Anbieter formieren sich Neue Initiativen für IoT-Standards

Die Internet-of-Things-Standardisierung ist zu wichtig für den deutschen und europäischen Mittelstand, als dass sie der Politik oder Großindustrie überlassen werden darf, so der Tenor auf dem Markt&Technik-Forum »Industriecomputer & Embedded Systeme«.

Jetzt formieren sich bereits die ersten Bemühungen der Embedded-Computing-Anbieter, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. »Ich betrachte IoT und Industrie 4.0 als Weckruf für die Industrie, um zu standardisieren – denn das, was es gibt, ist toll, funktioniert aber leider nicht zusammen«, betont Christian Blersch, Geschäftsführer von E.E.P.D. und EMTrust. » Wir können hier viel diskutieren, in Silicon Valley gibt es unsere Counterparts und die machen ihre eigene Allianz.«

Von den bisherigen Ergebnissen der heimischen Politik und Großindustrie, rund um das Thema Industrie 4.0, sind die Embedded-Anbieter nicht begeistert. »Man definiert erst mal den Markt, den man behalten will, und wie man andere nicht hinein lässt – das ist die Diskussion die mit Industrie 4.0 geführt wird, weil ganz große Unternehmen ihre Milliardenumsätze schützen wollen. Die interessiert es nicht, wie viele europäische Mittelstandfirmen daran hängen und schneller agieren und Lösungen liefern könnten«, steht für Dirk Finstel, CEO EMEA von Adlink Technology, fest. »Der Schnelle wird den Langsamen fressen – das ist ganz einfach.«


Um nicht zu den Langsamen zu gehören, wollen jetzt die deutschen Embeddd-Computing-Anbieter selber aktiv werden. »IoT ist die Zeit Allianzen aufzustellen und sich auf sein Core-Business zu konzentrieren. Man muss partnerschaftlich die Lösungen anbieten«, erklärt Klaus Rottmayr, Geschäftsführer von ICP Deutschland die generelle Strategie. Das erst IoT-Bündnis hat sich auch schon formiert mit der Internet of Things Alliance (iota). Deren Ziel ist es, die Themen IoT, Industrie 4.0, M2M und Big Data in Deutschland voranzutreiben und umsetzbare Lösungen zu entwickeln. »Im Wesentlichen basiert IoT auf dem Zusammenspiel aus Sensoren bzw. Aktoren, den Dingen als solches sowie Softwarelösungen, mit deren Hilfe sich die Dinge über die Cloud steuern lassen«, fasst Martin Steger, Geschäftsführer der ies GmbH & Co. KG, die wesentlichen Aspekte zusammen. Steger ist Initiator der IoT Alliance und hat das Bündnis gemeinsam mit den Unternehmen M2MGO und TURCK duotec GmbH ins Leben gerufen.


Die IoT Alliance will Interessenten und Anbieter von IoT- bzw. Industrie-4.0-Lösungen zusammenzubringen, um pragmatische und ganzheitliche Lösungen von der Hardware bis zur Software schon heute schnell, zukunftssicher und effizient zu realisieren. Dabei werden Synergien genutzt, die sich aus der Expertise der einzelnen Mitglieder ergeben. »Industrie 4.0 braucht Offenheit, Standards und Pragmatismus«, betont Steger. »Mit der IoT Alliance handeln wir dort, wo andere nur reden.« Angestrebt wird die Gründung eines Vereins, bei dem Organisationen Mitglied werden können, die ihren Sitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz haben und einen der Bereiche Sensoren/Aktoren, Hardwareentwicklung oder Softwareentwicklung abdecken.


Die Firma ies ist auch Mitglied des SGET e.V. (Standardization Group for Embedded Technologies), der es sich zum Ziel gesetzt hat, schnell neue marktgerechte Standards zu entwickeln. Noch im Mai, kurz vor der SGET-Hauptversammlung, wollen die Mitglieder über ein neues Standard Development Team sprechen, und so mögliche Standardisierungen auf den Weg bringen. Dazu Wolfgang Eisenbarth, Director Communications von MSC Technologies und Mitglied des SGET-Board: »Das Thema IoT wollen wir nicht den Amerikanern überlassen und dann hinterher rennen müssen.«