Digitaler Intelligenzspeicher Statistische Analyse von Kryptowährungen

cryvo visualisiert die Analyse der Kryptowährungen für die Anwender.
cryvo visualisiert die Analyse der Kryptowährungen für die Anwender.

Der Start-Up cryvo bietet ein System, »mit dem Nichtexperten mit statistischen Verfahren Kryptowährungen analysieren können«, sagt Benno Gerrit Wissing. KI spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Markt&Technik: Sie haben cryvo gegründet. Was genau ist die Idee, die hinter dem Unternehmen steckt?

Benno Gerrit Wissing: Kurz gesagt geht es darum, Kryptowährungen wie Bitcoin auf Grundlage fundierter statistischer Verfahren zu analysieren und diese Analysen auch Nichtexperten zugänglich zu machen.
 
Die Kurse von Währungen, Rohstoffen oder Aktien vorhersagen zu können, ist der Traum eines jeden Anlegers. Prognosen treffen zu oder nicht, wie etwas am Beispiel des Halbleitermarktes 2017 zu sehen: Die Vorhersagen von Ende 2016 lagen alle kräftig neben der Realität. Unterscheiden sich die statistischen Aussagen, die cryvo trifft, grundsätzlich davon?

Es geht bei cryvo nicht nur um Prognosen, sondern um generelle statistische Analysen, basierend auf den aktuellen Zeitreihendaten und mit bis zu 100.000 Datenpunkten. Aktuell bieten wir mehrere Verfahren für die Identifikation von möglichen Frühindikatoren von Phasenübergängen an, die Berechnung von partiellen Korrelationsnetzwerken, die Berechnung eines Vorhersagbarkeitsmaßes und Prognosen basierend auf neuronalen Netzen. Wir arbeiten gerade unter anderem auch an der Integration eines weiteren Verfahrens, das falsch-positive Phasenübergangsindikatoren identifizieren kann. Wir implementieren also überaus kritische Verfahren, die zudem absolut transparent sind. Aktuell bieten wir diese Verfahren für 68 Kryptowährungen an, wollen in Zukunft aber weitere Verfahren hinzufügen und diese auf nahezu alle Kryptowährungen ausdehnen.

Es handelt sich also schlicht um ein aus Ihrer Sicht besseres statistisches Verfahren, darin liegt die Differenzierung?

»Besser« müsste man hier immer im direkten Vergleich anhand statistischer Kennwerte quantifizieren. Wir preisen unser System nicht als ein besseres relativ zu einem bestehenden an – es gibt, soweit wir wissen, auch kein System, das etwas Vergleichbares im Bereich Kryptowährungen ermöglicht –, sondern wir stellen eine Benutzeroberfläche bereit, die erstmalig die visuelle Inspektion von statistischen Ergebnismustern zu Kryptowährungen ermöglicht.

Wenn man sich mit Statistik beschäftigt, lernt man schnell, dass statistische Kennwerte und dichotomes Denken oft nicht ausreichend sind, sondern dass die visuelle Inspektion von Ergebnismustern und ein damit verbundenes kontinuierliches Denken entscheidende Informationen liefern. Diese visuelle Inspektion ist zudem aktuell noch nicht automatisierbar. Da die Verfahren vollkommen transparent sind, kann sich jeder Nutzer selbstständig zu diesen Verfahren informieren und sich ein eigenes Urteil bilden.

Grundsätzlich reduzieren wir also die Zugangsschwelle für die statistische Analyse von Kryptowährungen: Sie müssen nicht programmieren können, keine Datenbeschaffung und Datenaufbereitung betreiben, nicht jahrelang Statistik studieren, sondern Sie öffnen unser System und können mit einem Klick direkt beispielsweise potentielle Phasenübergangsindikatoren für Bitcoin oder andere Kryptowährungen berechnen. Bei der Interpretation der Ergebnisse helfen Ihnen erklärende Texte. Zusätzlich bieten wir für alle Verfahren auch einen Expertenmodus, in welchem bestimmte Parameter manuell eingestellt werden können.
 
Also schlicht ein Programm, das nun auch Laien in die Lage versetzen soll, durch Spekulation mit Kryptowährungen reich werden zu können?

Natürlich kann man die Ergebnisse auf eigenes Risiko für die Spekulation mit Kryptowährungen nutzen, dies empfehlen wir jedoch nicht.

Sie sprachen davon, dass das Verfahren sich für weit mehr nutzen ließe, als nur die Entwicklung von Währungen abzuschätzen. Was steckt dahinter?

Die statistischen Verfahren können grundsätzlich auf nahezu jede Art von Zeitreihendaten angewendet werden. Entsprechend stellen wir unser System auch anderen Unternehmen für firmeninterne Anwendungen zur Verfügung, die nichts mit Kryptowährungen zu tun haben.

Viele Kryptowährungen haben in diesem Jahr und vor allem über die letzten Wochen riesige Kurssprünge gemacht. Bitcoin sprang auf 20.000, ist zuletzt aber wieder auf 11.000 gefallen. Wo der Wert heute Abend steht, würde ich nicht wagen zu prognostizieren, schon mal gar nicht, wo er in einigen Tagen liegen wird, wenn dieses Interview veröffentlicht ist. Würden Sie jetzt vorhersagen wollen, welchen Wert ein Bitcoin in Dollar in zwei Tagen haben wird?

Nein, was jedoch relativ sicher ist, ist dass der Wert in zwei Tagen für längere Zeithorizonte bedeutungslos ist. Kurze Zeithorizonte interessieren mich auch nur bedingt. Entscheidend ist, welche Kryptowährungen sich auf längeren Zeithorizonten durchsetzen. Möglicherweise in einem Evolutionsprozess, indem der Mensch mit der Zeit als Selektionsfaktor zugunsten von künstlicher Intelligenz an Einfluss verliert.