ANA investiert in Avatar-Start-up Virtuell Reisen in Zeiten der Corona-Krise

ANA testet bereits an einem Hafen in der Präfektur Oita Avatare, um Menschen zum Erlebnis des Fischens zu verhelfen, obwohl sie nicht vor Ort sind.
ANA testet bereits an einem Hafen in der Präfektur Oita Avatare, um Menschen zum Erlebnis des Fischens zu verhelfen, obwohl sie nicht vor Ort sind.

Die Mutterfirma von All Nippon Airways investiert in den Start-up Avatar-in, der virtuelle Reisen, virtuelle Einkaufstouren und virtuelle Arztbesuche ermöglichen soll.

ANA Holdings und zwei Mitarbeiter von ANA stecken rund 1,8 Mio. Dollar in den Start-up, wie Nikkei Asian Review berichtet. ANA hatte bereits Fischen und geräteloses Tauchen mit Avataren getestet. Auch in der Raumfahrt und in der Landwirtschaft ließen sie sich laut Firmenangaben einsetzen. Mit der Gründung der neuen Firma soll die Entwicklung beschleunigt und Partnerschaften mit anderen Unternehmen in die Wege geleitet werden. Gerade in Zeiten der Corona-Krise erscheint dies als eine interessante Möglichkeit: ANA schickt bereits im Rahmen eines rotierenden Systems jeweils die Hälfte seines Kabinenpersonals in Zwangsurlaub, weil die Passagierzahl eingebrochen ist.

Das Unternehmen hatte sich aber auch schon vor der Krise intensiv  mit der Möglichkeit beschäftigt, über Avatare virtuelles Reisen zu ermöglichen. »ANA hat sich immer schon zum Ziel gesetzt, Menschen zu verbinden, nicht nur Passagiere mit ihren Destinationen, sondern Kulturen und Ideen. Avatare bieten uns wie keine Technik zuvor die große Chance, genau das über große Distanzen hinweg tun zu können«, sagte Shinya Katanozaka, President und CEO von ANA Holdings, im vergangenen Jahr.

Avatare lassen Menschen über einen Bildschirm untereinander interagieren, unabhängig davon, wo sich die einzelnen Menschen gerade befinden. ANA hat entsprechende Geräte, die auf den Namen »newme« getauft wurden, bereits probeweise in Einkaufszentren und Touristenzentren installiert. Damit können die Nutzer auf virtuelle Einkaufs- und Besichtigungstouren gehen.

So funktioniert beispielsweise ein virtueller Besuch bei den Eltern: Die Tochter, die 1000 km weit entfernt von zu Hause wohnt, will ihre Eltern besuchen. Dazu steigt sie nicht ins Flugzeug, sondern wählt sich in einen Avatar ein. Der Avatar ist ein beweglicher Roboter, der sich zu Hause, also in der Wohnung der Eltern, aufhält. Sobald die Tochter sich eingewählt hat, zeigt der Avatar auf seinem Display den Eltern das Gesicht der Besucherin. Der Avatar ist aber weit mehr als ein Bildtelefon. Denn für die Tochter fühlt es sich nun an, als sei sie in den Avatar »hineinschlüpft«: Sie kann den Roboter direkt steuern: Zum Gespräch mit dem Vater an die Couch »fahren«, die Mutter in der Küche beim Abwasch begleiten und sich zum gemeinsamen Essen an den Tisch begeben.

President von Avatar-in ist Akira Fukabori, der COO Kevin Kajitani, die beide in das Unternehmen investiert haben.