National Instruments »Testbeds sind für Industrie 4.0 wichtiger als Theorie«

Rahman Jamal, NI

»Durch das IIC bekommt 
das Thema Smart Factory 
starken Rückenwind.«
Rahman Jamal, NI: »Durch das IIC bekommt das Thema Smart Factory starken Rückenwind.«

Vor kurzem haben die deutsche Plattform Industrie 4.0 und das US-amerikanische Industrial Internet Consortium (IIC) eine enge Zusammenarbeit vereinbart. National Instruments (NI) ist aktives Mitglied des IIC und an einigen von dessen Testbeds beteiligt.

Rahman Jamal, Global Technology & Marketing Director von NI, gibt Auskunft über die Testbeds sowie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der deutschen und der US-amerikanischen Herangehensweise an das Thema Industrie 4.0.

Markt&Technik: Es wird viel darüber geredet, aber an Definitionen mangelt es offenbar: Was versteht das IIC unter einem Testbed?

Rahman Jamal: Bei einem Testbed handelt es sich um eine Experimentierplattform, auf der spezielle Anwendungsfälle und Szenarien umgesetzt werden. Außerdem wird evaluiert, ob eine solche Umsetzung den erwarteten Resultaten entspricht. In Interoperabilitätstests wird untersucht, wie noch nicht getestete oder bereits existierende Techniken zusammenwirken. Innerhalb des Testbeds entstehen neue und potenziell disruptive Produkte und Dienstleistungen. Außerdem zeigen sich Anforderungen und Prioritäten für Normungsorganisationen, die das Industrial Internet of Things (IIoT) unterstützen.

Gibt es Unterschiede in der Bedeutung und Tragweite der Testbed-Projekte?

Ja. Das IIC unterscheidet zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Testbed-Projekten. Langfristige Projekte umfassen etwa 24 bis 60 Monate und zeichnen sich durch Innovationen aus, die neue Märkte schaffen und größere wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Solche Prüfstände werden oft von Instituten (Hochschulen, Regierungen) in Zusammenarbeit mit der Industrie gefördert.
Mittelfristige Testbed-Projekte (etwa 12-24 Monate) dagegen legen den Schwerpunkt auf die Neueinführung von Produkten auf dem Markt. Diese Testbeds müssen über einen reinen Routineprodukttest hinaus die Interoperabilität innerhalb eines Ecosystems demonstrieren, also mehr abdecken als die Techniken nur eines Unternehmens oder proprietäre Techniken. Zudem muss die Interoperabilität innerhalb der IIC-Roadmap gewährleistet sein. Auch diese Testbeds erschließen neue Märkte. Wegen des Produktschwerpunkts werden sie jedoch häufig von der Industrie gefördert, und die fördernden Organisationen und Testbed-Partner können sich dafür entscheiden, einen Teil oder sogar die gesamte IP (Intellectual Property) für sich zu behalten.

Und was sind dann kurzfristige Projekte?

Als eher kurzfristige Projekte gelten die "Plug Fests". Sie zeigen oft neue Produkte, die zufälligerweise bei der Entwicklung langfristigerer (mehrjähriger) Testbeds, quasi als Nebenprodukt, herauskommen.