Ist ein Fahrtenbuch unsauber geführt, kann es teuer werden Achtung Vertrieb: Finanzamt filzt verstärkt Fahrtenbücher

Was derzeit in Süddeutschland für Aufregung sorgt, sollte jeden Kfz-Halter beunruhigen, der sein Auto gewerblich und privat fährt. Steuerberater beobachten: Der Fiskus filzt verstärkt Fahrtenbücher. Erkennt die Finanzverwaltung Fahrdokumentationen nicht an, drohen Steuernachzahlungen von mehreren tausend Euro – pro Pkw. Hersteller von elektronischen Fahrtenbüchern wollen profitieren.

Ist ein Fahrtenbuch unsauber geführt, kann es teuer werden. »Läuft es dumm, sind  Steuernachzahlungen von mehreren tausend Euro fällig«, weiß Joachim Reize, Wirtschaftsprüfer der Partnergesellschaft Elsässer-Reize-Riesle in Konstanz und Stuttgart. Einige seiner Berufskollegen in Bayern und Baden-Württemberg stellen zurzeit fest, dass der Fiskus genau hinschaut, wenn es um die handschriftlichen Einträge in den Fahrdokumentationen geht. Sind Angaben wie Fahrer, Datum, Grund, Start und Ziel sowie gefahrene Kilometer getrennt nach geschäftlich und privat nicht exakt und zeitnah erfasst, erkennt das Finanzamt das Fahrtenbuch nicht an. Saftige Nachzahlungen drohen: Wendet der Fiskus im Nachhinein etwa die Ein-Prozent-Regelung an, summiert sich der Betrag rasch auf zwei- bis dreitausend Euro. Möglich ist das, weil die Behörde darin den Listenneupreis eines Autos zu Grunde legt und diesen monatlich mit einem Prozent versteuert. Bei einem Wagenneupreis von 45.000 Euro wächst so ein stattlicher Betrag an. Hinzu kommen fällige Sozialversicherungsbeiträge und Vorsteuer, die nicht geltend gemacht werden können.

Theodor Hermann kennt diese Probleme. Seine Firma, die Münchner Vispiron AG ein Hersteller von elektronischen Fahrtenbüchern, kann sich derzeit vor Anfragen kaum retten. Egal ob Stadtwerke oder Stahlkonzerne, immer öfter werden den Flottenmanagern der Firmen und Behörden unangenehme Fragen gestellt. Hermann beziffert, dass fast 80 Prozent aller Fahrtenbücher in Deutschland schlampig, weil unvollständig oder einfach falsch ausgefüllt sind. Besonders gerne lassen sich Finanzfahnder im Rahmen einer Lohnsteueraußenprüfung die Papiere zeigen, die die Fahrzeugnutzung dokumentieren. Abgeglichen mit Tankbelegen und Spesenabrechnungen finden sie nahezu immer Fehler. Sogar die Deutsche Telekom hat erkannt, wie viel Sprengstoff in der Thematik steckt und stellt jetzt um. Aktuell läuft beim Bonner Konzern eine Ausschreibung, nach der mehr als 16.000 Fahrzeuge mit Telematik-Systemen ausgerüstet werden sollen. Papier adé ist demnach die Devise von Vorstand René Obermann, der nach internen Informationen das Projekt persönlich angestoßen hat.

Noch setzen laut einer Studie von Tele-Markt.de nur knapp drei Prozent der kleinen und mittleren Firmen mit Fuhrpark elektronische Fahrtenbücher ein. Eigentlich unverständlich, denn mit Hilfe von Datenübermittlung per GPRS und Satellit können heute sämtliche Autofahrten exakt nachvollzogen werden. Selbst das heikle Thema Daten- und Persönlichkeitsschutz ist vom Tisch. In modernen Systemen kann der Fahrer, der sich per Pin oder Führerschein identifiziert, je nach Nutzungsgrund, einen Geschäfts- oder Privatmodus wählen. Privatfahrten sind in der Software nur für ihn einsehbar und somit vor Zugriffen durch Dritten geschützt. Und jedes Finanzamt erkennt diese Art der Dokumentation an. Im Gegensatz etwa zu einer Excelliste, die manipulierbar ist. Das lästige Ausfüllen eines handschriftlichen Fahrtenbuchs entfällt. »Servicemonteure, die täglich zwölf Kunden anfahren, sparen mit der Software fast eine Stunde Dokumentationsaufwand«, schätzt Vispiron-Berater Hermann. Das bayerische Finanzministerium äußert sich auf Anfrage zur Fahrtenbuchthematik verhalten. Von intensiveren Kontrollen will man nichts wissen: »Alles im üblichen Rahmen«, sagt ein Behördensprecher. Steuerberater Reize hingegen vermutet hinter den undurchschaubaren und sich ständig ändernden Regeln eine Systematik. Es hat den Anschein, der Gesetzgeber wolle keine klaren Regeln, um möglichst oft abkassieren zu können.