Sigfox legt Funkspezifikationen offen »Neue Akteure werden auf den Sigfox-Zug aufspringen.«


Aurelius Wosylus, Sigfox: »Die ASIC-Hersteller können nun kreativ werden, damit können wir neue Märkte adressieren, die bisher mit den diskret aufgebauten Funkelementen aus Kostengründen nicht in Frage kamen.«
Aurelius Wosylus, Sigfox: »Die ASIC-Hersteller können nun kreativ werden, damit können wir neue Märkte adressieren, die bisher mit den diskret aufgebauten Funkelementen aus Kostengründen nicht in Frage kamen.«

Wie Sigfox mit der Öffnung neue Märkte anvisiert und wie das in die bisherige Strategie passt, erklärt Aurelius Wosylus, Chief Sales Officer Germany, im Gespräch mit Markt &Technik.

Markt&Technik: Warum kommt die Öffnung gerade jetzt?

Aurelius Wosylus, Sigfox: Bisher hatten wir in einem geschlossenen System gearbeitet, alles was wir entwickelt hatten, war zu 100 Prozent in unserem Besitz. Sigfox sieht sich jetzt aber in erster Linie als Netzbetreiber. Was im Netz zwischen den Geräten, die miteinander in Verbindung stehen, im Einzelnen geschieht, darf ab sofort jeder wissen. Das eröffnet neue Möglichleiten, wir demokratisieren die Sigfox-Technologie. Neue Akteure werden auf den Sigfox-Zug aufspringen.

Welche zum Beispiel?

Bisher haben sich vor allem große Halbleiterhersteller, also IDMs und Foundries, mit der Entwicklung und der Fertigung von Sigfox-ICs beschäftigt, am Ende standen Standardkomponenten. Nun können auch kleinere Hersteller ihren IP mit unserer Technik zu ASICs kombinieren. Und wer ein ASIC entwickelt, der erwartet sich Stückzahlen, was auch schön für Sigfox ist. Denn er kann damit Märkte adressieren, die bisher nicht in Frage kamen, weil der Aufbau aus diskreten Komponenten zu teuer kam oder zu viel Platz auf der Leiterplatte weggenommen hat. Wir erweitern also den Bereich möglicher Applikationen durch die Öffnung deutlich.

Sigfox hatte doch selber mit den 20-Cent-Knoten gerade den unteren Preissektor abgezielt?

Das ist richtig und dieser Markt entwickelt sich gut. Gerade testet eine größere Firma in Deutschland ein Projekt auf dieser Basis. Und damit bleiben wir nicht stehen: Auf dem letzten Kongress in Berlin hatte CEO Ludovic Le Moan angekündigt, in Richtung 2 Cent gehen zu wollen.
Die ASIC-Hersteller dagegen visieren den Marktbereich unterhalb von 2 Euro und oberhalb von 20 Cent an. Für sie ist es sehr wichtig, dass sie im Detail wissen, wie unser System funktioniert, um drauf eigene Abwandlungen aufsetzen zu können. Öffentlich einsichtige Software-Stacks bieten zu können, ist da ein entscheidender Vorteil, weil die ASIC-Hersteller dann wissen, wie sie sich im Zusammenspiel mit den anderen IPs verhalten. Jetzt können die ASIC-Hersteller also kreativ werden. Und wie gesagt, wenn ein Endkunde sich entscheidet, ein ASIC-Design durchzuführen, stehen entsprechende Stückzahlen dahinter, sonst würde es sich für ihn nichtlohen.

Befürchten Sie, dass die Sigfox-Technik nun kopiert werden könnte?

Die Technik dahinter ist an sich ja sowieso nicht so schwierig. Schwierig dagegen bleibt es, die Spezifikationen von Sigfox exakt zu treffen, dieses Know-how dürfte schwer einzuholen sein.
Unsere Differenzierung besteht darin, dass unser Netz sehr zuverlässig arbeitet, wir haben schon einige Entwicklungsgenerationen hinter uns und viele Geräte im Feld. Die Öffnung des Sigfox-Standards gilt zudem für die verbundenen Geräte, nicht für unsere Basisstationen und unsere Infrastruktur, die durch Patente geschützt ist.

Die Hürde ist also die Zertifizierung?

Ohne sie geht weiterhin nichts, der Weg dorthin vereinfacht sich aber, die Zertifizierung geht schneller und wird billiger.

Erfordert die die Öffnung der Funkspezifikationen eine Änderung der in der Organisation des Unternehmens?

Grundsätzlich nicht aber wir können mit den Kunden offener und transparenter umgehen. Schon das wird Türen in neue Märkte öffnen.
 
Entsteht mit NB-IoT eine ernst zu nehmende Wettbewerbstechnik?

Auf Social Media und im Marketing-Bereich geschieht derzeit sehr viel. Für alle LPWAN-Techniken wird heftig getrommelt. Doch nüchtern betrachtet steht NB-IoT noch ziemlich am Anfang. Und auch wenn sie kommt, visiert diese Technik doch den hochpreisigen Bereich an, die Ebene, auf der es um eher hohe Übertragungsraten geht. Das kostet natürlich etwas Geld und die Leistungsaufnahme ist höher. Wir dagegen haben uns auf den Bereich der niedrigen Datenübertragungsraten und der geringen Kosten fokussiert. Da sehe ich wenig Überschneidungen zwischen Sigfox und NB-IoT. Beide haben ihre Berechtigung.

Genauso wie die LoRa-Systeme?

Es lassen sich eben viele verschiedene Geschäftsmodelle auf LPWAN umsetzen. Das ist ja gerade das Schöne. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Wenn große Unternehmen sich überlegen, ihre Geschäftsmodelle auf vernetzte IoT-Systeme aufzubauen und sie wissen, dass sie ein stabiles Netz benötigen, eine kontinuierliche Überwachung rund um die Uhr sowie schnelle und verlässliche Service-Leistungen und wenn es um Globalität geht, wenden sich viele an uns.