Periscope wird »Rob Cemtrex Automotive« ROB Cemtrex Gruppe will in drei Jahren in Europas Top 10

Die insolvente Periscope aus Paderborn wurde von Rob Cemtrex übernommen und firmiert seit 1. Juni als »Rob Cemtrex Automotive GmbH«. Neben dem Schwerpunkt Automotive will Rob Cemtrex von Paderborn aus auch klassische Industrie-Segmente bedienen.

Einen Einblick in die Strategie von Rob Cemtrex für Paderborn und darüber hinaus gibt Frank Bittighofer, Geschäftsführer von ROB Cemtrex.

Markt&Technik: Erst Flex SBS, dann Periscope, jetzt ROB Cemtrex – in den letzten Jahren gab es Eigentümerwechsel, bedingt einige Unruhe am Standort. Wie wollen Sie Ihre Kunden und Mitarbeiter jetzt davon überzeugen, dass Beständigkeit einkehrt?

Frank Bittighofer: Grundsätzlich wird es sehr schwerfallen, weil, so zumindest unsere Annahme, auch die beiden vorhergehenden Gesellschaften sicherlich schon verschiedene Argumente zur Überzeugung der Kunden und Mitarbeiter vorgebracht haben, die Versprechungen dann aber aus teilweise vorhersehbaren, aber auch nicht vorhersehbaren Gründen nicht eingehalten wurden.

Wir haben bereits in der Investitionsphase sehr offen sowohl mit den Mitarbeitern als auch mit den Kunden kommuniziert. Damit haben wir zu einem sehr frühen Zeitpunkt unsere Ziele klar definiert und somit allen Beteiligten die Möglichkeit gegeben, sich zu entscheiden, ob eine gemeinsame Zukunft erfolgsversprechend ist. Schlussendlich können wir unsere Intention nur mit der Realisierung unserer Ziele bestätigen, was sich in den nächsten Monaten zeigen wird.

Welche personellen und organisatorischen Veränderungen wird es am Standort geben bzw. gab es bereits?

Die notwenigen personellen und organisatorischen Veränderungen haben wir schon im Vorfeld analysiert und mit den verantwortlichen Mitarbeitern besprochen. Essenziell für die Nachhaltigkeit des Unternehmens war es, die Fertigungskapazitäten der Nachfrage anzupassen. Das haben wir gemacht, obgleich es einen drastischen Einschnitt im Personalbereich bedeutete – wir konnten nur 140 Mitarbeiter in die neue Gesellschaft übernehmen. Doch basierend auf unserer aktuellen Umsatzplanung für das kommende Geschäftsjahr sind keine weiteren Personalanpassungen zu erwarten. Die Organisationsstruktur wurde an die verbliebene Unternehmensgröße angepasst. Wir haben gewisse Hierarchiestrukturen abgebaut und diverse Aufgabengebiete zusammengelegt. Alles in allem sollen so Prozesse durch kürzere Entscheidungswege beschleunigt werden.

Wird Periscope als Markenname bzw. Standortname verschwinden?

Ist bereits geschehen. Das Unternehmen firmiert unter der ROB Cemtrex Automotive GmbH. Diese Umfirmierung unterstreicht die Nähe zur Automobilindustrie am Standort Paderborn.

Wird sich also der Standort innerhalb der ROB Cemtrex Gruppe rein auf Automotive konzentrieren?

Der Fokus wird sicherlich weiterhin auf Automotive liegen. Selbstverständlich werden alle anderen Branchen, aus denen wir bereits heute zahlreiche Kunden beliefern dürfen, wie u.a. Telekommunikation, Automatisierung, Gebäude- und Sicherheitstechnik und Maschinenbau, weiterhin von Paderborn aus bedient. Grundsätzlich wird die Entscheidung, welches Produkt wo produziert wird, von unseren Kunden getroffen. Dennoch sind wir bestrebt, die Kapazitäten an allen drei Standorten – Paderborn, Neulingen und Sibiu in Rumänien – bestmöglich auszulasten.

Meines Wissens war der ursprüngliche Flex-SBS-Standort ja eher auf Industrie ausgelegt. Welche Veränderungen technischer Natur sind für die Ausrichtung auf Automotive erforderlich?

Die Prozesse und das Qualitätsmanagement am Standort Paderborn sind bereits seit Jahren konsequent auf die Anforderungen von Automotive-Kunden ausgerichtet, weshalb wir viele Kunden aus diesem Bereich haben. Davon profitieren selbstverständlich auch die Kunden aus allen anderen Branchen. Es ist allerdings so, dass die Ansprüche an EMS-Dienstleister im Automotive-Sektor besonders hoch sind und daher längst nicht von jeder Elektronikfertigung erfüllt werden können. Mit der Ausrichtung auf Automotive möchten wir deshalb ein Zeichen zu unserer Qualifizierung und unseren Fähigkeiten setzen, die alle geforderten Ansprüche erfüllen: durchgängiger ESD-Schutz mit ESD-Checkgates, umfassende Traceability, Spitzenprozesstechnologien für anspruchsvolle Produkte mit hohen Variationen, beginnend bei der Bestückung von Flachbaugruppen bis hin zur Geräte- und Systemfertigung mit extrem hoher Fertigungstiefe – alles komplett unter Automotive-Bedingungen. Aufgrund dieser Qualifikation konnten wir in den letzten Monaten Neukunden aus dem Automotive-Sektor gewinnen, was direkt nach einem Firmenübergang schon eine Besonderheit ist.