Logistik, Produktion, Simulation, Test… Neue Geschäftsfelder für KI erschließen

Welche neuen Anwendungen macht künstliche Intelligenz (KI) möglich? Dazu hat Markt&Technik mit renommierten Experten gesprochen.

»Ich halte KI für die Technologie unseres Jahrhunderts, die wir wirklich nutzen und produktiv machen sollten, auch wenn momentan viel zu viel Hype mit diesem Thema verbunden ist«, erklärt Dr.-Ing. Ron Melz, Leiter Entwicklungsmethodik/künstliche Intelligenz automatisiertes Fahren bei Audi. Wichtig ist aber immer die Erwartungshaltung der Anwender. Geht es nur darum, KI einzusetzen, um bestehende Systeme zu ersetzen, ist der Erfolg vielleicht nicht sonderlich groß. Spannend wird es aus Sicht von Dr. Christoph Angerer, Manager AI Developer Technologies EMEA, Russia and India bei Nvidia, erst dann, wenn es »darum geht, neue Geschäftsfelder zu erschließen, die vorher nicht möglich waren.«

Beispielsweise wenn ein komplettes Lager wegfallen kann, weil die Logistik mit KI so weit optimiert werden konnte, dass überhaupt nichts mehr auf Lager gehalten werden muss. Es gibt aber noch viele andere Beispiele, die zeigen, dass der Einsatz von KI Mehrwert generiert. Mercedes Benz nutzt KI beispielsweise im Produktentstehungsprozess und im Produktionsprozess. Damit sind weniger HW-Prototypen notwendig, Crash-Tests lassen sich simulieren und der Entwicklungsprozess optimieren. Auch die Verkehrsschildererkennung ist nur dank KI möglich. Und auch wenn der eine oder andere bemängelt, dass genau diese Funktion oft nur mäßig funktioniert, betont Melz, dass es vollkommen falsch wäre, dies auf die KI-Algorithmen zurückzuführen. Denn zum einen gebe es viele Systeme, die deutlich besser abschneiden als ein Mensch, zum anderen stelle die Verkehrsschildererkennung eine Fusion zwischen Kamera und digitalem Kartenmaterial dar; wenn also das Ergebnis nicht gut ist, sei es auf einen dieser beiden Faktoren zurückzuführen und nicht auf die dahinterliegende KI.