Industrie 4.0 und IoT »Schöne Möglichkeit, Zentraleuropa besser zu vermarkten«

Die Digitalisierung mit Industrie 4.0, IoT und Big Data bietet für die Elektronik­industrie zahlreiche Chancen. Zarte Umsatzpflänzchen blühen bereits, aber der Teufel steckt noch im Detail, erklären Distributoren und Hersteller beim Markt&Technik-Forum »Distribution & Supply Chain«.

Die Frage ist: Wo hört Industrie 3.0 auf, und wo fängt Industrie 4.0 an? »Wenn wir über vernetzte Industrie reden, dann generieren wir alle daraus schon Umsätze. Aber wenn wir Industrie 4.0 nehmen, wie es ursprünglich definiert wurde, dann eher nein«, sagt Frank Wolinski, Distribution & Demand Creation Director EMEA von ST Microelectronics. Es kommt also auf die Definition und den Blickwinkel an. Ole Gerkensmeyer, Director Zentraleuropa von Future Electronics, setzt Industrie 4.0 in den Kontext der Digitalisierung und attestiert der Industrie 4.0 dann in jedem Fall schon Umsätze. »Außerdem bietet sich mit diesem Begriff eine schöne Möglichkeit, Zentraleuropa besser zu vermarkten«, so Gerkensmeyer.

Wachstum im eigentlichen Sinne stellen die Forumsteilnehmer wie Jörg Strughold, Vice President Components Sales EMEA von Arrow, in erster Linie bei Connectivity-Produkten fest: »Wenn ich mir anschaue, was wir an Connectivity-Modulen verkaufen, etwa als Upgrade für Embedded-Systeme, dann sehe ich hier ganz klares Wachstum. Vor allem, wenn man IoT und Industrie 4.0 zusammenfasst, sieht man: Da passiert eine ganze Menge.« Wobei die IoT-Seite, Home Automation und Building Automation, Versorgung, Energy & Grid dem klassischen Shop Floor Management mehr als eine Nasenlänge voraus ist. »Aber am Ende sind sich die Applikationen sehr ähnlich, und was wir beitragen können, ist auch sehr ähnlich: Es geht um Solution Selling, Connectivity und die Integration von Cloud Readyness«, so Strughold.

Nicht nur die Großen in der Komponenten-Supply-Chain, auch die KMU-Vertreter in der Runde wie Sven Krumpel, CEO von Codico, sieht im IoT und der Industrie 4.0 eine der wesentlichen Wachstumschancen: »Ja, wir machen bereits Geschäft damit, und wir sehen ganz klar, dass sich die Kunden damit auseinander setzen.« Nicht immer jedoch lässt sich eindeutig zuordnen, ob nun Industrie 4.0 und/oder IoT bereits konkrete Umsätze generiert, »weil Projekte oft nicht unter dem Stichwort Industrie 4.0 gelistet sind«, erklären Thomas Klein, Vice President Sales & Distribution von MSC Technologies, und Dieter Tappmeyer, Geschäftsführer von MEV Elektronik übereinstimmend.

„Cloud Readyness“

Mehrmals fällt in der Forumsrunde das Stichwort „Cloud Readyness“ – was ist damit gemeint? Die Anforderung der Vernetzung fordert zunehmend Systeme, die einen direkten Zugang zum Internet – die Cloud – bieten, und zwar möglichst sicher. Das heißt Elektronik auf Boardlevel und IT plus Security müssen zusammenfließen. Strughold: »Es geht um das Systemverständnis und darum, die Kombination von Hardware, Cloud Services und Cloud Readyness anzubieten.« Der Komponetenbereich von Arrow arbeitet dazu mit der Schwester-Division „Arrow OCS“ zusammen. Avnet hat mit seiner IT-Sparte „Avnet TS“ ein ähnliches Set-Up, das Avnet Silica bereits im Rahmen seines IoT-Plattform-Konzeptes Visible Things intensiv nutzt, wie Frank Hansen schildert, Regional Vice President Zentral- und Osteuropa von Avnet Silica: »Unsere Kunden können damit auch ihren Kunden zeigen, wie schnell sie Appliaktionen darauf implementieren und internetfähig machen können. Unser Kunde sucht nicht den Weg ins Internet, das bekommt er selber hin, sondern er verlangt von uns, dass wir sicherstellen, dass die Daten, die er ans Gateway und in die Cloud transferiert, auch sicher sind, und dass wir ihm Cloud Analytics und Cloud Service anbieten.« Dies, so Hansen, seien Themen, die den Industriekunden derzeit sehr stark beschäftigen.