Der Aufschwung kommt im Geldbeutel nicht an Aufschwung-Paradox: Gehälter von Ingenieuren steigen nur um 1,5 Prozent

Christian Näser, Kienbaum: »Keiner weiß, wie nachhaltig die konjunkturelle Erholung ist. Momentan werden die Lager wieder aufgefüllt. Doch was kommt danach?«

Einer neuen Kienbaum-Studie zufolge soll es in diesem Jahr 1,5 Prozent Gehaltssteigerung geben – 0,3 Prozent weniger als im Krisenjahr 2009. Das passt nicht so recht zu den aktuell guten Unternehmenszahlen. Wie kann das sein?

Die Gehälter der Ingenieure in Deutschland steigen langsamer als in den Vorjahren. Nachdem die Grundgehälter von 2008 auf 2009 noch um 2,7 Prozent erhöht wurden, haben die Unternehmen von 2009 auf 2010 die Grundgehälter der Ingenieure nur um durchschnittlich 1,8 Prozent angehoben. Für das laufende Jahr werden von den Unternehmen sogar nur noch Gehaltserhöhungen von 1,5 Prozent veranschlagt.

Wie kann das sein? Christian Näser, Vergütungsexperte von Kienbaum, gibt die Stimmung der Unternehmen wieder: »Die Unternehmen treten auf die Gehalts-Bremse, weil sie dem Aufschwung nicht trauen. Unsere Zahlen sind von März. Inzwischen hat sich die Lage der Unternehmen nochmals deutlich verbessert, so dass man die Gehaltsprognosen womöglich anheben könnte. Doch bei den Firmen dominiert die Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung: Keiner weiß, wie nachhaltig die konjunkturelle Erholung ist. Momentan werden die Lager wieder aufgefüllt. Doch was kommt danach?«

Der Aufschwung kommt also im Geldbeutel nicht wirklich an. Warum wurde selbst im Krisenjahr 2009 mit 1,8 Prozent mehr Gehaltserhöhung gewährt als aktuell für 2010 prognostiziert? »Weil die Rückschau natürlich immer leichter ist als der Ausblick«, erklärt Näser, »2009 war für die meisten Unternehmen schlimmer als erwartet, daher übt man sich nun in Zurückhaltung und hebt die Gehälter weniger stark an als es die konjunkturelle Erholung vermuten lassen würde.«

Für die Studie zur Vergütung von Ingenieuren in Führungs- und Fachpositionen hat Kienbaum die Daten von 635 Unternehmen und 4.802 Einzelpositionen ausgewertet.

Leiter Verkauf/Vertrieb verdient am besten

Aktuell verdient ein Ingenieur in leitender Funktion im Schnitt 102.000 Euro im Jahr. Je nach Funktion variiert die Gehaltshöhe jedoch deutlich: Spitzenverdiener sind die Leiter Verkauf/Vertrieb mit Jahresgesamtbezügen von durchschnittlich 141.000 Euro. Auf Platz zwei folgt die Position Technische Gesamtleitung mit 139.000 Euro und an dritter Stelle liegen die Werkleiter mit 128.000 Euro. Eine Fachkraft erhält durchschnittlich 61.000 Euro im Jahr. Die Spanne der Durchschnittsgehälter auf dieser Hierarchieebene reicht dabei vom Produktmanager mit 80.000 Euro bis zum Sachbearbeiter Materialwirtschaft/Logistik, der auf 44.000 Euro jährlich kommt.

Es wird wieder stärker leistungsbezogen bezahlt

War die Verbreitung der variablen Vergütung in den Vorjahren deutlich zurückgegangen, ist der Abwärtstrend in diesem Jahr gestoppt. Derzeit werden wie im Vorjahr 77 Prozent der Führungskräfte und 54 Prozent der Fachkräfte leistungsbezogen entlohnt. Jedoch sinkt die Höhe der tatsächlich ausgezahlten Vergütung – bedingt durch den scharfen Konjunktureinbruch - weiter: Betrug der Bonus bei Ingenieuren in Führungspositionen für das Jahr 2008 noch durchschnittlich 21.050 Euro, waren es für 2009 nur 19.770 Euro. Die Ingenieure in Fachpositionen erhielten im Schnitt 6.330 Euro und damit
970 Euro weniger als ein Jahr zuvor. Die größeren Gehaltseinbußen verzeichneten die Führungskräfte, da der Anteil der variablen Vergütung am Gesamtgehalt mit 15 Prozent wesentlich höher ausfällt als bei den Fachkräften. Dieser liegt bei neun Prozent.