Globaler Klimastreik Auch Industrie geht auf die Straße

'Engineering a better world' steht im Logo des Ingenieurdienstleisters Vispiron.
'Engineering a better world' steht im Logo des Ingenieurdienstleisters Vispiron.

Maschinenbau-Unternehmer Michael Hetzer von der elobau GmbH stellt seine Mitarbeitenden für den Klimastreik frei, der Ingenieurdienstleister Vispiron fährt Notbesetzung, damit die Belegschaft am Freitag beim »Globalen Klimastreik« teilnehmen kann. Warum beide davon auch profitieren.

Für Michael Hetzer ist Elobaus Engagement nur logisch, denn sein Unternehmen engagiert sich bereits seit 10 Jahren für den Klimaschutz: »Der Klimawandel ist Fakt. Wir haben uns mit unserem Unternehmen 2009 auf den Weg gemacht und waren schon 2010 klimaneutral (Scope 1 - 3). In den folgenden 10 Jahren haben wir viele Dinge umgesetzt, die dem Klima helfen. Das schließt alle entwickelten und produzierten Produkte ein.«

Hetzer weiter: »Wenn jeder so handeln würde, wären alle Erzeugnisse klimaneutral und da das Ganze ja auch Geld kostet, würde jeder versuchen, so energieeffizient wie möglich zu handeln.«

Außerdem beschäftige man sich auch mit Innovationsthemen in diesem Bereich, versuche z.B. bei Eigenprodukten neue Wege zu gehen und durch biobasierte Werkstoff zu ersetzen, die genauso wertig und haltbar sind. »Leider sind wir in unserer Branche nach wie vor ein Exot und offensichtlich können wir nur flächenübergreifend etwas ändern, wenn das Ganze bepreist wird.«

Wenn die Politik nicht reagiere, »müssen wir als Unternehmen auch darauf hinweisen, dass man sich eine Veränderung wünscht.«

Inzwischen treibt Hetzers früher Weitblick dem Unternehmen sogar die benötigten Ingenieure zu: »Als wir vor 10 Jahren damit begonnen haben, war das noch nicht so ein großes Thema, mittlerweile hilft es uns schon. Aktuell suchen wir Ingenieure für Hardwareentwicklung und Embedded Software Entwicklung.«

»Wenn nicht jetzt, wann dann?«

Auch Vispiron hat Betriebsruhe und Notbesetzung angeordnet, um den Mitarbeitern die Klimademonstration zu ermöglichen.

Gründer und Geschäftsführer Amir Roughani: »Meine persönliche und berufliche Vision ist »Engineering a Better World« Dies ist jedem Mitarbeiter im Unternehmen bewusst. Wir sind nur dann authentisch, wenn wir das was wir denken, nicht nur aussprechen, sondern auch umsetzen. Wir leben in einer Zeit, in der ausreichend Wissen und Informationen über das Ausmaß und die Folgen des Klimawandels vorliegen. Gleichzeitig verfügen wir über die erforderlichen Innovationen und Ressourcen, um den Klimawandel zu stoppen. Wir möchten durch unsere Teilnahme dazu beitragen, diesen Argumenten und dem Protest der Schülerinnen und Schüler mehr Gewicht zu geben.«

Als Dienstleister hat Vispiron Mitarbeiter, die im Projekt beim Kunden arbeiten. Die Notbesetzung war daher keine leichte Entscheidung, wie Roughani erzählt: »Wir haben uns im Managementkreis letzte Woche kontrovers ausgetauscht. Meine Antwort war ein Zitat von John F. Kennedy ‚Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir? Wir haben uns für eine Notbesetzung entscheiden, damit produktions- und sicherheitskritische Vorgänge nicht tangiert sind.«

Wenn man bei allen Entscheidungen »nur an uns und an jetzt denken, werden wir die anstehenden Herausforderungen nicht lösen«, bekräftigt der Geschäftsführer. »Dieses Verhalten halte ich für höchst egoistisch und gegenüber den kommenden Generationen unverantwortlich«.  

Kritiker sagen, CEOs sollten sich nicht in die Politik einmischen. Amir Roughani ist anderer Meinung: »Das Vertrauen in die Politik ist auch für uns Wirtschaftsvertreter sehr wichtig. Die politischen Rahmenbedingungen für Zukunftsthemen sind alarmierend, die Bundesregierung sorgt mit ihrem Handeln oder Nichthandeln für Stillstand und wird zu einer Gefahr für die Wirtschaft und Gesellschaft.«

Die Diskrepanz zwischen »tollen Sonntagsreden« und der Realität sei so groß wie noch nie zuvor, »wenn Fehlentwicklungen auftreten, ist es richtig, sich zu positionieren.« Schließlich sei die Politik auf dieses Feedback ja auch angewiesen. 

Roughani ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Klimafrage keine politische Farbe trage, sondern das Überleben auf dem Planeten »überparteilicher und gesellschaftsübergreifender Konsens« sein müsse und nicht von politischen Mehrheiten abhängen dürfe.

Freilich liegt in der Thematik auch eine große Chancen, nicht nur für Deutschlands Wirtschaft, auch für Vispiron selbst, die das Motto »Engineering a Better World« nicht umsonst im Logo trägt. »Future Mobility« und »Future Energy« sind Zukunftsmärkte, aktuell wird an einem Super Charger gearbeitet. Das Portfolio umspannt unter anderem klimaneutrales Carsharing für Unternehmen und Wohnquartiere und solare Wasserpumpen, Gewinne werden in eigene Solarkraftwerke investiert und damit Strom für 60.000 Personen erzeugt. Roughani behauptet, Deutschland könne bei Entwicklung und Export klimafreundlicher Produkte und Infrastrukturtechnologien »bessere Geschäfte machen als beispielsweise bei der Digitalisierung«.

Leidet Vispiron durch das Engagement weniger unter Fachkräftemangel? »Mit unserer Vision sprechen wir viele Menschen an. Zu uns kommen Leute, die Karriere mit Sinn verbinden. Macher, die bereit sind, die Welt verändern zu wollen. Dieser innere Anspruch spiegelt sich auch in unserem Employer Branding wieder.«

Aktuell sucht Vispiron unter anderem Software- und App-Entwickler, Elektrotechniker sowie Online-Marketing- und Vertriebsleute. Roughani: »Gerne auch initiativ bewerben.«