Industrie-4.0-Normung gemeinsam mit China Konsens statt Konfrontation!

Die Industrie-4.0-Normung soll gemeinsam mit China vorangetrieben werden, meldete jüngst der VDE. Warum das manchen Unkenrufen zum Trotz durchaus sinnvoll ist, erläutert VDE-Normungsexperte Johannes Stein im Gespräch mit Markt&Technik.

Deutschland und China sind starke Konkurrenten, trotzdem wollen beide Länder ihre Zusammenarbeit ausbauen – auch bei der Normung für Industrie 4.0. Deshalb werden VDE|DKE und das chinesische Normungsinstitut Instrumentation Technology & Economy Institute Peking (ITEI) künftig eng zusammenarbeiten. Einen Schwerpunkt dabei bildet das Thema Industrie 4.0. Doch das ruft auch die Skeptiker auf den Plan: Wer garantiert, dass China das Wissen nicht einfach „abgreift“ und dann alleine weiterarbeitet?

Dieses hartnäckige Vorurteil entkräftet VDE-Normungsexperte Johannes Stein so: »Die Zusammenarbeit in der Normung ist für beide Seiten nicht neu, denn es findet schon lange ein reger Austausch statt. Aufgrund von Industrie 4.0 haben wir diese Zusammenarbeit nun lediglich mit einem Memorandum of Understanding erweitert.«

Es habe diesbezüglich auch keinen politischen Anstoß gegeben, betont Stein. Eine solche Zusammenarbeit sei bei der Normung völlig normal. »Wir sind grundsätzlich darauf ausgerichtet, internationale Normung zu betreiben, weil wir damit den Welthandel unterstützen. Und das bedeutet auch, dass man auf internationaler Ebene mit anderen Ländern zusammenarbeiten und einen Konsens finden muss.« Konfrontation sei hier weder zielführend noch vorhanden, unterstreicht der Normungsexperte. Dass insbesondere bei Industrie 4.0 alles auf Konfrontation gehe, werde eher von den Medien kolportiert.  
»Bilaterale Gespräche sind wichtig, daher haben wir eine Reihe von bilateralen Abkommen vor allem mit den so genannten Developing Countries«, erklärt Stein weiter. Auch China gehört nach wie vor zur „Liste“ diese Developing Countries.

Über solche bilateralen Gespräche mit einzelnen Ländern hinaus obliegt die Normung auf internationaler Ebene dem IEC: Dort werden Normen in verschiedenen Arbeitsgruppen diskutiert und verabschiedet: Die IEC Gruppe »Strategic Group 8« beim IEC beispielsweise befasst sich mit Industrie 4.0 / Smart Manufacturing und bildet eine Art Lenkungsgremium, das das oberste IEC-Gremium direkt berät. Den Vorsitz hat eine Doppelspitze aus USA und Deutschland inne. Auch das beweise einmal mehr, so Stein, dass es nicht um Konfrontation geht, sondern darum, einen Konsens zu finden. »Natürlich ist das nicht immer einfach, und es gibt internationale Interessen. Normung bedeutet ja nicht, das Know-how preiszugeben, sondern einen Rahmen zu schaffen. Es bleibt genügend Raum für Patente und USPs, mit denen sich Unternehmen vom Wettbewerb differenzieren können.«

Inwieweit sich Firmen an Normungsdiskussionen beteiligen, muss also jedes Unternehmen für sich selbst abwägen und entscheiden. »Wir als DKE/VDE sehen uns hier als Vermittler«.
In jedem Fall gilt: Normen – auch die für Industrie 4.0 – sollten nach Möglichkeit weltweit aufgesetzt werden, um globale Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen. Auf der europäischen Ebene gibt es zum Beispiel ein klares Regelwerk, das verhindert, dass nationale Regelungen aufgestellt werden, die den Binnenmarkt behindern könnten. Länderspezifische Vorschriften können in Modifications eingebracht werden, wo dies erforderlich ist.

VDE auf der Hannover Messe: Halle 13, Stand C20