»2015 haben wir wichtige Meilensteine erreicht« ZVEI: Mit Schwung in die Digitalisierung

"Wir brauchen ein ganzheitliches Sicherheitskonzept, das sowohl die spezifischen Erfordernisse der einzelnen Infrastrukturen und Anlagen als auch der dazugehörigen Steuerungs-IT umfasst", so Dr. Klaus Mittelbach zum Thema Cyber-Sicherheit.
Dr. Klaus Mittelbach, ZVEI: »Wir sind Mittler zwischen analoger Vergangenheit und digitaler Zukunft. Diesen Asset sollten wir uns nicht klein reden lassen, da sind wir besser als das Silicon Valley.«

War Deutschland in der Digitalisierung 2014 noch nicht so recht vorangekommen, so hat sich laut Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, das Bild 2015 deutlich geändert.

Im ZVEI engagieren sich jetzt über 100 Vertreter aus 60 Unternehmen und Institutionen zum Thema Industrie 4.0, darunter viele aus internationalen Unternehmen. Die Elektroindustrie habe 2015 wichtige Meilensteine erreicht.

Dazu zählen vor allem RAMI 4.0 und die Industrie-4.0-Komponente, die in diesem Jahr dynamisch weiter entwickelt werden. Auch das Industrial Internet Consortium (IIC) bezieht sich jetzt darauf. RAMI 4.0 wird als DIN SPEC geführt und kann so in internationale Standardisierungsgremien eingebracht werden. Die Wettbewerbssituation zwischen IIC und der Plattform Industrie 4.0 habe sich laut Mittelbach in eine Kooperation verwandelt. Auf der Hannover Messe in diesem Jahr würden weitere Gespräche geführt.

Der ZVEI hat auf dem zurückliegenden IT-Gipfel mit sechs Unternehmen und weiteren Verbänden »Labs Network Industrie 4.0« gegründet, »eine Super-Plattform, die Mittelständlern hilft, Industrie 4.0 umzusetzen«, so Mittelbach. Und der ZVEI engagiert sich im Industrial Data Space. »Das zeigt, dass Digitalisierung und Vernetzung keine ausschließliche Domänen der IKT-Branche sind«, erklärt Mittelbach. In diesem Jahr ist das wichtigste »Projekt openASS« (Asset Administration Shell), das der ZVEI mit der RWTH im Januar ins Leben gerufen hat. Das ist eine offene Entwicklungs- und Testumgebung für Unternehmen aus der Elektroindustrie und ihren Kunden aus dem Maschinenbau, um die Kommunikation zwischen den Geräten auf dem Shop Floor und dem Internet of Things, Diensten und Menschen.

Branchengrenzen überspringen
 
»Wir gehen hier vor, wie es in der IKT üblich ist. Wir müssen uns den Mechanismen der Software-Industrie stellen und für uns anwendbar machen«, sagt Mittelbach. »So geben wir auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit, Industrie 4.0 mitzugestalten.« Und für Mittelbach ganz wichtig: Das Projekt setzt auf offene Standards: »In der digitalen Wirtschaft ist Offenheit entscheidend, nicht Abgeschlossenheit.« Deshalb kooperiere der ZVEI hier auch mit dem VDMA, was schnell zu wichtigen Lösungen führe: »Wir gehen über Grenzen und sehen uns in einer Führungsrolle, um Hürden zu überwinden. Die Kooperation mit dem VDMA ist für uns von überragender Bedeutung.«

Zum Thema Cybersicherheit arbeitet der ZVEI an den »Leitlinien der deutschen Elektroindustrie zum sicheren Umgang mit Daten«. Mittelbach: »Als Industrie müssen wir klären, unter welchen Voraussetzungen Industrie 4.0 Wirklichkeit werden kann, unter welchen Voraussetzungen die Unternehmen bereit sind, Daten zu teilen.« Allerdings dürfe man die Welt nicht nur aus deutscher Sicht betrachten: »Digitalisierung muss mindestens europäisch gedacht werden«, sagt Mittelbach. Deshalb sei das »Bündnis Zukunft der Industrie« und »Digitizing European Industry« von höchster Bedeutung. Nationale Aktivitäten wie die Plattform Industrie 4.0 müssen europäisch eingebunden werden. Dazu bedarf es eines einheitlichen europäischen Rahmens und eines einheitlichen digitalen Binnenmarktes. »Davon sind wir aber weit entfernt, dazu sind größere Anstrengungen nötig, als viele meinen«, sagt Mittelbach.

Deshalb macht sich der ZVEI auch für die Forderung des VDMA stark, einen »Industrie-4.0-Check« bei Gesetzgebung und Regulierung einzuführen, analog zum »Competitivness-Check« im Rahmen der »EU Better Regulation-Initiative«.