Gründen in Deutschland Auf dem Weg zur Start-up-Nation?

Startup Autobahn beginnt viertes Programm mit 31 jungen Technologieunternehmen.

6 von 10 Gründern sagen, dass sie erneut in Deutschland gründen würden. Die USA haben seit der Wahl Donald Trumps an Anziehungskraft verloren. Die größten Wünsche gibt es hinsichtlich Finanzierung und Bürokratie. 

Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Bitkom unter 302 IT- und Internet-Startups in Deutschland. Immerhin gut jeder Fünfte (21 Prozent) würde sich für eine Gründung im Start-up-Mekka USA entscheiden, etwas  mehr als im Vorjahr. Damals hatten kurz nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gerade einmal 15 Prozent eine Gründung in den USA vorgezogen. 

Unter US-Präsident Barack Obama hatte der Wert 2016 noch bei 32 Prozent gelegen, nur 44 Prozent hätten sich damals wieder für Deutschland entschieden. Andere Länder wie Estland, die Schweiz oder Israel werden als bevorzugte Startup-Standorte nur vereinzelt genannt. 

»Deutschland entwickelt sich nach und nach zu einer Startup-Nation und bietet der Mehrheit der Gründer eine gute Ausgangsbasis, um ihre Geschäftsidee voranzubringen.«, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Um Deutschland noch attraktiver für Gründer zu machen, müsse die Bundesregierung bei der Digitalisierung rasch konkrete Ziele und Maßnahmen benennen, die über reine Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag hinausgehen. »Das Beispiel der USA, die durch die politischen Entwicklungen für Gründer deutlich weniger attraktiv geworden sind, zeigt, wie wichtig stabile politische Rahmenbedingungen für Startups sind. Werte wie Verlässlichkeit und Stabilität haben den Wirtschaftsstandort Deutschland groß gemacht. Sie müssen wir erhalten und sie mit einem Mehr an politischer Dynamik und Agilität ergänzen.«

Wer rückblickend lieber außerhalb von Deutschland gründen würde, nennt dafür am häufigsten bessere Finanzierungsbedingungen im Ausland (68 Prozent), weniger Bürokratie (63 Prozent) und weniger Regulierung (61 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Gründe wie besserer Austausch mit anderen Startups (39 Prozent), besserer Zugang zu Personal (33 Prozent), größerer Binnenmarkt (32 Prozent), Nähe zu potenziellen Kunden (28 Prozent) und Nähe zu exzellenten Wissenschaftseinrichtungen (23 Prozent). In 16 Prozent der Fälle spielen zudem persönliche Gründe eine Rolle. »Wenn wir verhindern wollen, dass die Ideen für Startups hierzulande erdacht, aber anderswo umgesetzt werden, dann müssen die Anliegen der jungen Tech-Unternehmen ernst nehmen. Wir müssen die Finanzierungsbedingungen international wettbewerbsfähig gestalten und den bürokratischen Aufwand für Startups massiv reduzieren«, so Berg. »Wer innovative Geschäftsmodelle etwa im Bereich des Gesundheitswesens oder in der Finanzbranche entwickeln will oder auf Datenanalysen im Bereich der Künstlichen Intelligenz angewiesen ist, der braucht mehr regulatorische Freiräume.«