Rund 1,3 Prozent plus 2009: Was Vorstände verdienten

Der Vorstandsvorsitzende eines der 100 größten europäischen Unternehmen verdient im Median 1,2 Millionen Euro im Jahr. Mehr wird es erstmal nicht: Die Gehälter der Top-Manager in Europa sind 2009 durchschnittlich nur um 1,3 Prozent gestiegen, es soll weiter abwärts gehen.

Bei einem Drittel der 100 größten europäischen Unternehmen gab es 2009 auf Top-Managementebene eine Nullrunde. Die Unternehmensberatung Hewitt geht auf Basis eigener Studien davon aus, dass sich dieser Trend 2010 noch verstärken wird. Die 100 größten Unternehmen erwarten für 60 Prozent der Top-Manager Nullrunden oder gar Gehaltskürzungen. »Der Einfluss der Wirtschaftskrise auf die Gehälter der Top-Manager ist groß: Die Analyse zeigt, dass sich die Auswirkungen der Rezession europaweit verstärken. Kürzungen aber auch Anpassungen der Zusammensetzung des Gesamtvergütungspakets werden verstärkt im Bereich Top-Level durchgeführt.« sagt Marco Reiners, Leiter des Bereichs Vergütung bei Hewitt. Im Rahmen der Analyse hat Hewitt die Jahresberichte (veröffentlicht am 31. Dezember 2009) der 100 größten Unternehmen in Europa ausgewertet.

Der Vorstandsvorsitzende eines der 100 größten europäischen Unternehmen verdient im Median 1,2 Millionen Euro im Jahr. Der Finanzvorstand erhält durchschnittlich 760.000 Euro, andere Vorstandsmitglieder werden mit 650.000 Euro entlohnt. Der derzeitige Zielbonus, der Top-Managern in Aussicht gestellt wird, liegt ungefähr bei 100 Prozent des Fixgehalts. Der maximal zu erreichende Bonus lag bei einem Vorstandsvorsitzenden im Mittel bei 180 Prozent des Gehalts, bei anderen Vorstandsmitgliedern liegt er bei 150 Prozent. »Die Unternehmen werden angesichts der andauernden Rezession auch in diesem Jahr gezwungen sein, über alle Hierachiestufen hinweg Lohn- und Gehaltskosten zu reduzieren. Wir erwarten, dass die am Ende ausbezahlten Boni und langfristig ausgelegten Vergütungskomponenten unter dem vereinbarten Ziel bleiben werden«, sagt Marco Reiners.

Während der Vorjahres-Report eine europaweite Angleichung der Vergütung zeigte, weisen die Ergebnisse der aktuellen Analyse eine länderspezifisch sehr unterschiedliche Vergütungspraxis innerhalb Europas auf. So ist zum Beispiel das Grundgehalt in Frankreich und Skandinavien relativ niedrig, während es in Spanien vergleichsweise hoch ist. In England und der Schweiz ist wiederum der variable Teil der Gesamtvergütung deutlich höher als in anderen Ländern. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt durch die Eingriffe der Regierungen in die jeweiligen Vergütungssysteme bedingt.