Forum IoT und Industrie 4.0 Ungeahnte Chancen

Mit IoT werden die Karten neu gemischt: Das bietet für die Unternehmen hierzulande große Chancen. Die Produkte »entgrenzen« sich, künftig kommt es noch mehr als bisher auf den Systemansatz an.

Industrie 4.0 ist eine kontinuierliche Entwicklung – und die Entwicklung hat schon viel früher eingesetzt, zu Zeiten, als es den Begriff noch gar nicht gab. »Als wir zusammen mit den Distributionsunternehmen den Traceability-Leitfaden erstellt haben, war an Industrie 4.0 noch nicht zu denken«, sagt Johann Weber. Das Ziel bestand darin, durchgängige Transparenz zu schaffen. Das umfasste neben den Komponenten auch die Betriebsstoffe und Hilfsmittel.

Jetzt komme es darauf an, die gesamte Supply-Chain abzudecken, bis in die Details hinein, und zwar in Echtzeit. »Die Lieferanten-Selbststeuerung ist schon gang und gäbe, jetzt müssen wir uns überlegen, was man dem Kunden in Summe anbieten kann. Nicht nur die Lieferkette zu optimieren, sondern mit den Kunden eng zusammenzuarbeiten und zu eruieren, wo und wie man ihn schon bei Entwicklung und Konstruktion unterstützen kann, ist jetzt die Aufgabe«, sagt Weber. Dazu kommt, dass die Vielfalt höher wird und die Stückzahlen sinken. Der 3D-Druck eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten.

Das bedeutet laut Weber aber auch: Den Firmen hierzulande bieten sich ungeahnte Chancen. Die Entwicklung zeige, dass es künftig in vielen Bereichen erst recht nicht mehr wichtig sei, wo produziert wird, weil das der Kunde gleich selber vor Ort übernimmt. Umso mehr kommt es künftig auf das Know-how und auf das IP an. Gerade weil die Unternehmen hierzulande weltweit darin führend sind, Maschinen miteinander zu vernetzen und die Sensoren und die Elektronik für diese Ebenen zu fertigen: »Das ist eine gute Ausgangsposition, und deshalb sehe ich große Chancen«, so Weber.

Wie die Hersteller jetzt schon von IoT und Industrie 4.0 profitieren, zeigt Recom. »Je mehr Sensoren für die Verknüpfung der Maschinen im IoT gebraucht werden, je mehr der Preis für die Sensoren sinkt, umso mehr steigt unser Umsatz«, freut sich Karsten Bier. Denn all die Sensorknoten brauchen Stromversorgungen, »denken Sie nur an die 50.000 maroden Brücken in den USA, die jetzt über Sensoren überwacht werden sollen.« Die Nachfrage nach AC/DC-Wandlern steige sprunghaft, gerade aus den USA sei die Nachfrage hoch. »Das beflügelt das Volumengeschäft an kostengünstigen Stromversorgungen, deshalb investieren wir gerade in den Aufbau von Werken für die Fertigung dieser Low-Cost-Stromversorgungen in hohen Stückzahlen in China«, sagt Karsten Bier. »Der Trend zur Dezentralisierung kommt uns sehr entgegen.« Die Herausforderung bestehe nun vor allem darin, die richtige Balance zwischen Low-Mix/High-Volume- und High-Mix/Low-Volume-Produkten zu finden. China spiele dabei eine zentrale Rolle, denn hier werden die Stückzahlen gefertigt, und von hier aus gelangen sie in den globalen Markt.

Auf die Vernetzungsebene von IoT und Industrie 4.0 geht Jürgen Weyer ein: »Ein Kernthema ist Safety und Security, und das ist auch ein Kernthema für NXP. Es kommt darauf an, in Echtzeit zu arbeiten, und das vor allem sicher und zuverlässig, Reboots sind dabei nicht erlaubt! Darin haben wir viel Erfahrung, und damit steigern wir die Relevanz unseres Unternehmens.« Und sofort denkt er wieder ans Auto: »Das Auto als komplexer Knoten im Internet ist für uns eine wunderbare Möglichkeit, das zu realisieren.« Interessant auch, wie Siegfried Gross die Entwicklung aus Sicht eines Messgeräteherstellers sieht: »Die Kunden kümmern sich um ihr Kern-Know-how, alles andere verlagern sie zu uns.« Das bedeute für den Gerätehersteller, dass die Software immer wichtiger werde, was ja durchaus nicht negativ wäre, denn Software schaffe eine viel stärkere Kundenbindung.