Deutschlands alternde Gesellschaft Akademikermangel - Im Westen nicht so schlimm wie im Osten

Der Akademikermangel wird vor allem die ostdeutsche Wirtschaft belasten.

In Ostdeutschland gehen die Akademiker aus. Immer weniger Menschen beginnen ein Hochschulstudium. Für neue Jobs wird es bald nicht mehr reichen, sorgt sich das Institut der Deutschen Wirtschaft und befürchtet einen Wachstumsrückgang für die ostdeutsche Industrie.

Der Geburtenrückgang, die Abwanderung vieler junger Leute in den Westen sowie die sinkenden Abiturientenzahlen bilden für die ostdeutsche Wirtschaft ein ungutes Trio: Immer weniger Menschen beginnen ein Hochschulstudium. So soll etwa ab dem Jahr 2020 die Zahl der ostdeutschen Hochschulabsolventen nur noch ausreichen, um die in Rente gehenden Fachkräfte zu ersetzen. Für zusätzliche Akademikerstellen, die durch den wirtschaftlichen Strukturwandel entstehen, gibt es dann nahezu keinen qualifizierten Nachwuchs mehr. Damit verschlechtern sich die Wachstumsperspektiven im Osten.  Das hat eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) ergeben.

Ersatz aus dem Westen wäre sinnvoll: wenn mehr junge Leute aus dem Westen zum Studium nach Dresden, Rostock oder Ilmenau gingen und anschließend dem dortigen Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden, so das IW.  Doch der Anreiz ist gering, solange man im Osten weniger verdient als im Westen, auch wenn die Lebenshaltungskosten in Brandenburg niedriger sind als in Hamburg.

Deutschland benötigt in Zukunft deutlich mehr Akademiker, so das IW: Weil in den kommenden Jahren viele Hochqualifizierte in Rente gehen, und weil im Zuge des wirtschaftlichen Wachstums permanent neue Jobs für Hochschulabsolventen entstünden. Bis zum Jahr 2014 rechnet das IW für Deutschland mit einem Bedarf von insgesamt knapp 1,27 Millionen Hochschulabsolventen, in den beiden darauf folgenden 5-Jahres-Perioden sogar mit jeweils 1,36 Millionen Akademikern.

In den kommenden vier Jahren scheiden in Deutschland 660.000 Hochschulabsolventen aus Altersgründen aus dem Erwerbsleben aus, zwischen 2015 und 2019 werden es weitere 765.000 sein und zwischen 2020 und 2024 sogar 860.000.

Es braucht also Ersatz von den Hochschulen, doch die Entwicklung der Studienanfängerzahlen in Ost und West driftet auseinander – in Bayern etwa soll die Zahl der Erstsemester im Zeitraum von 2015 bis 2019 gegenüber den vorhergehenden fünf Jahren um 13 Prozent steigen, in Sachsen-Anhalt dagegen sinkt sie im selben Zeitraum um 19 Prozent.

Für den Zeitraum zwischen 2020 und 2024 reicht die Absolventenzahl an Akademikern im Osten aus, den demografischen Ersatzbedarf zu befriedigen. Für neue Jobs bleiben nur 11 Prozent bzw. 24.400 von insgesamt 218.200 Hochschulabsolventen übrig.

Im Westen dürfte die Lage deutlich entspannter sein. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen werden im selben Zeitraum voraussichtlich nur 60 Prozent der Hochschulabsolventen gebraucht, um die demografische Lücke zu schließen. Dagegen stehen 40 Prozent bzw. rund 125.000 Studienabsolventen allein dafür zur Verfügung, den für Wachstumsprozesse erforderlichen Fachkräftebedarf zu decken.