gibt 0,4 Prozent drauf.

Konstant stark erweißt sich die EDA-Branche, was sich mit 2,9 plus bemerkbar macht. Auch die Messtechnik machte gute Geschäfte – plus 2,5 Prozent.

Während sich also die gesamte Elektronikbranche satter Umsatzgewinne erfreut, überrascht der »disziplinierte« Anstieg bei den Gehältern angesichts von Lohnzurückhaltung und Kurzarbeit  in den letzten beiden Jahren doch ein wenig. Ist das der Preis für die sicheren Arbeitsplätze?

Graf Reischach kann die Zurückhaltung der Unternehmen verstehen: »Die Weltwirtschaft ist alles andere als wieder stabil. Das Wachstum wird stark von China getrieben – was, wenn dort eine Blase platzt? Auch die USA als wichtiger Handelspartner haben neben einem horrenden Staatsdefizit noch keinen Aufschwung, dazu kommenden steigende Rohstoffpreise, Eurokrise, etc.«

Die unsichere Zukunft schlägt sich auch auf Arbeitnehmer nieder, das bemerkt Interconsult in Bewerbungsgesprächen. »An erster Stelle steht die Sicherheit des Arbeitsplatzes – dann kommt lange nichts. Dadurch scheuen auch immer noch viele potenzielle Kandidaten einen Jobwechsel, was den Fachkräftemangel weiter verschärft. Der Arbeitsmarkt wird sich in  nächster Zeit noch weiter aufheizen, davon ist auszugehen. Arbeitgeber müssen ihre Vorzüge stärker kommunizieren, um Mitarbeiter anzulocken – der Markt dreht sich immer stärker in einen Bewerbermarkt. « 10 Prozent Gehaltsplus bei Jobwechsel steht dafür denen in Aussicht, die sich trauen, das Risiko von »last in, first out« einzugehen.

Unverändert voran schreitet der Ausbau der variablen Vergütung: Fix-Gehalt plus Boni bei Zielerreichung – das bekommen längst nicht mehr nur Vertriebler, sondern z.B. auch Projektverantwortliche, weil es die Firmen in konjunkturell schwierigeren Zeiten entlastet.