Blockchain für Industrie 4.0 Jetzt kommen die Anwendungen

Christian Reichenbach, Solution Strategist, Hewlett Packard Enterprise: »Wir machen die Blockchain nicht der Blockchain wegen, sondern weil sie den Datenfluss erst ermöglicht.«
Christian Reichenbach, Solution Strategist, Hewlett Packard Enterprise, auf dem »2. Markt&Technik Blockchain Summit powered by NürnbergMesse«: »Wir machen die Blockchain nicht der Blockchain wegen, sondern weil sie den Datenfluss erst ermöglicht.«

Eine Monetarisierungs-Plattform für die Automobilindustrie haben HPE, Continental und Crossbar.io FX innerhalb einer strategischen Partnerschaft entwickelt.

Das klingt einfach, hat es aber in sich: Zwar wollen die Automobilhersteller auf Grundlage der vielen Daten, die die Autos auf ihrer Fahrt sammeln, ihren Kunden neue Dienstleistungen anbieten – und selbstverständlich auch daran verdienen. Doch es stellen sich viele Fragen: Eine Marke, die in einem Land stark ist, hat in einem anderen Land nur wenig Autos auf der Straße. Dort kann der betreffende OEM also nur wenige Daten sammeln, also keine umfassenden Dienste aufbauen. Richtig klappen wird das Ganze aber nur länderübergreifend. Also wäre Zusammenarbeit mit Wettbewerbern angebracht. Doch will ein OEM dem Wettbewerb solche Daten zur Verfügung stellen? Will er selber Daten der Wettbewerber nutzen? Und wollen die Fahrer ihre Daten den OEMs oder wem auch immer überhaupt zur Verfügung stellen? Wer hat die Hoheit, wer behält sie?

Dass sich derzeit Datenbroker oder große IT-Unternehmen dazwischen schieben wollen, dürfte weder die OEMs noch alle anderen Beteiligten freuen. Sie wollen selber direkt davon profitieren. Aber wie?

Christian Reichenbach, Solution Strategist von Hewlett Packard Enterprise (HPE), hat diese Frage auf dem „2. Markt&Technik Blockchain Summit powered by NürnbergMesse“ beantwortet. Um Transparenz und Vertrauen zu schaffen, um die verlässliche, nachvollziehbare und nachträglich nicht fälschbare Dokumentation zu gewährleisten, setzt die Plattform auf die Blockchain-Technik: »Wir speichern keine Daten, sondern ermöglichen ihren Austausch. Die Blockchain sorgt dafür, dass alle den Zugriff auf die Datenströme bekommen – ohne dass ein Beteiligter betrügen kann«, sagte er auf der Veranstaltung. Dabei arbeitet die Blockchain im Hintergrund: »Wir machen die Blockchain nicht der Blockchain wegen, sondern weil sie den Datenfluss erst ermöglicht.«

Dass das Konzept funktioniert, haben die Partner bereits auf der CES in Las Vegas Anfang dieses Jahres an einem Piloten demonstriert: »Über 40 Hersteller waren dort, alle, denen wir sie vorgestellt haben, waren von der Plattform begeistert.«
Kein Wunder, wie dieses Beispiel zeigt: Wetterdaten stehen über das Smartphone zur Verfügung. Aber wer auf einer bestimmten Straße fährt, der kann über einen neuen Straßen-Wetter-Service detaillierte Informationen bekommen. Dazu sammelt die Plattform die Daten von den Autos, die gerade die besagte Straße befahren. Wer den Service für einen gewissen Betrag bucht, der erhält nicht nur die Information, dass die Straße nass ist, sondern dass hinter einer bestimmten Kurve oder Kuppe Aquaplaning droht, dass bestimmte Straßenabschnitte mit Laub verschmutzt und glatt sind. »Solche Informationen stehen sonst nirgends zur Verfügung und bieten einen echten Mehrwert«, so Reichenbach.

Weil alles so gut klappt, fühlt sich die Kooperation zwischen HPE, Continental und Crossbar. io als schon längst über den Pilotstatus hinausgewachsen an: »Auf Basis der Blockchain gelingt es uns, alle Beteiligten zusammen zu bringen. Voraussetzung war, dass wir selber – HPE, Continental und Crossbar.io – dieselben Visionen von einem solchen Plattformkonzept hatten.« Weil alle ihre besonderen Fähigkeiten eingebracht haben – Continental das Wissen im Automobilmarkt, Crossbar.io ihre Expertise im Bereich Echtzeitdatenaustausch – ließ sich das Projekt sehr schnell bis zur Anwendungsreife umsetzen.