Low Power Wide Area Networks Sigfox prescht vor

Aurelius Wosylus, Sigfox: »Wer in dem LPWAN-Spiel dabei sein will, der muss bis spätestens in drei Jahren sein Netzwerk etabliert haben. Wer es bis dahin nicht geschafft hat, seine Claims abzustecken, wird kaum noch eine Rolle spielen können.«

Low Power Wide Area Networks (LPWAN) sind derzeit ein heißes Thema, weil sie IoT-Konnektivität zum günstigen Preis versprechen.

Laut Aurelius Wosylus, Director Sales & Partner Germany von Sigfox, kommt es vor allem darauf an, weltweit schnell auszurollen. Auch in Deutschland expandiert Sigfox jetzt offensiv.

Markt&Technik: Sigfox eröffnet jetzt ein Büro in München. Wo steht Sigfox derzeit in Deutschland?

Aurelius Wosylus, Sigfox: In München haben wir bereits ein Netz aufgebaut, bis Ende Juni werden 24 Städte in Deutschland folgen. In Deutschland führen wir den Roll-out selber durch. Damit beschäftigen sich drei Teams, die für die Netzwerke und die Antennen, für den Vertrieb und für das Ecosystem zuständig sind. Das geschieht derzeit noch hauptsächlich aus Frankreich heraus. Jetzt bauen wir für Deutschland ein Büro in München auf, das für den Vertrieb vor Ort zuständig ist und bis Ende des Jahres mindestens vier Mitarbeiter beschäftigen soll.

Warum sind Low Power Wide Area Networks derzeit der große Hype?

Es kommt im IoT darauf an, die einzelnen Geräte mit einer Internetplattform zu verbinden und von dieser aus die Geräte zu managen. Wenn dazu niedrige Datenraten genügen, gleichzeitig aber die Geräte über weite Entfernungen sehr zuverlässig sehr energieeffizient zu niedrigen Kosten kommunizieren sollen, dann sind LPWANs genau die richtige Technik.

Einige Telekommunikationsunternehmen sind gerade mit Hochdruck dabei, Standards zu verabschieden, um auf Basis ihrer zellulären Funktechnik ebenfalls solche Dienste zu einem relativ geringen Preis anbieten zu können. Wenn dies gelänge, wäre dann der LPWAN-Hypes schon wieder am Ende?

Keinesfalls. Die „NB-IoT“-Ansätze basieren auf der GSM-Antennentechnik. Also müssen die Endgeräte mit den jeweiligen Basisstationen ständig kommunizieren. Auch wenn man dies reduzieren kann, um Energie zu sparen und bei tragbaren Geräten die Batterielebensdauer zu verlängern – ganz umgehen kann man das wohl nicht. Und auch wenn es heißt, die neue Technik ließe sich ganz einfach über ein Software-Update hochladen – ganz so simpel wird es sicherlich nicht werden. Vor allem aber bleibt eines bestehen: die teure Infrastruktur. Und die muss am Ende jemand bezahlen, da führt kein Weg drum herum.

Wie geht Sigfox jetzt vor?

Unser Ziel besteht darin, ein weltweites Netz aufzubauen. Wir sind dabei, die Sigfox-Netze in 18 Ländern weltweit auszurollen. Dazu verwenden wir überall dieselbe Infrastruktur, beispielsweise dieselben Antennen. Die Kunden müssen sich also nicht um die Netzinfrastruktur kümmern und nicht um das Netzbackend.

Was kostet das den Anwender?

Die Abrechnung geschieht pro Gerät und pro Jahr – weltweit. Der Preis ist gegenüber anderen Systemen sehr wettbewerbsfähig. Die Jahresgebühr ist abhängig von der Anzahl der verbundenen Geräte und der Anzahl der Nachrichten pro Gerät und beläuft sich zwischen 1 Euro und 20 Euro pro Jahr. Eine Roaming-Gebühr gibt es nicht.

Es handelt sich dann aber um ein proprietäres System?

Ich erkläre es am liebsten an einem kleinen Beispiel: Microsoft ist proprietär, Linux ist offen. Allerdings litt Linux immer unter einer sehr großen Variantenvielfalt, es gab keine wirklichen Partnerschaften und kein einheitliches Marketing. Sigfox will die Vorteile beider Welten kombinieren. Das Netzwerk ist proprietär, wenn auch auf einem offenen Standard aufbauend, aber das wollen und müssen wir unter Kontrolle haben. Offen sind wir dafür sowohl, was das Backend betrifft, als auch, was die Endgeräte angeht: Es gibt bereits etliche IC-Hersteller, die unseren Stack implementiert haben, der für sie übrigens kostenlos ist. Wir qualifizieren die Chips. Außerdem gibt es über hundert Partnerapplikationen, die diese Sigfox-qualifizierten Chips verwenden. Wir vermarkten die Module, wir verkaufen sie aber nicht. Und wir sind offen für neue Partner!