Sechs Personalberater geben Antwort Aufschwung am Arbeitsmarkt – Wer profitiert?

Christian Pape: »In den jungen Industrien Solar, Photovoltaik, Energie und Umwelt ist derzeit die größte Nachfrage zu spüren, die Gehälter sind aber mit denen etablierter Branchen noch nicht zu vergleichen. Ingenieur-Dienstleister und befristete Arbeitsverträge liegen klar im Trend, da Unternehmen hiermit langfristige Beschäftigungsrisiken umgehen.«

Die Elektronikindustrie lässt Einstellungsstopps und Kurzarbeit zunehmend hinter sich – somit läuft auch das Geschäft bei den Headhuntern der Branche wieder rund. Wir fragten sie nach Karrieretipps: Welche Bereiche stellen ein, welche Positionen sind offen, und was ist von Job-Offerten von Zeitarbeitsfirmen zu halten?

Frage: Welche High-Tech-Branchen stellen wieder vermehrt Ingenieure ein?

 D. A. Graf v. Reischach, Interconsult: »Firmen im Bereich erneuerbare Energien stellen ein, Medizinelektronik sowie Distributoren. Bedingt auch Bauelementehersteller. Der Ingenieurmangel ist nach wie vor deutlich spürbar. Jedoch muss man auf der anderen Seite auch sagen, dass viele Firmen wenig Bereitschaft zeigen, Bewerbern mit großem Potenzial eine Einarbeitung zu gewähren. Dadurch wird dieser Trend verstärkt. Oftmals könnten die Firmen mit einem guten Kandidaten, dem sie Einarbeitungszeit gewähren, schneller vorankommen, als mit einem '120%-Kandidaten'!«

Norbert Ritter, Ritter& Partner Personalberatung:  »Alle Firmen mit denen wir zu tun haben  - Halbleiter, Leiterplatten und angrenzende Gebiete wie z.B. Embedded Computer oder EDA-Software -  haben Kurzarbeit und Einstellungsstopps hinter sich gelassen. Bewerber werden im Bereich Vertrieb und Marketing und Entwicklung und Applikation gesucht.«

Marlen Erber-Ludwig, Erber-Ludwig & Partner GmbH: »Vor allem die Medizintechnik sucht, aber auch der Bereich Erneuerbare Energien (hier v.a. Windenergie) und Software Hersteller. Der Ingenieurmangel ist eher qualitativ als quantitativ: Während der Krise wurden massiv Ingenieure freigesetzt, die beim nächsten Aufschwung fehlen, bzw. nicht ad hoc – passend auf die spezifischen Aufgaben - wieder „herzuzaubern“ sind. Die Herausforderung besteht also eher darin, die ‚Richtigen’ zeitnah zu finden. Es gibt viele neue Produkte und neue Technologien, für die es einfach noch nicht ausreichend Ingenieure mit entsprechender Erfahrung gibt.«

Renate Schuh-Eder, Schuh-Eder Consulting: »Der Zyklus, der bei den Einstell-Stopps Ende 2008 begonnen hat (zuerst Hersteller elektronischer Bauelemente, dann die Distribution,  dann Automotive, dann Industrieelektronik, dann EDA/Equipment und zuletzt Maschinenbau) scheint sich nun in umgekehrter Richtung wieder zu beleben.«

Christian Pape, Pape Consulting: »Die größte Nachfrage besteht in den jungen Industrien Solar, Photovoltaik, Energie und Umwelt. Die Gehälter hier sind aber mit den etablierten Branchen noch nicht vergleichbar.«

Thorsten Otremba, Partner Kienbaum Executive Consultants: »Ein besonders großer Bedarf an Ingenieuren besteht für Führungs- wie auch Fachfunktionen im Umfeld Utilities/Energy. Hierbei sind sowohl Energieversorgungsunternehmen (EVUs) als auch Unternehmen im Umfeld erneuerbare Energien wie Solarthermie, Offshore-Windparks oder Wasserkraft besonders aktiv im Wettbewerb um die besten Kandidaten im Markt. Ebenso gefragt sind Ingenieure in der Medizintechnik und in der IT. Automobilindustrie und Maschinenbau sind nach wie vor eher zurückhaltend in der strategischen Personalbeschaffung, obwohl zum Teil akuter Handlungsbedarf besteht, etwa in zukunftsträchtigen Feldern wie der Elektrifizierung des Antriebsstranges oder die Entwicklung neuer Generationen von Batterien für Elektrofahrzeuge.«