Hinter die Fassade geschaut Arbeitgeber ungeschminkt: So findet man einen Job der Spaß macht

Auf Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie kununu erhält man unabhängige Einschätzungen zu einem Arbeitgeber. Leider muss sich das Unternehmen auch gegen Fakes wehren.
Auf Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie kununu erhält man unabhängige Einschätzungen zu einem Arbeitgeber. Leider muss sich das Unternehmen auch gegen Fakes wehren.

Der aktuelle Ingenieur-Bewerbermarkt zwingt Unternehmen dazu, ihr Image als Arbeitgeber aufzupolieren, um die besten Leute für sich zu gewinnen. Vor allem das Internet in Form von Bewertungs- und Diskussionsplattformen bietet dazu eine hervorragende Fläche, leider auch für Betrug. Wie behält man als Bewerber den Durchblick?

Martin Poreda ist Gründer und Geschäftsführer der Online-Arbeitgeber-Bewertungsplattform www.kununu.com. Auf dem größten Mitarbeiter-Bewertungsportal - aktuell gibt es schon 172.000 Bewertungen zu rund 62.000 Unternehmen - präsentieren sich Unternehmen wie Siemens, Daimler oder die Deutsche Telekom und gewähren Einblicke in deren Arbeitsalltag. Potenzielle Bewerber erhalten so die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen und Kritik zum anvisierten Unternehmen zu lesen - abseits des offiziellen Personalmarketings.

Es gibt noch weitere - www.kelzen.com, www.meinchef.de, jobvoting.de oder bizzwatch.de – den größten Bekanntheitsgrad hat jedoch das 2007 gegründete Portal der österreichischen Brüder Mark und Martin Poreda. „Wir hatten sie satt – die weichgewaschenen Einheitsbrei-Werbebotschaften, die wir bei der Suche nach dem passenden Arbeitgeber auf dessen Broschüre, Karriere-Webseite und Karriere-Messestand zu lesen bekamen. Botschaften wie „Arbeitnehmer sind unser höchstes Gut“ oder „Das Wohl unserer Mitarbeiter liegt uns am Herzen“. Wir wollten echte Bewertungen von echten Mitarbeitern“, erzählt Martin Poreda.

Gute Bewertungen im Internet sind für den Verkaufserfolg eines Produktes enorm wichtig – umso stärker, je unbekannter die Firma ist. Das Gleiche gilt auch für Arbeitgeber – das haben Agenturen längst als Geschäftsmodell erkannt. Spezielle »Social Media Agenturen« oder selbsternannte „Reputation Manager“ bieten daher ihre Dienste an, zum Beispiel um positive Testimonials für Produkte bei Amazon zu schreiben – oder eben positive gefälschte Berichte über Arbeitgeber auch in Foren oder Plattformen, in denen sich der wertvolle Ingenieurnachwuchs tummelt. Die Fachbegriffe dafür lautet »Astroturfing« oder »Pay per fan«. Im Sinne des Unternehmens werden wohlgefällige Postings gefälscht.

Auch kununu hat damit zu kämpfen. „Das Thema Fake-Bewertungen nehmen wir in unserer Position als Marktführer sehr ernst. Zum einen sollen technische Sicherheitsvorkehrungen dafür sorgen, dass gefälschte Postings erkannt werden, zum anderen gibt ein eigenes „Community Management-Team“ für eine manuelle Kontrolle, erzählt Martin Poreda. „Darüber hinaus werden wir in Zukunft unserer breiten Community ermöglichen, offensichtliche Fakes als solche anzuprangern. kununu geht damit in Richtung einer qualitativen Beurteilung von Bewertungen, die auf Technologie, Content und Community basiert. Es wird für Faker daher noch betreuungsintensiver werden, eine manipulierte Bewertung auf kununu abzugeben. Neben dem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand darf zudem nicht vergessen werden, dass eine Fake-Bewertung gesetzeswidrig ist: Eine auf kununu bewusst geschönte Bewertung fällt unter den Begriff Astroturfing und bezeichnet die gezielte Täuschung der Öffentlichkeit. Es ist daher sicher sinnvoller und effizienter, wenn Unternehmen an sich selbst arbeiten und den Mitarbeitern jene Arbeitsbedingungen schaffen, die für Zufriedenheit sorgen. Dann werden diese gerne freiwillig positiv darüber berichten- noch dazu ohne Entgelt."

Doch die Konkurrenz ist eben groß – und nicht jeder hat das Image eines Großkonzerns wie Siemens oder Porsche. In großen Metropolregionen wie München, Nürnberg oder Stuttgart ist das Job-Angebot groß, gute Ingenieure haben in der momentanen positiven Konjunkturlage die freie Auswahl unter zahlreichen Arbeitgebern.