Deutsche Telekom NB-IoT kommt nicht zu spät

Alexander Lautz, Telekom

»Die gute Planbarkeit, 
die umfangreichen Security-
Maßnahmen und die hohe 
Betriebssicherheit sind die großen Vorteile von NB-IoT auf Basis 
lizenzierter Spektren.«
Alexander Lautz, Telekom »Die gute Planbarkeit, die umfangreichen Security-Maßnahmen und die hohe Betriebssicherheit sind die großen Vorteile von NB-IoT auf Basis lizenzierter Spektren.«

Nicht nur auf dem Mobile World Congress in Barcelona, auch auf der embedded world war LPWAN ein heißes Thema. Wie die Telekom in die LPWAN-Welt aufbricht und warum sie auf NB-IoT setzt, erläutert Dr. Alexander Lautz, Senior VP M2M der Telekom, im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Es gibt bereits Firmen und Allianzen wie SigFox und LoRa, die mit Low-Power-Wide-Area-Netzwerktechniken erfolgreich sind und damit den M2M- und IoT-Markt dominieren wollen. Was will die Telekom dem entgegen setzen?

Dr. Alexander Lautz, Telekom: Schon in diesem Sommer wird das 3rd Generation Partnership Project (3GPP) die NB-IoT-Spezifikationen voraussichtlich finalisiert haben, und dann können wir loslegen. Außer der Telekom treiben auch Nokia, Ericsson und Huawei diese Initiative. Die Telekom setzt auf NB-IoT.

Warum glauben Sie, trotz eines späten Starts erfolgreich zu sein? Was sehen Sie als große Vorteile von NB-IoT an?

Wir wollen eine Funktechnik etablieren, die genau auf die Bedürfnisse von M2M und IoT zugeschnitten ist: Viele Geräte sollen eingebunden werden. Die Abdeckung auch in Gebäuden muss funktionieren. Die Kosten pro Gerät sind gering, und die Energieaufnahme ist ebenfalls gering. Außerdem - und das ist ganz wesentlich - ist die NB-IoT mit 2G kompatibel, es arbeitet im 900-MHz-Band.

Welche Änderungen sind an den Basisstation erforderlich, um sie für NB-IoT tauglich zu machen?

Meistens ist nur ein Software-Update erforderlich. Wir können NB-IoT also weltweit relativ einfach hochfahren. Sobald wir einschalten, wird die Luft für andere Wettbewerber dünner.

Führt die Telekom nicht selber Versuche mit SigFox in anderen Ländern durch?

Da ist ein Missverständnis aufgekommen: Es gibt Länder, in denen wir Sendemasten an Dritte vermieten. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Wir als Deutsche Telekom AG sehen strategisch den Standard NB-IoT als die richtige technische Lösung und unterstützen die Standardisierung von LPWA in der 3GPP.

Soll sich NB-IoT etablieren, müssen auch die Endgeräte mit Funkmodulen ausgestattet werden. Können Sie schon abschätzen, bei welchen Kosten die Module liegen werden?

Das Branchenziel ist, dass ein Modul unter 5 Dollar kosten soll. Dieser Zielwert muss aber zunächst mit den Lieferanten abgestimmt werden, sobald die 3GPP-Standardisierung abgeschlossen ist.

Und NB-IoT kann auch Geräte anbinden, die im Keller angebracht sind?

Die Abdeckung wird um mindestens 20 Prozent besser sein als bei GSM. Damit kommen wir in die Keller und in die Untergeschosse von Parkhäusern, um nur ein paar Beispiele zu geben.

Sind Sie mit entsprechenden Anbietern schon in Kontakt?

Ja, wir sind bereit mit verschiedenen potenziellen Kunden im Gespräch. Dazu gehören die Hersteller von Strom-, Gas- und Wasserzählern und die Betreiber von Parkhäusern. Ein weiteres Beispiel ist die Firma Veolia. Sie will mit uns ein System für die effektive Routenplanung von Fahrzeugen für die Abfallbeseitigung aufbauen. Die Abfalltonnen melden über einen Sensor, ob sie voll sind und abgeholt werden müssen. Daraus bestimmt sich der Fahrplan der Lastwagen.

Haben Sie hier schon etwas konkretere Preisvorstellungen?

Das ist in diesem Stadium noch nicht im Detail klar, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Kosten pro Parksensor oder pro Zähler zwischen 1 und 5 Euro pro Jahr liegen werden.
 
Die Bemühungen der 3GPP scheinen sich nach Ihren Aussagen zu beschleunigen. Ist das nicht Firmen wie SigFox oder der LoRa-Alliance zu verdanken? Oder umgekehrt gefragt: Sind die Provider wie die Telekom nicht etwas spät dran?

Wir gehen davon aus, dass es bis zum Jahr 2024 rund 3,8 Milliarden vernetzte Endgeräte geben wird; die Wachstumszahlen im IoT-Markt sind gigantisch. Wir werden uns mit unserem LPWAN-Ansatz einen ganz neunen Markt erschließen. Natürlich müssen wir schnell sein, aber in diesem riesigen Markt wird es Platz für viele geben, auch für LoRa und SigFox.

Sie sagten aber, sobald NB-IoT freigeschaltet wird, könnte die Luft für die anderen dünner werden?

Weil NB-IoT eben handfeste Vorteile bringt. Einige habe ich schon genannt. Man darf vor allem auch die Vorteile eines lizenzierten Spektrums nicht aus dem Blick lassen: die gute Planbarkeit, die umfangreichen Security-Maßnahmen und die hohe Betriebssicherheit. Das sind für viele Anwender höchst wichtige Kriterien. Deshalb bekommen wir auch heute schon sehr viele Anfragen. Und deshalb kommen wir mit unserem Ansatz auch nicht zu spät.